3. Saarländischer Ganztagsschulkongress "Qualität im Ganztag"

Fast 200 Lehrer und Pädagogen waren am Samstag zum Lernforum "Qualität im Ganztag" in die Europäische Akademie nach Otzenhausen gekommen. "Ideen für mehr"! Ganztägig lernen." standen im Mittelpunkt einer Reihe von Fachforen zur Qualitätsentwicklung in Ganztagsschulen. Organisiert wurde die Tagung von der Serviceagentur "Ganztägig lernen.", Saarland.

29.06.2009 Pressemeldung Ministerium für Bildung und Kultur Saarland

"Wir müssen den Focus auf Qualität legen", betonte Bildungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer in einem Grußwort an die Teilnehmer. Ziel müsse sein, dass Eltern zwischen verschiedenen Schulen und Betreuungsangeboten wählen können. Zwischen so genannten echten Ganztagsschulen und den Angeboten in Freiwilligen Ganztagsschulen gebe es lediglich einen "künstlichen Gegensatz".

Der größte Vorteil des saarländischen Konzepts der Freiwilligen Ganztagsschulen bestehe darin, dass Kinder und Jugendliche ein umfassendes Angebot an Bildung und Betreuung erhielten und trotzdem ihre sozialen Kontakte in Familien und bei Freunden aufrecht erhalten könnten. Dies sei wichtig für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, aber auch für Vereine, die sich darauf einstellen könnten, unterstrich die Ministerin.

Maren Wichmann von der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung in Berlin bezeichnete Qualität als "Leitbegriff in der Bildungsdebatte". Dabei gehe es darum, bessere Voraussetzungen für individuelle Förderung zu schaffen, die Abhängigkeit des Bildungserfolgs von der sozialen Herkunft zu reduzieren sowie eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu gewährleisten.

Wichmann forderte zugleich ein "Umdenken" in der Bildung. Die Frage dürfe nicht sein, wie ein Kind oder ein Jugendlicher sein muss, um der Schule gerecht zu werden, sondern: "wie muss Schule sein". Unabhängig davon, welche Variante der Ganztagsschule in den Ländern gewählt werde, sei für alle eine Kooperation mit außerschulischen Partnern "zentral wichtig".

In den verschiedenen Fachforen stand vor allem die konkrete Praxis an Ganztagsschulen im Mittelpunkt. So diskutierten die Teilnehmer in dem Forum "Das große Wir" Bedingungen und Voraussetzungen für Teamarbeit an Schulen. Hätten Lehrer in der Vergangenheit zumeist als "Einzelkämpfer" gearbeitet, müsse jetzt Teamarbeit immer mehr in den Mittelpunkt rücken. Wie dies entwickelt werden könne, sei von Schule zu Schule unterschiedlich. Wichtig sei in jedem Fall, dass es eine Begleitung von Außen wie durch die Serviceagentur "Ganztägig lernen." gebe.

Ein weiteres Forum zeigte Wege auf, wie Schulen ein eigenes Leitbild entwickeln können. Dabei kann sich ein Leitbild auf einzelne Bereiche der Schule wie etwa das Angebotsprofil oder das Qualitätsmanagement ebenso beziehen wie auf die gesamte Schule. Weitere Foren zeigten an Beispielen die große Bedeutung der Projektarbeit als Chance für eigenständiges Lernen sowie des Praxisbezugs als eine Bedingung für das Gelingen einer guten Ganztagsschule.

Im Rahmen der Tagung wurden auch drei so genannte "Tandemschulen" ausgezeichnet. Die Idee dahinter ist die Kooperation von Schulen bei bestimmten Projekten, um dabei voneinander und miteinander zu lernen, um gemeinsam besser zu werden. Sie erhielten aus der Hand der Bildungsministerin ihr Schild als "Referenzschule", Zeichen dafür, dass sie beispielgebende Projekte in Kooperation realisiert haben. Ausgezeichnet wurden die ERS Homburg und ERS Saarbrücken-Bruchwiese für die Umsetzung der frühzeitigen Berufsorientierung in Ganztagsklassen, die Gesamtschule Mettlach-Orscholz und die Graf-Ludwig-Gesamtschule Völklingen für den Aufbau und die Weiterentwicklung eines Schreiblesezentrums sowie die Grundschulen Lockweiler und Hüttersdorf für ihren Erfahrungsaustausch etwa bei Organisation und Betreuung.

Melanie Helm Leiterin der Serviceagentur "Ganztägig lernen." zog ein positives Fazit insbesondere der intensiven Arbeit in den Foren. Qualitätsentwicklungsprozesse bedeuten Arbeit und auch die eigene Arbeit in Frage zu stellen, betont Helm. Die fast zweihundert Teilnehmer hätten sich nicht nur informiert, sondern in den Diskussionen auch erkennen lassen, dass sie sich "in der Praxis auf den Weg machen" wollten. Und das alleine sei "ein Riesenfortschritt für die Qualitätsentwicklung in unseren Ganztagsschulen".


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