Ab Montag beginnt in Nordrhein-Westfalen der Prognoseunterricht an den Grundschulen
In der Woche vom 23. bis zum 27. April findet in Nordrhein-Westfalen zum ersten Mal der Prognoseunterricht für Grundschülerinnen und Grundschüler statt. Teilnehmen werden alle Kinder, deren Eltern ihr Kind an einer weiterführenden Schulform anmelden möchten, für die es keine Eignungs-Empfehlung erhalten hat.
20.04.2007 Nordrhein-Westfalen Pressemeldung Ministerium für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-WestfalenMit dem neuen Schulgesetz, das seit diesem Schuljahr gilt, ist der Übergang von der Grundschule in die weiterführende Schule nach der vierten Klasse verbindlicher geregelt. Die Grundschule benennt in ihrer Empfehlung für die weitere Schullaufbahn des Kindes eine Schulform (Hauptschule, Realschule oder Gymnasium) und daneben auch die Gesamtschule. Ist ein Kind für eine weitere Schulform mit Einschränkungen geeignet, wird auch diese benannt. Wollen Eltern ihr Kind an einer Schulform anmelden, für die es nach der Empfehlung der Grundschule nicht und auch nicht mit Einschränkungen geeignet ist, entscheidet ein dreitägiger Prognoseunterricht. Nur wenn alle drei beteiligten Pädagogen (je eine Lehrkraft aus der Grundschule, der weiterführenden Schule und der Schulaufsicht) nach dem Prognoseunterricht übereinstimmend der Auffassung sind, dass das Kind offensichtlich nicht - auch nicht mit Einschränkungen - für die von den Eltern gewählte Schulform geeignet ist, steht der Elternwille zurück. Landesweit nehmen rund 3300 von 189 000 Viertklässlern am Prognoseunterricht teil, das entspricht einer Quote von 1,76 Prozent.
Schulministerin Barbara Sommer: "Uns geht es darum, schulische Leidenswege zu verhindern. Kinder, die auf eine für sie nicht geeigneten Schulform gehen, erleben Misserfolge, leiden oft seelisch stark darunter und können auch nach einem Schulwechsel später kaum zu weiteren Leistungen motiviert werden." Der Prognoseunterricht dauert drei Tage und umfasst an jedem Tag drei Unterrichtsstunden in Deutsch, Mathematik und weiteren Lernbereichen der Grundschule. Etwa 15 Kinder nehmen jeweils daran teil, mündliche und schriftliche Unterrichtsphasen wechseln einander ab. Aus den Leistungen im Unterricht und dem Gesamteindruck des Kindes gewinnen die beteiligten Lehrkräfte ein Bild von der Eignung für die jeweilige Schulform.
Barbara Sommer: "Um Missverständnissen vorzubeugen: Der Prognoseunterricht ist keine Aufnahmeprüfung. Hier passiert nichts Außergewöhnliches. Die Kinder haben ganz normalen Unterricht, wie sie ihn aus ihrer eigenen Schule kennen. Niemand muss sich also vor der nächsten Woche fürchten."
Von den rund 3300 Kindern, die am Prognoseunterricht teilnehmen, möchten rund 64 Prozent eine Realschul-Empfehlung erreichen und etwa 34 Prozent eine Empfehlung für das Gymnasium. Nur rund 2 Prozent der Kinder nehmen am Prognoseunterricht teil, weil die Eltern trotz einer Empfehlung für eine höhere Schulform diese bei der Anmeldung nicht berücksichtigt haben.
Da der Prognoseunterricht in diesem Jahr erstmalig stattfindet, gibt es keine Vergleichszahlen zu den Vorjahren. Schulformempfehlungen wurden bislang nicht statistisch erhoben. Dennoch lässt sich anhand einer Stichprobe zu den Schulformempfehlungen von 50 Grundschulen feststellen, dass die Neuregelung nicht zu einer deutlichen Verschiebung der Anmeldequoten an den einzelnen Schulformen führen wird. Hochgerechnet auf das Land haben in diesem Jahr zum Beispiel 42 Prozent der Kinder eine Empfehlung oder eine eingeschränkte Empfehlung für das Gymnasium erhalten, das sie ohne Teilnahme am Prognoseunterricht besuchen können. Dies liegt über der letztjährigen Übergangsquote von 39 Prozent. Neben den 42 Prozent mit einer Empfehlung für das Gymnasium haben 34 Prozent eine Empfehlung oder eine eingeschränkte Empfehlung für die Realschule und 24 Prozent eine Empfehlung für die Hauptschule bekommen. Ungeachtet dessen können Eltern ihre Kinder immer auch auf einer Gesamtschule anmelden.
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