Schulstart

Sachsen-Anhalt: Schuljahr beginnt mit vielen Neueinstellungen und mehr Praxis

Am Montag beginnt in Sachsen-Anhalt das neue Schuljahr 2026/2027 für rund 259.000 Schüler:innen an allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen. Unter ihnen sind ca. 17.800 Kinder, die eingeschult werden. An Sachsen-Anhalts Schulen wurden zuletzt 6.832 Kinder und Jugendliche aus der Ukraine unterrichtet.

14.08.2026 Sachsen-Anhalt Pressemeldung Ministerium für Bildung des Landes Sachsen-Anhalt
  • Eine Lehrerin steht in einem Klassenzimmer. © 2015 wavebreakmedia/Shutterstock Trotz angespannter Haushaltslage konnten in diesem Jahr 42 Pädagogische Mitarbeiter:innen eingestellt werden.

Derzeit befinden sich an den 736 allgemeinbildenden und 24 berufsbildenden öffentlichen Schulen des Landes 16.274 Lehrkräfte, 2.739 von ihnen sind Lehrkräfte im Seiteneinstieg. Zudem sind 2.021 Pädagogische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, 108 Schulverwaltungsassistentinnen und -assistenten sowie 115 pädagogische Unterrichtshilfen im aktiven Dienst.

Bildungsminister Jan Riedel: „Ein neues Schuljahr ist immer auch ein Aufbruch - es bringt neue Chancen, neue Ideen und die Möglichkeit, gemeinsam etwas zu bewegen. Ich wünsche allen Schülerinnen und Schülern, Lehrkräften und allen, die Schule jeden Tag mitgestalten, einen guten und motivierten Start. Wir haben in den vergangenen Monaten wichtige Weichen gestellt und die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass sich Schule weiterentwickeln kann. Jetzt geht es darum, diesen Weg gemeinsam mit allen Akteuren weiterzugehen – damit guter Unterricht gelingt und Schule ein Ort bleibt, an dem Kinder und Jugendliche gerne lernen, wachsen und ihre Zukunft gestalten.“

Die Themen im Einzelnen:

Einstellungen

In diesem Kalenderjahr wird eine bisher ausgesprochen positive Personalbilanz gezogen: So konnten bisher aufgrund dauerhafter Ausschreibungen und großer Einstellungskorridore 1.223 weitere Lehrkräfte gewonnen werden, darunter 340 Lehrkräfte im Seiteneinstieg. Dem stehen 1.059 Abgänge gegenüber. Zudem konnten in diesem Jahr trotz angespannter Haushaltslage noch 42 Pädagogische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingestellt werden.

Auf der Basis heute bekannter Sachverhalte kann relativ sicher von einer Entspannung des Lehrkräftemangels bis etwa 2030 ausgegangen werden. Dieser Prozess, dem die derzeit sinkenden Schülerzahlen an öffentlichen allgemeinbildenden Schulen entgegenkommen, wird zunächst in den Grundschulen und in den Gymnasien spürbar werden. Das hat, neben den in den Grundschulen zurückgehenden Schülerzahlen, den Grund, dass diese Lehrämter stärker von Studierenden nachgefragt werden und Absolventinnen und Absolventen mit den Lehrämtern an Grundschulen und an Gymnasien auf den Arbeitsmarkt gelangen.

Bis dies eintritt, bleibt der Lehrkräftebedarf eine der größten Herausforderungen, denen sich Sachsen-Anhalt im bundesweiten Wettbewerb stellt – und das mit Erfolg. Neben der grundständigen Lehrkräfteausbildung mit 1.200 Studienplätzen an den beiden Universitäten des Landes und den Einstellungsangeboten an alle Absolventinnen und Absolventen zeigen auch andere Maßnahmen Wirkung – wie z.B. die Zugangs-Flexibilisierungen für Lehrkräfte im Seiteneinstieg, das Praxisintegrierende duale Lehramtsstudium an Sekundarschulen sowie das Weltenretter-Stipendium. Informationen dazu finden sich auf der Homepage der Weltenretter-Kampagne des Ministeriums – www.weltenretter.online.

Ausbau Praxislerntage (PLT)

Nach Beendigung des Modellprojekts „Duales Lernen in Form von Praxislerntagen“ (PLT) und der nunmehr schulgesetzlich verankerten Verstetigung des dualen Lernens wächst die Zahl Schulen im Land, die PLT an ihren Standorten etablieren wollen. Zu den 55 bereits teilnehmenden Schulen kommen mit Schuljahresbeginn 17 weitere Schulen hinzu. Damit befinden sich nunmehr fast die Hälfte aller Sekundar- und Gemeinschaftsschulen sowie zahlreiche Förderschulen im Programm. Im Rahmen der PLT sollen sich Schulen regional mit Unternehmen/Firmen/Betrieben vernetzen, um die Schülerinnen und Schüler praxisnah auf das spätere Ausbildungs- und Berufsleben vorzubereiten. Zur Unterstützung der Schulen wurde am Landesinstitut für Schulqualität und Lehrerbildung (LISA) eine „Pädagogische Arbeitsstelle Praxislerntage“ eingerichtet – diese bietet Beratungs-, Fortbildungs- und Netzwerkangebote. Zudem steht den Schulen mit der Einführung der neuen Personalkategorie „pädagogische Unterrichtshilfen“ Personal zur Verfügung, u.a. um die Betreuung der Schülerinnen und Schüler während der Praxislerntage zu verbessern und organisatorische Prozesse zu vereinfachen. Das Ministerium für Bildung befindet sich zum Thema PLT im regelmäßigen Austausch mit den beteiligten Akteuren, insbesondere mit den Kammern und Wirtschaftsverbänden mit denen im Beisein des Ministerpräsidenten eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichnet wurde. Bereits für Herbst ist ein weiteres Arbeitstreffen mit allen Beteiligten geplant.

Ausbau Produktives Lernen (PL)

Auch die Zahl der Schulen, die das Produktive Lernen (PL) anbieten, steigt mit dem neuen Schuljahr an. 25 Schulen in allen Regionen des Landes bieten diese Lernform für Schülerinnen und Schüler an, die ansonsten voraussichtlich keinen anerkannten Schulabschluss erreichen würden. Für die Durchführung des PL (und PLT) stellt das Land den Schulen ab diesem Schuljahr ein Schulbudget bereit. Einzelheiten zum dualen Lernen (PLT und PL) finden sich hier: Duale Lernformen

Stärkung von Grundkompetenzen

Ein weiterer Schwerpunkt des Schuljahres 2026/2027 ist die Stärkung der Basiskompetenzen Lesen und Rechnen. Sachsen-Anhalt baut seine wissenschaftsbasierte Leseförderung weiter aus. Nach positiven Erfahrungen an bislang 14 Pilotschulen soll das sogenannte Leseband schrittweise an bis zu 140 Grundschulen eingeführt werden. Dabei wird mehrmals pro Woche eine feste zusätzliche Lesezeit von etwa 15 bis 20 Minuten im Stundenplan verankert, in der Schülerinnen und Schüler ihre Leseflüssigkeit und ihr Textverständnis systematisch trainieren. Für das Schuljahr 2026/2027 haben bereits 32 weitere Schulen – darunter neun Grundschulen aus dem Startchancen-Programm – ihr Interesse an einer Teilnahme bekundet. Damit wird sich die Zahl der beteiligten Schulen mehr als verdreifachen. Ergänzend unterstützt das Programm „Lesesportler“ Schulen dabei, die Leseflüssigkeit durch regelmäßige Partnerleseübungen im Deutschunterricht zu fördern; entsprechende Materialien und Fortbildungsangebote des Landesinstituts für Schulqualität und Lehrerbildung Sachsen-Anhalt (LISA) werden bereits von zahlreichen Schulen genutzt.

Auch die mathematischen Basiskompetenzen werden gezielt gestärkt. Im bundesweiten Programm QuaMath arbeiten mittlerweile 252 Lehrkräfte aus 83 Schulen in zwölf Schulnetzwerken an der Weiterentwicklung eines wirksamen Mathematikunterrichts. Seit dem Start des Programms im Schuljahr 2024/2025 hat sich die Zahl der teilnehmenden Schulen damit mehr als verdoppelt. Das Programm unterstützt ganze Fachschaften durch Fortbildungen, erprobte Materialien und die Begleitung durch qualifizierte Multiplikatorinnen und Multiplikatoren, um die Qualität des Mathematikunterrichts nachhaltig zu verbessern.

Startchancen-Programm

Das Startchancen-Programm steht für das Engagement für mehr Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit in Sachsen-Anhalt. An den 98 teilnehmenden Schulen wird dieses Ziel mit konkreten Maßnahmen lebendig. Ein wichtiger Baustein ist die zusätzliche personelle Unterstützung: Alle Startchancen-Schulen erhalten Verstärkung durch Schulverwaltungsassistenz, Pädagogische Mitarbeit oder Sozialpädagogik. Dadurch entstehen neue Möglichkeiten, Schülerinnen und Schüler individueller zu fördern, Lehrkräfte zu entlasten und schulische Entwicklungsprozesse voranzubringen.

Auch bei der individuellen Förderung setzt das Programm neue Impulse. Mit einer Diagnostiksoftware erhalten alle Lehrkräfte in Sachsen-Anhalt nun ein Instrument, um Lernstände systematisch sichtbar zu machen und passgenaue Fördermaßnahmen abzuleiten. Gleichzeitig werden die ersten der rund 20 geplanten Familienschulzentren an Schulen aufgebaut, die Bildung, Beratung und Begegnung stärker miteinander verbinden und Familien im Schulumfeld einbinden. Die Umsetzung des Programms wird durch ein starkes Netzwerk aus Partnern auf kommunaler und Landesebene begleitet. Gemeinsam entstehen neue Möglichkeiten, um Bildungschancen zu verbessern und die Startchancen-Schulen langfristig zu stärken.

Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung – Modellprojekt Schule-Hort evaluiert

Seit dem 1. August tritt der mit dem Ganztagsförderungsgesetz des Bundes geregelte Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder stufenweise in Kraft - beginnend mit den Schülerinnen und Schülern der 1. Klasse. In Sachsen-Anhalt wird dies bereits seit mehr als zwei Jahrzehnten gelebt und geht über den nun geltenden bundesdeutschen Mindestanspruch von 8 Stunden täglich hinaus. Das aktuelle System aus Grundschule mit verlässlicher Öffnungszeit von 5,5 Stunden und Hort ermöglicht eine maximale Betreuung von bis zu 11,5 Stunden je Schultag und bis zu 10 Stunden je Ferientag. Das von 2023 bis 2025 laufende Modellprojekt Kooperation Schule-Hort von Bildungs- und Sozialministerium (mit Unterstützung der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung - DKJS) hatte zum Ziel, die Zusammenarbeit zu stärken und damit die Bildungs- und Fördermöglichkeiten für Kinder sowie die Qualität der Kooperation weiter zu verbessern.

Die bisherigen Evaluationsergebnisse zeigen, dass insbesondere feste Kooperationsstrukturen, gemeinsame pädagogische Ziele und eine abgestimmte Organisation des Schul- und Hortalltags entscheidend für die Qualität ganztägiger Bildungsangebote sind. Die im Projekt gewonnenen Erfahrungen und Erkenntnisse sollen genutzt werden, um bewährte Ansätze weiterzuentwickeln und langfristig zu sichern. Im vergangenen Schuljahr begann ein zweites Modellprojekt Schule-Hort, das gemeinsam mit dem Sozialministerium sowie mit Unterstützung der DKJS auch in diesem Schuljahr an 15 Modellschulen fortgesetzt wird.

Alle Grundschulen und Horte in Sachsen-Anhalt sind dazu aufgerufen, ihre Zusammenarbeit im Sinne eines gelebten Kooperationsgebots weiter zu stärken und noch gezielter weiterzuentwickeln.

Ausbau FSJ an Ganztagsschulen

Die Möglichkeit des Freiwilligen Sozialen Jahres FSJ an Ganztagsschulen wird als bewährte Unterstützungsform weiter fortgeführt. Hierfür hat das Land einen Zuwendungsvertrag über zwei weitere Schuljahre (bis 31.07.2028) mit mehreren FSJ-Trägern geschlossen. An den weiterführenden Ganztagsschulen stehen 80 FSJ-Plätze zur Verfügung, an den Ganztagsgrundschulen 15 FSJ-Plätze.

Stärkung der Demokratiebildung an Schulen

Mit der Handreichung zur Demokratiebildung, dem Erlass zum Umgang mit parteipolitischer Werbung und Politikerbesuchen an Schulen, dem Wegweiser im Umgang mit Extremismus und nicht zuletzt mit dem Schulgesetz hat das Ministerium den pädagogischen Fachkräften eine stärkere Handlungs- und Rechtssicherheit gegeben. Darüber hinaus wird das Thema Beutelsbacher Konsens in Fortbildungsveranstaltungen und bei Fachtagen immer wieder thematisiert. Auf den Webseiten des Ministeriums und des Landesschulamtes sowie auf dem Landesbildungsserver sind Materialien und Beratungsangebote sowie verschiedene pädagogische Angebote der Prävention, Intervention und Aufbereitung veröffentlicht.

Ziel ist es, Lehrkräften und Schulleitungen eine verbindliche und pädagogisch fundierte Grundlage für den Umgang mit politisch sensiblen Situationen zu geben und die Rolle der Schule als zentralen Ort demokratischer Bildung zu stärken.

Neustrukturierung der Qualifizierung für Lehrkräfte im Seiteneinstieg

Die bereits im April begonnene Pilotphase der Neuausrichtung der Seiteneinstiegsqualifizierung ist gut angelaufen und wird von Lehrkräften im Seiteneinstieg positiv angenommen. Ziel der Neustrukturierung ist es, die professionelle Begleitung und langfristige Integration der Lehrkräfte im Seiteneinstieg deutlich zu stärken. So wurde ein einjähriges Qualifizierungsprogramm mit einem festen wöchentlichen Tag eingeführt. Es vermittelt pädagogische, didaktische und schulrechtliche Kompetenzen, ergänzt durch fachdidaktische Module. Ein flexibles, rollierendes System ermöglicht den individuellen Einstieg zum Zeitpunkt der Einstellung, während ein zweiwöchiges Onboarding mit Präsenz-, Digital- und Praxiseinheiten die nachhaltige Vorbereitung auf den Schulalltag sichert.

Neue Altersermäßigung für Lehrkräfte

Mit Beginn des neuen Schuljahres wird die Altersermäßigung bei der individuellen Unterrichtsverpflichtung neu geregelt. Ausgehend von bisher zwei Abminderungsstunden ab dem 62. Lebensjahr gibt es nun bereits ab dem 60. Lebensjahr eine Abminderungsstunde, ab dem 62. Lebensjahr zwei und ab dem 65. Lebensjahr drei.

Damit reagiert das Land Sachsen-Anhalt auf die Herausforderungen des demografischen Wandels. Zahlreiche Lehrkräfte erreichen die Regelaltersgrenze oder befinden sich bereits in den Jahrgängen, die eine vorgezogene Altersrente oder einen Antragsruhestand in Anspruch nehmen können. Die Altersermäßigung ist eine Maßnahme, um diesen Personenkreis zu einem Verbleib im Schuldienst zu motivieren. Weitere Angebote für ältere Lehrkräfte wurden im Rahmen der WELTENRETTER-Kampagne fokussiert. Diese finden sich hier: Weltenretter – Lehrkräfte im Ruhestand.

Flexibler Personaleinsatz

Mit den bewährten Mitteln u.a. des flexiblen Unterrichtseinsatzes und der Zusatzstunden ist es Dank des damit verbundenen Engagements der Kollegien an den Schulen gelungen, den ersatzlosen Unterrichtsausfall auf ein Minimum zu begrenzen. Diese Instrumente werden auch im kommenden Schuljahr fortgeführt, um bei fehlendem Personal schulinterne Lösungen anzubieten. Weitere Schritte zur schulformübergreifenden Flexibilisierung und Vereinfachung des Ausgleichs von Arbeitsvermögen wurden unternommen und tragen in diesem Schuljahr erste Früchte. Mit den am Schuljahresende durchgeführten schulformübergreifenden Regionalkonferenzen der Schulleitungen wurden Kommunikationsstrukturen aufgebaut, um Ausgleichsmaßnahmen, insbesondere Abordnungen und Versetzungen auch an andere Schulformen, zu beschleunigen und zu erleichtern. Begleitend wurden auch rechtliche Rahmenbedingungen gelockert, um einen schulformübergreifenden Einsatz beispielsweise von Gymnasiallehrkräften an Sekundarschulen zu begünstigen.

Flexibles Personalbudget

Zur Unterstützung der Schulen wird das flexible Personalbudget auch in diesem Schuljahr fortgeführt. Den Schulen stehen gemäß Haushaltsjahr bis zum Jahresende Mittel in Höhe von 35 Euro je Schülerin und Schüler zur Verfügung, um Unterstützungskräfte insbesondere für Arbeitsgemeinschaften, Hausaufgabenhilfe, Projekte und Veranstaltungen, unterrichtsbegleitende Tätigkeiten sowie innovative Modelle der Unterrichtsorganisation einzusetzen. Damit soll den Schulen auch weiterhin die Möglichkeit gegeben werden, passgenaue Lösungen vor Ort zu entwickeln und zusätzliche Unterstützung für ihre pädagogische Arbeit zu gewinnen. Das Bildungsministerium hat für den kommenden Haushalt ab 2027 weiterhin Mittel für das flexible Personalbudget eingeplant, die unter Vorbehalt der Genehmigung des Gesetzgebers stehen. Somit soll das flexible Personalbudget auch in den kommenden Schuljahren weitergeführt werden.

Ausbau Digitalisierung an Schulen

Auch die digitale Unterstützung von Unterricht und Schulentwicklung wird zu Beginn des Schuljahres 2026/2027 weiter ausgebaut. Neben bereits etablierten KI-Tools wird mit AIS.chat eine datenschutzkonforme, länderübergreifend entwickelte KI-Plattform zur Verfügung stehen. Lehrkräfte erhalten damit zusätzliche Möglichkeiten für die Unterrichtsvorbereitung, die Arbeit mit eigenen Materialien sowie die pädagogische Nutzung.

Mit dem Projekt „Lernwelt“ werden darüber hinaus neue Möglichkeiten für eigenverantwortliches und selbstgesteuertes Lernen geschaffen. Ab diesem Schuljahr stehen interessierten Schulen ein digitales Lernbüro mit fächerübergreifenden Online-Selbstlernkursen im MINT-Bereich für die Jahrgänge 5 und 6 sowie einer begleitenden Online-Lernbegleitung zur Verfügung.

Die rund 90 Digitalassistentinnen und -assistenten in Sachsen-Anhalt unterstützen Schulen auch im Schuljahr 2026/2027 mit bedarfsgerechten, individuell abgestimmten Fortbildungen und Beratungen direkt vor Ort. Das Angebot wurde erweitert und umfasst unter anderem Fortbildungen zu Künstlicher Intelligenz, Datenvisualisierung und politischer Medienbildung. Gemeinsam mit Lehrkräften entwickelt die Digitalassistenz freie digitale Bildungsmaterialien, Materialien für Projektwochen und Förderschulen sowie Selbstlern- und Unterrichtskurse, so dass Ausfall durch digitale Lernarrangements verringert werden kann.

Ausbau Bildungsmanagementsystem

Der Ausbau des Bildungsmanagementsystems BMS-LSA schreitet weiter voran. So wurde die digitale Beantragung von Zusatzstunden erfolgreich durchgeführt. Für jede Lehrkraft wurde dafür zunächst ein individueller Zugang eingerichtet. Dementsprechend erfolgt die Buchung von geleisteten Zusatzstunden nun unmittelbar im BMS-LSA. Das betrifft auch die Anweisung zur monatlichen Auszahlung von genehmigten Zusatzstunden.

BMS-LSA soll auch für weiterführende Schulen künftig mehr Funktionen abbilden. Wesentliche Voraussetzung bildet die Übergabe der Schülerdaten aus den Grundschulen an die jeweiligen weiterführenden Schulen. Die Pilotierung dieses Prozesses wurde zum Ende des vergangenen Schuljahres erfolgreich abgeschlossen. Derzeit laufen die Entwicklungsarbeiten, um die Erfassung der Schullaufbahnerklärung als digitale Verwaltungsleistung über das Serviceportal Schule zu realisieren. Ziel ist es, den Prozess des Übergangs von der Grundschule an eine weiterführende Schule umfassend digital abzubilden. Die Umsetzung dieser Funktionalität ist für das zweite Schulhalbjahr vorgesehen.

Schulentwicklungsplanung

Die in den vergangenen Jahren rückläufige Geburtenentwicklung hätte dramatische Auswirkungen auf das Schulnetz in Sachsen-Anhalt. Bereits im zurückliegenden Schuljahr hat der Landtag den Trägern der Schulentwicklungsplanung bis 2029 deutlich mehr Zeit eingeräumt um die Schulentwicklungspläne fortzuschreiben und gleichzeitig das Ziel formuliert, die Herausforderungen für das Schulnetz zu diskutieren und konsensorientierte Schulentwicklungspläne zu aufzustellen. Das Ministerium für Bildung ist dazu in aktivem Austausch mit den Landkreisen und kreisfreien Städten. Es besteht weitgehend Einigkeit darüber, das Schulnetz trotz schwieriger Rahmenbedingungen möglichst stabil zu halten. Dazu zeichnen sich in den Regionen gestaltbare Lösungen ab, zu denen auch schulformübergreifende Verbünde, beispielsweise Campus Schulen, gehören können.

Runder Tisch mit Schulen in freier Trägerschaft

Das Ministerium für Bildung hat mit der Einrichtung eines regelmäßigen Runden Tisches mit den Trägern der allgemeinbildenden und berufsbildenden Ersatzschulen ein neues Format für kontinuierlichen Austausch geschaffen. Neben dem Dialog dient das Format auch als Beratungsgremium des Ministeriums für Bildung bei bildungspolitischen Entscheidungen mit Auswirkungen auf die Schulen in freier Trägerschaft. In enger Zusammenarbeit und auf Augenhöhe mit Politik und Verwaltung soll die Neuausrichtung der Bildungspolitik mit Bezug auf die Auswirkungen auf die Schulen in freier Trägerschaft und die dazu notwendigen Instrumente frühzeitig erörtert werden. Ein nächster Runder Tisch wird im Herbst stattfinden.

Innovative Ausgestaltung des Berufsvorbereitungsjahrs

Mit dem Ziel, das Berufsvorbereitungsjahr (BVJ) an berufsbildenden Schulen zukunftsfähig weiterzuentwickeln, startet mit Beginn des Schuljahres an acht berufsbildenden Schulen in Sachsen-Anhalt das Projekt „Ausbildungsvorbereitung (AV) dual - Praxis“.

Als erster Baustein des Gesamtvorhabens „AV dual“ soll das Projekt das Übergangssystem von der Schule in den Beruf weiterentwickeln. Dazu wird das BVJ künftig differenzierter gestaltet, der Praxisanteil deutlich erhöht und die individuelle Unterstützung der Jugendlichen ausgebaut. Entscheidend ist, neuen Herausforderungen offen zu begegnen, neue Formen der Verzahnung von Schule und Betrieb zu erproben und die dabei gewonnenen Erfahrungen systematisch in die weitere Ausgestaltung des Projekts einfließen zu lassen. So können die Voraussetzungen dafür geschaffen werden, „AV dual - Praxis“ ab dem Schuljahr 2027/2028 perspektivisch an allen berufsbildenden Schulen zu erproben. Das Gesamtvorhaben „AV dual“ verfolgt das Ziel, die Kompetenzen junger Menschen gezielt zu stärken und zu erweitern, ihnen den Erwerb eines Schulabschlusses oder eines höheren Schulabschlusses zu ermöglichen und ihre Integration in den Arbeitsmarkt zu fördern. Auf diese Weise soll sowohl der Jugendarbeitslosigkeit entgegengewirkt als auch die Fachkräftesicherung im Land unterstützt werden.

Länderübergreifende Beschulungen bei beruflicher Bildung

Bei der länderübergreifenden Beschulung von Auszubildenden in anerkannten Ausbildungsberufen kann der Standort Sachsen-Anhalt zunehmend durch sehr gute Beschulungsqualität an den einzelnen Standorten und dem sozialen Umfeld punkten (Schwerpunkte: Banken, Sicherheitsfirmen, Autoindustrie, Logistikunternehmen).

Aktuell werden ca. 1.000 Auszubildende in 65 Ausbildungsberufen aus anderen Bundesländern an 18 berufsbildenden Schulen in Sachsen-Anhalt beschult.

Aufgrund demographischer Veränderungen und Interessensverschiebungen der Jugendlichen gibt es bereits seit längerem jährliche Beratungen der ostdeutschen Bundesländer, auf denen Festlegungen zur Beschulung in anerkannten Ausbildungsberufen getroffen werden. Ziel ist es, die Auszubildenden in den Ländern zu halten, einen Ausbildungsabbruch zu verhindern und vor allem die einzelnen Regionen mit den vorwiegend mittel- und kleinständigen Unternehmen zu stärken.

Beteiligung – der Schlüssel für die Zukunft der Bildungslandschaft

Mit der Etablierung des Beteiligungsprozesses „Bildungsland Sachsen-Anhalt 2035“ hat das Ministerium für Bildung ein Format geschaffen, dass auf rege Mitwirkung aller an Schule beteiligten Akteure trifft. Allein auf der Onlineplattform wurden rund 3.600 Fragen und Themen von etwa 900 Fragestellern gesammelt. Diese und zahlreiche weitere Themen wurden im Rahmen dreier Regionalforen im Land besprochen. Dabei kristallisierten sich sechs wesentliche Themenbereiche heraus: Partizipation, Demokratiebildung, Zukunftskompetenzen, Qualifizierung des Personals, Eigenständigkeit und Handlungsspielräume von Schulen, multiprofessionelle Teams, die in einer Bildungskonferenz mit rund 300 Teilnehmern diskutiert wurden. Dabei wurde ein Zukunftsbild entwickelt, an dem in den kommenden Jahren - koordiniert von einer eigens eingerichteten Stabsstelle - systematisch weitergearbeitet werden soll. Die gewonnenen Erfahrungen, Netzwerke und Arbeitsweisen sollen nachhaltig im Bildungssystem Sachsen-Anhalts verankert werden. Der Prozess „Bildungsland Sachsen-Anhalt 2035“ hat bisher vor allem eines gezeigt - die Herausforderungen, vor denen unser Bildungssystem steht, lassen sich nur miteinander lösen. Entscheidend ist deshalb, den begonnenen Dialog fortzuführen und auch künftig im offenen Austausch mit allen Akteuren nach Ideen und Lösungen zu suchen, um die Bildung in Sachsen-Anhalt weiter zu stärken.


Mehr zum Thema


Schlagworte

Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden