Alle Kinder und Jugendliche haben ein Recht auf Ernährungs- und Verbraucherbildung

Ernährungs- und Gesundheitskompetenzen sowie Konsum- und Finanzkompetenzen müssen in allen Bildungseinrichtungen eine deutlich größere Rolle als bisher spielen. Sie dürfen nicht auf Einzelprojekte reduziert, sondern müssen an den Schulen institutionalisiert werden. Entsprechende Bildungs- und Ausbildungsstandards sind von der Kultusministerkonferenz vorzugeben. Diese Forderungen richtete ein internationales Expertenteam aus Deutschland, Österreich und der Schweiz nach einem Treffen in München an die Kultusministerkonferenz.

25.02.2009 Pressemeldung Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) e.V.

"Grundlage der dafür erforderlichen Standards muss die am vergangenen Wochenende verabschiedete Münchner ´D-A-CH- Erklärung´ sein", erklärte die Vizepräsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Waltraud Lučić. Sie unterzeichnete das Dokument mit Vertretern/innen der Initiativen "REVIS", Reform der Ernährungs- und Verbraucherbildung (Deutschland), der Initiative "EVA", Ernährungs- und Verbraucherbildung in Österreich, sowie der Schweizer Initiative "Hauswirtschaftliche Bildung für eine Gesellschaft im Wandel". "Wir sind der Meinung, dass alle Kinder und Jugendliche ein Recht auf Ernährungs- und Verbraucherbildung haben müssen", sagte Lučić.

In der Münchner "D-A-CH-Erklärung" werden gemeinsame Zielsetzungen und Forderungen für eine zukunftsfähige Ernährungs- und Verbraucherbildung in den drei Ländern dokumentiert. "Wir sind der Auffassung, dass moderne Bildungseinrichtungen alle Kinder und Jugendliche dazu befähigen müssen, ihren Alltag selbstverantwortlich bewältigen und gestalten zu können. Ziel muss sein, ihnen eine selbstbestimmte und verantwortungsvolle Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen", erklärte Lučić. Voraussetzung dafür ist die Ausbildung von Ernährungs- und Gesundheitskompetenzen ebenso wie von Konsum- und Finanzkompetenzen.

"Die aktuelle Entwicklung mit zunehmenden ernährungsbezogenen Gesundheitsproblemen und großen ökologischen, finanziellen und sozialen Unsicherheiten und Herausforderungen machen den Bildungsbedarf unübersehbar", heißt es in der Erklärung. Kulturelle Kernkompetenzen müssten - gleichwertig wie Sprache, Mathematik und Naturwissenschaften - als Bildungsanspruch aller Schüler/innen definiert werden. Lučić: "Für eine nachhaltige Ernährungs- und Verbraucherbildung ist eine strukturell verankerte, institutionell abgesicherte und professionell fachliche und fachdidaktische Vertretung erforderlich. Sie muss die gesundheitliche Dimension durchgängig berücksichtigen."

Die bestehenden Strukturen reichen nicht aus: "Die Probleme sind so massiv, dass Ernährungs- und Verbraucherbildung nicht auf einzelne Projekttage oder -wochen reduziert werden dürfen", betonte Lučić. Deshalb fordern wir auch Profilierung, Professionalisierung und Qualitätssicherung. Nötig sind Aus-, Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen von Erziehern und Erzieherinnen, Lehrerinnen und Lehrern wie auch der Dozierenden der Seminare und Hochschulen. Studien- und Bildungspläne müssen entsprechend abgestimmt werden."

"Wir sind der Meinung, dass alle Kinder und Jugendliche ein Recht auf eine Allgemeinbildung haben, die Ernährungs- und Verbraucherbildung umfasst", betonte Lucic. "Wer eine eigenverantwortliche Lebensbewältigung mündiger Bürgerinnen und Bürger fordert, muss auch die dafür notwendigen Kompetenzen über die Bildung bereit stellen."

Weitere Ansprechpartner/innen sind:

Prof. Dr. Kirsten Schlegel-Matthies, Universität Paderborn, erste Vorsitzende des Verbandes HaBiFo (Haushalt in Bildung und Forschung) ( )

Prof. Dr. Barbara Methfessel, Pädagogische Hochschule Heidelberg, Koordinatorin "Münchner D-A-CH-Erklärung" ( )

Werner Brandl M.A. Institutsrektor Staatsinstitut für die Ausbildung von Fachlehrern - Abteilung II, Tel: 089 / 12 65 25 99 oder 089 / 12 65 25 90 (Sekretariat) E-Mail: wbrandl (at) stif2.de


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