Ausbildung von Islamlehrern in der Kritik
(bikl) Immer mehr Schulen in Deutschland bieten islamischen Religionsunterricht an. Dafür müssen die Hochschulen jetzt auch verstärkt entsprechende Studiengänge einrichten. Bislang bilden die Universitäten Münster und Erlangen-Nürnberg Islamlehrer aus. Die pädagogischen Hochschulen Ludwigsburg und Karlsruhe sollen folgen. Und die Universität Osnabrück hat für das Wintersemester 2007/08 einen Master-Studiengang "Islamische Religionspädagogik" als Erweiterungsfach für das Lehramtsstudium angekündigt. Doch der ist jetzt in die Kritik geraten.
30.03.2007 Niedersachsen, Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen ArtikelIn dem neuen Studiengang arbeitet die niedersächsische Hochschule mit der Islamischen Religionspädagogischen Akademie in Wien zusammen. Und das war für die Journalistin Stephanie Sellier der Stein des Anstoßes. Sie warf der Hochschule vor, mit radikalen Wissenschaftlern in Wien zusammenzuarbeiten. Auch ZEIT-Redakteur Jörg Lau griff diesen Vorwurf im Weblog der ZEIT auf.
In einem offenen Brief hatte Sellier den Vizepräsidenten der Hochschule gefragt, ob es ihn nicht störe, "dass der dort für die Fortbildung zuständige Leiter des "Islamischen Religionspädagogischen Instituts", Amir Zaidan, während seiner Zeit in Deutschland vom hessischen Verfassungsschutz beobachtet wurde." Bekannt, so die Journalistin weiter, "wurde er durch seine "Kamelfatwa", die laut Bundesinnenministerium besagt, "dass Musliminnen ohne Begleitung eines männlichen Verwandten nicht an einer Klassen- oder Studienfahrt teilnehmen dürfen, deren Entfernung größer ist als die Strecke, die ein Kamel während einer Tages- und Nachtreise zurücklegen kann".
Er könne versichern, so begegnete der Vizepräsident der Hochschule, Prof. Thomas Vogtherr, dem Vorwurf der Journalistin, "dass die Zusammenarbeit der Universität Osnabrück in Sachen ihres Studienganges Islamische Religionspädagogik mit der Islamischen Religionspädagogischen Akademie in Wien eine Zusammenarbeit des Studiengangsverantwortlichen Prof. Dr. Peter Graf (Osnabrück) mit dem Akademiedirektor Prof. Dr. Elshayed (Wien) gewesen ist und bleiben wird. Andere Personen der IRPA waren und sind nicht involviert, und deswegen auch nicht der von Ihnen benannte Herr Zaidan."
Darüber hinaus sei die Zusammenarbeit mit dem Direktor der Wiener Akademie über Jahre hinweg in einem Projekt "Islamischer Religionsunterricht" der Bund-Länder-Kommission erprobt und von Fachleuten evaluiert worden. Das Bund-Länder-Projekt war vor drei Jahren unter Federführung der Universität Osnabrück gestartet worden.
Erst kürzlich haben sich Kultusminister und führende Politiker aus Baden-Württemberg, Bayern, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen auf einer länderübergreifenden Fachtagung in der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart für einen flächendeckenden islamischen Religionsunterricht an öffentlichen Schulen in Deutschland ausgesprochen. Die Politiker zeigten sich überzeugt, dass sich aus den derzeitigen Schulversuchen und Ausbildungsgängen für islamische Religionslehrer eine Dynamik hin zu einem "bekenntnisorientierten Unterricht nach dem Grundgesetz" entwickeln könne.
"Islamischer Religionsunterricht" findet in Baden-Württemberg seit Beginn des Schuljahres 2006/07 als Schulversuch an zwölf Standorten statt. In Bayern (Erlangen) wird bisher an einer Hauptschule Islamunterricht angeboten. Der niedersächsische Schulversuch wurde inzwischen auf 19 Standorte ausgeweitet. Der mit 130 Standorten größte Schulversuch für Islamkunde in Nordrhein-Westfalen soll zunächst in Duisburg und Köln und von da ausgehend landesweit in einen konfessionellen Unterricht unter Beteiligung der Muslime vor Ort überführt werden.
Weiterführende Links
- Uni Osnabrück
- Islamische Religionspädagogische Akademie Wien
- Fachtagung der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart
- ZEIT Weblog Jörg Lau
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