Bundeselternrat fordert:

Die Probleme der Rütli-Schule in Berlin wurden öffentlich gemacht. Erst jetzt wird reagiert: Ein kommissarischer Rektor wird in Rekordzeit eingesetzt, Sozialpädagogen (sogar mit Migrationshintergrund) werden in die Hauptschulen geschickt und der Berliner Bildungssenator lädt alle Hauptschulleiter der Stadt ein, um Wege aus der Krise zu finden.

08.04.2006 Pressemeldung Bundeselternrat

Es ist gut, dass in einer Krise Sofortmaßnamen eingeleitet werden. Aber dabei darf es nicht bleiben! Die Probleme der Rütli-Schule sind nicht neu. Der Berliner Tagesspiegel berichtete in den letzten Tagen, dass bereits 1980 Hauptschulen als "Restschulen" galten: Sie wurden von nur 15 Prozent eines Jahrganges besucht, und lediglich 60 Prozent schafften den Abschluss. Im letzten Jahr erhielt laut Angaben der krankgeschriebenen Leiterin der Rütli-Schule kein einziger der abgehenden Jugendlichen einen Ausbildungsplatz. Diese Zahlen belegen, dass es diese Schulform besonders schwer hat, den ihr anvertrauten Schülerinnen und Schülern eine Perspektive zu bieten. Unser gegliedertes Schulsystem trägt dazu bei, dass es Schulen und Schulformen gibt, die zu einem Sammelbecken derer werden, die "übrig geblieben", die viel zu früh zu "Verlierern" im Leistungskampf geworden sind und nun andere Formen der Selbstbehauptung wählen. Die aktuelle Krise kann man nur bewältigen, in dem enorme zusätzliche Ressourcen zur Verfügung gestellt werden und Sozialpädagogen und Schulpsychologen die pädagogische und erzieherische Arbeit unterstützen.

Für den Bundeselternrat ist jedes Kind, ist jeder Jugendliche wichtig. Es kann nicht sein, dass Kinder nach der Grundschule einfach abgeschrieben werden, und auf eine "Schule" geschickt werden, die ihnen keine Perspektive bieten kann. Unser Grundsatz ist, Schule und Unterricht so zu gestalten, dass kein Kind verloren geht, aufgegeben oder abgeschoben wird. Mit den gegebenen Strukturen scheint dies nicht überall erreichbar zu sein. Deshalb lädt der Bundeselternrat zu einer ergebnisoffenen Debatte über unser Schulsystem ein. Dabei ist die entscheidende Frage, wie es gelingen kann, dass jedes Kind ganzheitlich, flexibel und individuell gefördert, aber auch gefordert wird. Es darf hier nicht um eine polemisch zu führende Debatte gehen, sondern um ein ernsthaftes Ringen um die Schaffung zukunftsfähiger Bildung für alle.

Wenn es uns gelingt, diesen Diskurs im gegenseitigen Aufeinanderhören im Interesse unserer Kinder zu führen, dann sollte es in den nächsten zwanzig Jahren auch gelingen, eine Schule zu haben, wie sie der UN-Sonderbeauftragter Prof. Muñoz empfohlen hat: "Schule muss sich am Potenzial jedes einzelnen Schülers orientieren, nicht der Schüler am Schulsystem".

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