"Die Mittelschule - der Weg der Hauptschule in die Zukunft"

Zur "Mittelschule" wird Bayerns Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle die Hauptschule in Bayern ab dem Schuljahr 2010/11 weiterentwickeln. Sein Konzept dazu stellte der Minister heute im Bayerischen Kabinett vor. Es ist das Ziel des Kultusministers, künftig die Hauptschulen flächendeckend einzeln oder in Schulverbünden zu Mittelschulen weiterzuentwickeln. Diese garantieren den Schülern eine bestimmte Reihe von pädagogischen Elementen in ihrem Bildungsangebot.

30.06.2009 Pressemeldung Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus

"Mittelschule" darf sich eine Hauptschule nur dann nennen, wenn sie ihren Schülern folgendes breit gefächerte Bildungsangebot unterbreitet:

  • die drei berufsorientierenden Zweige Technik, Wirtschaft und Soziales,
  • ein Ganztagsangebot,
  • eine ausgestaltete Kooperation mit einer Berufsschule, der regionalen Wirtschaft und der Arbeitsagentur,
  • einen mittleren Bildungsabschluss auf dem Niveau von Wirtschafts- und Realschulen
  • die zusätzliche modulare/individuelle Förderung der Schüler im Klassenverband unter Beibehaltung des Klassenlehrerprinzips
  • sowie Angebote der Sozialen Arbeit bzw. von Förderlehrern.

"Es ist nicht mein Ziel, nur das ,Türschild` an den Hauptschulen zu verändern: Mit dem neuen Namen gehen neue inhaltliche Schwerpunkte einher. Er dokumentiert auch einen neuen Anspruch", stellte Minister Spaenle klar.

"Neue Chancen auf dem Weg in den Beruf"

"Die Mittelschule als Hauptschule mit einem sehr breitgefächerten Bildungsangebot eröffnet den Schülern neue Chancen auf dem Weg in den Beruf", betonte der Staatsminister für Unterricht und Kultus. Stark für den Beruf, Stark im Wissen, Stark als Person: Dies sind die Ziele der Bayerischen Mittelschule. "Dies ist nötig, damit die Schüler sich den steigenden Anforderungen aus Wirtschaft und Gesellschaft stellen können."

Berufliche Orientierung als Alleinstellungsmerkmal der Haupt- und Mittelschule

Zentrale Elemente der künftigen "Mittelschule" sind mehr berufliche Orientierung und mehr individuelle Förderung. Die berufliche Orientierung stellt das Alleinstellungsmerkmal der Haupt- und Mittelschule dar. Dies dokumentiert sich insbesondere in den drei berufsorientierenden Zweigen Technik, Wirtschaft und Soziales und den ausgestalteten Kooperationen mit einer Berufsschule, der regionalen Wirtschaft und der Agentur für Arbeit. Für die vertiefte Berufsorientierung investiert der Freistaat zusätzlich rund 6 Millionen Euro pro Jahr.

Minister Spaenle wörtlich: "Die ausgeprägte Berufsorientierung der Mittelschule bildet eine sehr gute Basis für die Aufnahme einer Berufsausbildung." 80 Lehrkräfte sollen sich künftig auf Landesebene der Vernetzung der Hauptschulen mit der Wirtschaft widmen.

Breites begabungsgerechtes Förder- und Abschlussangebot - Mittlerer Abschluss auf Wirtschafts- und Realschulniveau - mehr Lehrer

Gleichzeitig wird die begabungsgerechte individuelle Förderung ausgebaut. Verstärkt wird insbesondere die Förderung der Schüler in Deutsch, Englisch und Mathematik. In den Jahrgangsstufen 5 und 6 erfolgt sie im Klassenverband als modulare Förderung; in den Jahrgangsstufen 7 und 8 über zusätzliche Differenzierungsstunden und in den Jahrgangsstufen 9 und 10 über eigene Klassen. Der Freistaat wird für diesen qualitativen Ausbau der Haupt- und Mittelschule mehr Lehrerstellen bereitstellen. Anknüpfend an die begabungsgerechte Förderung der Schüler auf unterschiedlichen Niveaustufen bietet die Mittelschule ein differenziertes Abschlussangebot an. An der Mittelschule können die Schüler neben dem neuen Praxisklassenabschluss, der einen theorieentlasteten Zuschnitt erhält, und dem erfolgreichen und qualifizierenden Hauptschulabschluss auch einen neuen mittleren Bildungsabschluss ablegen. Dieser entspricht den Standards der Kultusministerkonferenz und ist dem Niveau von Wirtschafts- oder Realschule vergleichbar.

Klassenlehrer bleibt zentraler Ansprechpartner für Schüler

Das an Grund- und Hauptschule bewährte Klassenlehrerprinzip will Minister Spaenle erhalten, da diese Lehrkräfte einen intensiven Bezug zu ihren Schülern aufbauen. Die Jugendsozialarbeit wird an den Schulen weiter ausgebaut.

Schulverbünde sichern Schulstandorte

Die Mittelschule muss das breit gefächerte Bildungsangebot garantieren. Schulen, die das nicht allein gewährleisten können, wird die Möglichkeit eröffnet, in Schulverbünden zusammenzuarbeiten: Im Verbund haben kleinere Hauptschulen Zukunft. Die Schulverbünde erhalten mehr Gestaltungsspielraum und verfügen über ein Stundenbudget, das sie eigenverantwortlich einsetzen. Eine Mindestgröße der Verbünde wird dabei vom Kultusministerium nicht vorgegeben. Verbünde mit 300 Schülern oder mehr Schülern werden in der Lage sein, dieses Angebot vorzuhalten. Auch kleinere Verbünde kann es mit diesem Angebot geben.

Die Schulverbünde eröffnen für Minister Spaenle auch die Chance, so viele Standorte von Hauptschulen in ländlichen Regionen so lange wie möglich zu erhalten und so die Lebensqualität für die Menschen vor Ort zu sichern.

Die Bildung der Schulverbünde gelingt am besten im Dialog der Beteiligten vor Ort. Zu diesem Zweck wurden im Auftrag von Minister Spaenle auf Landkreisebene Dialogforen ins Leben gerufen. Ihr erster Auftrag ist es auf der Basis des bestehenden Schulsystems mit den Beteiligten vor Ort passgenaue Lösungen für die freiwillige Zusammenarbeit der Hauptschulen in Schulverbünden abzuwägen und zu erörtern. Die Pilotphase hat bereits begonnen. Noch im Juli werden die ersten Dialogforen stattfinden.


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