Die Umfrageritits ersetzt keine vernünftige Schulpolitik
Der Vorsitzende des Bildungsausschusses im Landtag, der SPD-Bildungsexperte Hans-Ulrich Pfaffmann, wirft Bayerns Kultusminister Spaenle vor, mit der heute vorgelegten Online-Befragung zu versuchen, die Probleme mit dem Übertrittsverfahren zu vertuschen. "Dabei ist dem CSU-Mann nahezu jedes Mittel recht." Pfaffmann zweifelt die positive Darstellung dieser Schulbefragung zum Übertrittsverfahren nach der Grundschule an: "Die Ergebnisse werden geschönt, die Umfrage ist nicht repräsentativ."
11.06.2010 Pressemeldung Sozialdemokratische Partei DeutschlandsImmerhin haben die allermeisten der Elternbeiräte die jahrelange Kritik Pfaffmanns, dass der Leistungsdruck an den Grundschulen im Hinblick auf das Übertrittsverfahren enorm und somit nicht kindgerecht sei, bestätigt. Trotzdem zweifelt der SPD-Bildungssprecher die Ergebnisse an. So wurden von 2500 Schulen lediglich 700 befragt, wobei dann 512 Fragebögen zurückkamen. "Dass sich Spaenle durch die Online-Befragung in der CSU-Schulpolitik bestätigt sieht, ist in die Kategorie ´Beschönigen und Wegdiskutieren' einzuordnen. Dafür muss jetzt eine Online-Befragung herhalten."
Die entscheidenden Fragen wurden überhaupt nicht gestellt, kritisiert Pfaffmann. So wurde nicht gefragt, wie die Eltern das Übertrittsverfahren grundsätzlich bewerten und ob sie eine Selektion der Kinder im 10. Lebensjahr für richtig oder falsch halten. Auch wurde nicht gefragt, ob die Eltern und die Grundschullehrer/innen eine längere gemeinsame Schulzeit nicht als den besseren Weg bevorzugen würden, um den Kindern die Chance der kindgerechten Entwicklung durch individuelle Förderung zu geben. Pfaffmann: "Jedenfalls ist es nicht zulässig, mit dieser Online-Befragung und den Ergebnissen die Schulpolitik der Selektion der Kinder im 10. Lebensjahr zu legitimieren."
Außerdem muss sich Spaenle den Vorwurf der selektiven Information der Öffentlichkeit gefallen lassen, nachdem er sich offensichtlich weigert, die kompletten Befragungsergebnisse zur Verfügung zu stellen. Pfaffmann: "Da drängt sich die Frage auf: Was will Spaenle verheimlichen? Sind etwa die Ergebnisse doch nicht so gut, wie es Spaenle gerne glauben machen möchte?" Deswegen fordert der SPD-Bildungssprecher eine Vorstellung der gesamten Befragungsergebnisse im Bildungsausschuss des Landtags.
Im übrigen verlangt Pfaffmann, endlich die bereits vorhandenen Erkenntnisse in konkrete Politik umzusetzen. "Es braucht keine Online-Befragungen um zu wissen, dass ein enormer Leistungsdruck auf den Kleinsten lastet gerade beim Übertrittszeugnis. Es braucht auch keine Umfrage um zu wissen, dass Nachhilfe immer mehr den Schulalltag schon in der Grundschule beherrscht. Und es braucht auch keine weitere Umfrage um zu wissen, dass die Schul- und Versagensangst schon bei den Grundschüler/innen zu gesundheitlichen Problemen führt. Es braucht keine Untersuchung um zu wissen, dass die Schulprobleme in immer stärkerem Maße zu Familienproblemen werden."
"Das ist seit langem bekannt und vielfach bewiesen", stellt Pfaffmann fest. "Spaenle versucht jetzt, mit einer höchst zweifelhaften Umfrage alle diese Erkenntnisse vom Tisch zu wischen, um seine eiskalte Schulpolitik zu rechtfertigen und schöne Bilder zu zeichnen." Der SPD-Bildungssprecher fordert erneut ein Umdenken und eine nachhaltige Diskussion über Schulkonzepte der Zukunft statt immer wieder eine Schulpolitik der eigenen Rechtfertigung zu machen.
"Auch diese Umfrage wird in den Schubladen des Ministerschreibtisches verschwinden, wie so viele andere. Auch mit dieser Umfrage wird sich nichts an den Schulen ändern. Deswegen sind solche Umfragen rausgeschmissenes Geld. Die Umfrageritits ersetzt keine vernünftige Schulpolitik. Dies ist eine fatale Politik, die darauf abzielt, mit aller Macht Ergebnisse, die in das CSU-Konzept passen, regelrecht herbei zu befragen. Auch die beste Umfrage kann das Übertrittsverahren a la CSU nicht rechtfertigen. Das Übertrittsverfahren ist weder kindgerecht noch pädagogisch zu begründen, es erzeugt Leistungsdruck, Schulangst und vergällt den Kindern die Freude am Lernen und an der Schule. Dies kann auch durch Umfragen nicht weginterpretiert werden. Einzig sinnvolle Lösung ist die Abschaffung des unseligen Überrittsverfahrens und die Einführung einer längeren gemeinsamen Schulzeit."
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