Eltern maßlos enttäuscht über Ablehnung der RSE

Mit seiner ablehnenden Haltung gegenüber der Regionalen Schulentwicklung (RSE) sorgt das Bayerische Kultusministerium weiter für Ärger. Nicht nur zahlreiche Bürgermeister und Gemeindevertreter sind gefrustet, sondern auch viele Eltern. So erklärt die neue Landesvorsitzende des Bayerischen Elternverbandes (BEV), Heike Hein: "Wir sind maßlos enttäuscht."

26.06.2009 Pressemeldung Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) e.V.

In einer gemeinsamen Presseerklärung mit dem Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) macht sie aus ihrer Verärgerung keinen Hehl: "Es gibt inzwischen überall in Bayern Gemeinden, die in ihren Bemühungen um eine regionale Schulentwicklung von zahlreichen aktiven Eltern unterstützt werden. Sie fühlen sich in ihrem Engagement nicht ernst genommen und vor den Kopf gestoßen." BLLV-Präsident Klaus Wenzel informiert, dass den Offenen Brief, in dem der BLLV an Ministerpräsident Seehofer und Kultusminister Spaenle den Appell richtet, auch schulartübergreifende Anträge zu genehmigen und der RSE eine Chance zu geben, inzwischen weit über 5500 Bürgerinnen und Bürger, davon 75 Bürgermeister und 160 Gemeinderäte, unterzeichnet haben - unabhängig von ihrer Parteizugehörigkeit.

"Der Protest nimmt Formen an", betonte Wenzel heute in München nach einem Gespräch mit der BEV- Landesvorsitzenden Hein. Der BLLV stehe mit seiner Forderung nach neuen konstruktiven Lösungen in der Schulpolitik nicht allein da. So konnten im oberpfälzischen Vilseck beispielsweise fast 1800 Unterschriften gesammelt werden - bei rund 6000 Einwohnern, in Fladungen, Landkreis Röhn-Grabfeld, fand eine Demonstration mit 350 Bürgern zum Erhalt ihrer Schule statt. "Wir erfahren breite Unterstützung aus allen Teilen der Bevölkerung - das macht uns Mut und gibt uns Kraft, weiter für die regionale Schulentwicklung zu kämpfen, auch wenn die Widerstände des Kultusministeriums in München massiv sind." Wenzel betonte erneut, "dass es bei der RSE um pragmatische Lösungen geht mit dem Ziel, möglichst vielen Kindern wohnortnahe und attraktive Schulabschlüsse zu ermöglichen und Gemeinden durch den Erhalt ihrer Schulstandorte nachhaltig zu stärken."

Mit dem Offenen Brief will der BLLV der Politik vermitteln, dass es sich bei dem Wunsch nach regionaler Schulentwicklung nicht um wenige Einzelinteressen handelt, sondern um ein Anliegen, das für viele bayerische Gemeinden von großer Bedeutung ist. Wenzel warnte Seehofer und Spaenle vor einem "Sturm der Entrüstung, den die systematische Entschulung des ländlichen Raums" auslösen werde. "Ich kenne viele Bürgermeister, die sich mit einer lapidaren Absage aus München nicht abfinden werden."

"Auch wir Eltern nehmen das nicht einfach so hin", stellte Hein klar und bekräftigte: "Wir können die Ziele des BLLV nur voll und ganz unterstützen." Sie schilderte einen überaus engagierten RSE- Prozess im mittelfränkischen Landkreis Weißenburg- Gunzenhausen, der von Eltern seit zwei Jahren begleitet und vorangetrieben wird und im Ergebnis ein schulartübergreifendes pädagogisches Konzept zur Folge hat. "Die Eltern fühlen sich von der aktuellen Entscheidung des Kultusministeriums, nach der nur Kooperationsmodelle genehmigt werden, die das starre dreigliedrige Schulsystem zementieren, übergangen und im Stich gelassen. Die Politik kann doch nicht über die Köpfe vieler Betroffener hinweg Entscheidungen treffen, die an der Realität und an den Bedürfnissen vieler Menschen vorbei gehen. Wenn Schulverbünde für die eine oder andere Region die richtige Lösung sind, freut uns das. Es gibt jedoch Gemeinden, für die Schulverbünde nicht die passende Antwort sind. Sie sollten andere Wege gehen dürfen. Wir Eltern verstehen nicht, warum das nicht möglich sein soll."

Die BEV- Landesvorsitzende bekräftigte ihre grundsätzliche Kooperationsbereitschaft, knüpfte sie aber an eine Bedingung: "Eltern sind nur dann zur Mitarbeit in den Dialogforen bereit, wenn diese Foren echte Entscheidungskompetenzen zugestanden bekommen - das sehen wir noch nicht."

Wenzel betonte, "dass der vom Kultusministerium eingeschlagene Weg nicht mutig ist und die Probleme auch nicht löst." Wenzel und Hein erwarten, dass die Diskussion um eine regionale Schulentwicklung im Schuljahr 2009/2010 "noch einmal eröffnet wird und sich auch die beiden Koalitionsparteien konstruktiv daran beteiligen.


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