Fortbildung für Lehrer: Wenig transparent
(imi) "Horrorfach Mathematik? Von wegen! Junglehrer können gutes Unterrichten lernen" – Mit dieser Meldung machte vor wenigen Wochen das Deutsche Zentrum für Lehrerbildung Mathematik (DZLM) auf sich aufmerksam. Dabei ging es um neue Wege in der Aus- und Fortbildung.
14.05.2014 ArtikelWeil es auf den Lehrer selbst ankommt, mit wie viel Interesse und Erfolg sich Kinder dem jeweiligen Unterrichtsstoff zuwenden, bekommt die Fort- und Weiterbildung in den vergangenen Jahren eine neue Relevanz. Bundesländer wie zum Beispiel Mecklenburg-Vorpommern oder Bayern (zwölf Fortbildungstage innerhalb von vier Jahren) schreiben Lehrerinnen und Lehrern dezidiert vor, sich fortzubilden, und fordern Nachweise ein. Auch das Land Hessen rückt mit der Festlegung der Fortbildungspflicht für Lehrkräfte sowie der Einführung eines Credit-Point-Systems vom Prinzip der Freiwilligkeit ab. Lehrer müssen hier für die Fortbildungen ein Qualifizierungsportfolio anlegen.
Kompetenzzentren unterstützen Schulen
Andere Länder wie Nordrhein-Westfalen (NRW) und Niedersachsen haben sich von den zentralen Landesinstituten alter Form verabschiedet und Kompetenzteams zur Unterstützung der Schulen eingerichtet. 53 solcher Kompetenzteams sind in NRW über das ganze Land verteilt. Ihre Angebote werden in acht Programmen in zwei Themenfeldern "Schulentwicklung" und "Fokus Unterrichtsentwicklung" gebündelt. Dieses Angebot nutzt Christa Hahn jedes Schuljahr. Sie ist Rektorin einer Grundschule in Bonn und erläutert: "Wir haben ein Fortbildungsbudget von 800 € pro Schuljahr. Jeweils zu Beginn des neuen Schuljahres legen wir fest, zu welchen Themen an unserer Schule Fortbildungsbedarf besteht. In den letzten Jahren haben wir zum Beispiel intensiv an unserer Methodenkompetenz gearbeitet und führen das auch noch weiter fort. Fortbildung ist ja sinnvollerweise verknüpft mit Schulentwicklung, und die ist mir wichtig."
Fortbildungen, die eng mit dem eigenen Unterricht und seinen Herausforderungen verknüpft sind, werden am besten angenommen, weiß Sylvia Sund, stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Rheinland-Pfalz. Sie beobachtet aber auch: "Es kommen vor allem die, die sowieso schon engagiert sind." Die GEW in Rheinland-Pfalz präsentiert auf ihren Internetseiten eine große Bandbreite an Seminaren. Dort können die Landes-, Bezirks- und Kreisebene der Gewerkschaft ihre Angebote einstellen. Der Fortbildungskalender für 2014 beginnt mit "Yoga für Anfänger" und endet mit "Argumentations- und Handlungstraining gegen Rechts". Die Vielfalt ist enorm, aber wo bleibt der Bezug zum Unterrichtsfach? Dafür sowie für die Fortbildung von Schulleitern ist in Rheinland-Pfalz das 2010 gegründete Pädagogische Landesinstitut (PL) in Mainz zuständig.
Verwirrende Vielfalt, hilfreiche "Webinare"
Aber auch die Mainzer Universität hat manche ihrer Lehrveranstaltungen für die Praxis geöffnet, weiß Sylvia Lund. Gar nicht so einfach, sich zurechtzufinden, denn um Lehrer als Teilnehmer von Fortbildungsveranstaltungen konkurrieren in dem kleinen Bundesland neben dem PL auch das Institut für Lehrerfort- und -weiterbildung (ILF), das Erziehungswissenschaftliche Fort- und Weiterbildungsinstitut der evangelischen Kirchen (EFWI) sowie weitere Fortbildungsträger. Und dabei sind die bundesweiten und kostenlosen Angebote der Schulbuchverlage mit ihren ressourcenschonenden modernen Medien, wie etwa die "Webinare" des Klett Verlages, noch gar nicht eingerechnet. In diesen interaktiv ausgerichteten Online-Schulungen bildet sich der Lehrer bequem am eigenen Schreibtisch fort. "Wir bieten im Jahr über 1.400 fachbezogene Lehrerfortbildungen zu aktuellen Themen an", sagt Gabriela Carmanns, Leiterin des Vertriebsaußendienstes beim Ernst Klett Verlag. "Unsere Teilnehmer erwarten praktikable Unterrichtsideen von erfahrenen Referenten und das am besten ohne größeren Reiseaufwand. Von daher sind unsere neuen Online-Webinare innerhalb kürzester Zeit ausgebucht."
Bei so großer Auswahl fällt die Entscheidung oft schwer. "Bevor ich selber auf die Suche gehe, frage ich lieber meine Kollegin, ob sie was empfehlen kann", erläutert etwa Gisela B. aus München, Mathelehrerin an einem Gymnasium. Dabei profitieren die bayerischen Lehrkräfte von einem vergleichbar komfortablen Instrument: Das Internetportal FIBS (Fortbildung in Bayerischen Schulen) offeriert schnell und detailliert alle Angebote, die vom Bayerischen Kultusministerium als Fortbildung anerkannt sind. Wer "Mathe – nur staatliches Angebot – halbtägig" in die Suchmaske eingibt, kann sich zum Beispiel direkt anmelden zu "Mathe PLUS – Stärkung des Mathematik-unterrichts an Mittelschulen in Bayern!".
Was ist effektive Fortbildung?
Wolfgang Vogelsaenger, Leiter der Georg-Christoph-Lichtenberg-Gesamtschule in Göttingen (Niedersachsen) und mit dem Deutschen Schulpreis ausgezeichnet, hat ebenfalls die Erfahrung gemacht, dass Fort- und Weiterbildung vor allem dann motiviert angenommen wird, wenn der Bezug zur eigenen Schule deutlich wird. Zurzeit bereitet er eine ungewöhnliche Umstellung vor: Nach und nach sollen alle Schüler ab der 7. Klasse mit eigenen Tablets arbeiten; 1500 werden es schließlich sein. Die Fortbildung des Kollegiums läuft bereits. Grundsätzlich habe sich bewährt, für die eigene Schule wichtige Fortbildungen selbst zu organisieren und intern anzubieten. "Das ist viel effektiver als die klassische Fortbildung außerhalb der Schule", so der Schulleiter.
Stichwort Effektivität von Fortbildung: Wie wirkt eigentlich Fortbildung? Dazu lässt sich kaum etwas sagen. Das DZLM will sich nun dieses Themas annehmen. Es lädt im Juni 2014 zu einer Fachtagung in die niedersächsische Tagungsstätte Loccum ein. Deren Titel lautet: "Was wirklich wirkt!? – Effektive Lernprozesse und Strukturen in Lehrerfortbildung und Schulentwicklung". ‹‹
Kompakt
Der Markt von Angeboten zur Fort- und Weiterbildung von Lehrerinnen und Lehrern ist bundesweit vielfältig und differenziert, jedoch schwer zu überblicken. Gleichzeitig unterscheidet sich die relevante Gesetzgebung zur Fortbildungspflicht in den jeweiligen Bundesländern stark voneinander. Die Spannbreite reicht von der Verpflichtung ohne Nachweiszwang bis hin zu dezidierten Vorgaben, die Lehrerinnen und Lehrer nachhalten müssen.
Erstveröffentlichung Klett Themendienst Schule Wissen Bildung Nr. 63 (03/2014)
Keine Kommentare vorhanden