Hauptschüler bei Lehrstellensuche im Nachteil

Noch immer sind mehr als 5000 junge Menschen in Bayern bei den Arbeitsagenturen als unvermittelt registriert - sie stehen buchstäblich auf der Straße. "Die heute veröffentlichten Zahlen zum Ende des Ausbildungsjahres sind erschütternd", erklärte der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Albin Dannhäuser.

11.10.2006 Bayern Pressemeldung Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) e.V.

Von Oktober 2005 bis September 2006 haben sich bei den Arbeitsagenturen in Bayern rund 109.000 Jugendliche um einen Ausbildungsplatz beworben, dem standen rund 73.000 gemeldete Ausbildungsstellen gegenüber. Über 34.000 Jugendliche wurden in Maßnahmen vermittelt, die zu keiner anerkannten Berufsausbildung führen. "Jeder Jugendliche ohne Ausbildungsplatz ist einer zu viel", betonte Dannhäuser. Erneut warnte er vor den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen: "Berufliche Aussichtslosigkeit ist der erste Schritt in die innere Kündigung gegenüber der Gesellschaft und macht Jugendliche anfällig für radikalpolitische Ansichten."

"Die Anstrengungen von Politik, Wirtschaft und Arbeitsverwaltung reichen nicht aus und lösen die Probleme nicht", stellte Dannhäuser fest. Dringend nötig sind "echte Ausbildungsverhältnisse" für Jugendliche. Langfristig müssen die Finanzmittel der Bundesagentur und der Bayerischen Staatsregierung den Betrieben zugute kommen, die ausbilden wollen. Die Gelder müssen in konkrete Ausbildungsverhältnisse investiert werden, statt in Warteschleifen, die nur die Ausbildungszeit verlängern und zusätzliche Kosten verursachen. Über die kurzfristigen Maßnahmen hinaus müssen mittelfristig für alle Schulabgänger berufliche Perspektiven eröffnet werden. Vor allem aber dürfen Hauptschulabgänger auf dem Arbeitsmarkt nicht systematisch benachteiligt werden - so die Forderungen des BLLV. Andernfalls werden die sozialen Sicherungssysteme weiter durch die steigende Zahl unversorgter und unqualifizierter junger Menschen belastet.

"Eine berufliche Ausbildung ist Voraussetzung für ein selbst bestimmtes Leben und gesellschaftlicher Teilhabe", betonte Dannhäuser. "Eine Gesellschaft, die zulässt, dass sich die Zahl junger Menschen ohne berufliche Perspektive Jahr für Jahr erhöht, handelt fahrlässig und gefährdet die soziale Balance." Er bezeichnete es als einen "unbegreiflichen Widerspruch, einerseits den Rückgang der Geburtenzahlen zu beklagen, andererseits einer großen Zahl junger Menschen keine be-rufliche Perspektive zu bieten."

Dannhäuser begrüßte das Landesprogramm der Staatsregierung "Fit for Work". Leider konnten aber die 4500 zusätzlichen Ausbildungsplätze den Rückgang an Ausbildungsplätzen insgesamt nicht verhindern und sind nur eine Linderung der dramatischen Situation. Unverständlich ist zudem, dass trotz der angespannten Situation die Gelder für das Landesprogramm gekürzt wurden. Die Ankündigung der Staatsregierung, an den beruflichen Schulen zusätzlich 150 Klassen für eine berufliche Grundbildung zu schaffen, "ist nur eine Notlösung." Diese Maßnahmen verschlingen viel Geld, bieten aber keine echte Perspektive, weil Jugendliche dort keine anerkannten Berufsabschlüsse erwerben können", stellte der BLLV-Präsident fest.

Er forderte, alle Schüler/innen mit Qualifikationen zu entlassen, die es ihnen ermöglichen eine Berufsausbildung zu beginnen. Dabei setzt der BLLV große Hoffnungen auf die Hauptschulreform, die Kultusminister Schneider eingeleitet hat. Dannhäuser schloss sich der Forderung des Präsidenten des Bundesinstituts für Berufsbildung in Bonn, Manfred Kremer, an, "allen Jugendlichen innerhalb von drei Jahren nach der Schule einen Ausbildungsabschluss zu ermöglichen". "Ist die Wirtschaft nicht in der Lage, im Rahmen des dualen Be-ufsbildungssystems ausreichend Ausbildungsplätze zur Verfügung zu stellen, steht der Staat in der Pflicht, diese subsidiär bereit zu stellen", erklärte Dannhäuser.

Erneut warnte er vor dem gesellschaftlichen Sprengstoff, der entsteht, wenn ein großer Teil junger Menschen ohne berufliche Perspektiven bleibt. Zudem verschlingen allein die Maßnahmen der Arbeitsagenturen für Jugendliche ohne Ausbildungsplätze jährlich 1,6 Milliarden Euro. "Es wäre vernünftiger, bereits vorher in die Ausbildungsfähigkeit von Hauptschülern zu investieren."


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