"Hessische Bildungspolitik entfernt sich immer mehr von der schulischen Realität"
Kultusministerin Wolff redet sich die Zustände an den hessischen Schulen schön und nimmt die Realität in den hessischen Schulen kaum mehr wahr. Diese wachsende Kluft führt zu immer mehr Missmut in den Kollegien mit entsprechend negativen Auswirkungen auf die pädagogische Arbeit. "Eine solch schlechte Stimmung habe ich während meiner 30 Jahre als Lehrer noch nicht erlebt. Selbst am Ende der Zeit von Kultusminister Holzapfel war es bei Weitem nicht so schlimm", resümiert der Vorsitzende der GEW Hessen, Jochen Nagel, die derzeitige Situation in den Schulen.
06.07.2007 Hessen Pressemeldung GEW HessenDie Liste der Kritikpunkte ist lang. Sie reicht von
- steigenden Klassen- und Gruppengrößen mit einer Rekordarbeitszeit, die qualifiziertes pädagogisches Eingehen auf die einzelnen Schülerinnen und Schüler praktisch nicht mehr zulassen,
über
- ständige zusätzliche Aufgaben wie Berichte und Testerititis, die ohne Bereitstellung der zur Verbesserung notwendigen Ressourcen meist wirkungslos verpuffen oder gar das Gegenteil bewirken,
- Propagandamonster wie Unterrichtsgarantie Plus, die Schulleitungen viel Zusatzarbeit aufbürdet und gleichzeitig die Standards pädagogischer Arbeit massiv abbaut,
- bildungspolitische Fehlentscheidungen wie die Verkürzung der Schulzeit bis zum Abitur um ein Jahr, die zu zunehmenden stressbedingten Gesundheitsproblemen und erhöhter Inanspruchnahme von Nachhilfeinstituten führen,
bis
- hin zu Pleiten, Pech und Pannen bei der Einführung einer neuen Verwaltungssoftware, die manche Kolleginnen und Kollegen in die schiere Verzweiflung geführt hat.
"Das Ausblenden all dieser Probleme zeigt, dass die Ministerin mit ihrer 'positiven Bilanz' jeden Bezug zur Realität an den hessischen Bildungseinrichtungen verloren hat,", so Jochen Nagel weiter. "Die Ministerin sollte die realen Fakten und ihren eigenen Glauben auch hier nicht vermengen."
Die GEW fordert eine Bildungspolitik, die die Realität wahrnimmt, auf die Vertretungen der Eltern, Schülerinnen und Schüler sowie der Lehrkräfte hört und nicht nach dem Motto 'Augen zu und weiter so' auf Kosten der pädagogischen Qualität in den Schulen agiert.
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