IVL zum Wende-Schulgesetz: Statt Entbürokratisierung und Qualitätsverbesserung nur Verbote, Doppelstrukturen und pädagogischer Neusprech
Mit großer Sorge kommentiert die Interessenvertretung der Lehrkräfte in Schleswig-Holstein (IVL) die dritte Schulgesetzänderung seit 2007: "Und wieder müssen sich die Schulen auf Strukturveränderungen einstellen, wieder wird viel Zeit auf Konzepte und Programme verwendet werden, ohne dass etwas von der wertvollen Arbeitskraft der Kollegien bei den Schülerinnen und Schülern ankäme", so die IVL-Landesvorsitzende Grete Rhenius.
15.07.2013 Pressemeldung Interessenvertretung der Lehrkräfte in Schleswig-HolsteinEin wesentliches Problem sieht die IVL vor allem bei der Einschränkung, dass die bestehenden Leistungs- und Begabungsunterschiede der Schülerinnen und Schüler mit dem Zauberwort "binnendifferenzierender Unterricht" aufgelöst werden sollen. "Es kann doch nicht ernsthaft als Qualitätsverbesserung angesehen werden, wenn die Lehrkraft auf drei, vier oder mehr Niveaus gleichzeitig den Unterrichtsstoff vermitteln soll – das mag auf dem Papier die eleganteste, weil billigste Lösung sein, mit erfolgreichem Unterricht hat dies jedoch wenig zu tun!", erklärt Rhenius.
Auch die Zwangsumwandlung der Regionalschulen und das Rückkehrverbot zu G9 für Gymnasien sieht die IVL kritisch, da es den Grundsätzen zur vielfach politisch postulierten "Autonomie der Schulen" widerspricht.
Die flächendeckende Einführung von kleinen Oberstufen an Gemeinschaftsschulen ist aus Sicht der IVL ein unnötiger Schritt, da diese die ohnehin knappen personellen Ressourcen im Lehrerbereich zulasten funktionierender Strukturen schwächen wird.
Statt Lösungen für reale und alltägliche Probleme zu bieten, verfängt sich der Entwurf leider in Neuformulierungen: "Die Verbannung des Begriffs ,Bildung´ aus dem Gesetzentwurf ist aus unserer Sicht völlig unverständlich, zumal die ,Bildungsministerin´ diesen vorgelegt hat. Leider setzt sich dieser pädagogische Neusprech in der Vorlage fort, indem z.B. der sehr positiv besetzte Begriff des Realschulabschlusses durch den ,Mittleren Bildungsabschluss´ ersetzt und damit – auch im nationalen Vergleich – abgewertet wird", so Rhenius abschließend.
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