Köhler fordert gute Bildung für alle

(bikl.de) "Gute Bildung sollte keine Glücksache sein. Sie ist ein Menschenrecht", erklärte Bundespräsident Horst Köhler heute zur Eröffnung des Weltkongresses der Bildungsinternationalen (Education International) in Berlin. Gleichzeitig forderte Köhler bessere Arbeitsbedingungen und mehr Unterstützung für Lehrer. Dabei gehe es nicht nur um die Bezahlung, sondern um angemessene Klassengrößen und nicht zuletzt auch um Wertschätzung und Anerkennung, sagte Köhler.

22.07.2007 Artikel
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Rund 1700 Pädagogen, Wissenschaftler und Bildungsgewerkschafter aus allen Kontinenten treffen sich von heute bis zum 26. Juli in Berlin. Bei diesem Weltlehrerkongress geht es in erster Linie darum, wie das Recht auf Bildung für alle Kinder verwirklicht werden kann und wie die Menschen- und Gewerkschaftsrechte von Lehrern weltweit geschützt werden können.

Mit viel Applaus wurde Köhler bedacht, als er den Lehrern erneut ein großes Lob aussprach: "Engagierte, leistungsbereite Lehrerinnen und Lehrer, die nicht aufgeben, die darauf brennen, jungen Menschen etwas beizubringen, sind für mich die Helden des Alltags." Gleichzeitig verwies der Bundespräsident auf oftmals miserable Rahmenbedingungen, etwa den grassierenden Lehrermangel. Dieser zeige sich in bestimmten Schulformen und Fächern sogar in Deutschland, viel drastischer aber in Entwicklungsländern. So fehlten in Afrika südlich der Sahara bis zum Jahr 2015 weit über zweieinhalb Millionen Lehrer.

Köhler beklagte, dass das Menschenrecht auf Bildung in vielen Teil der Welt noch nicht verwirklich sei. Derzeit könnten weltweit fast 80 Millionen Kinder im Grundschulalter keine Schule besuchen und viel zu viele Kinder würden ihre Schulausbildung abbrechen noch bevor sie grundlegende Kompetenzen wie Rechnen, Lesen und Schreiben wirklich beherrschten, mit der Folge, dass fast jeder fünfte Erwachsene weltweit Analphabet sei. "Das darf uns keine Ruhe lassen", so Köhler wörtlich.

Er gab sich aber optimistisch, dass das Milleniumsziel der Vereinten Nationen, bis 2015 allen Kindern die Teilnahme zumindest an einem Elementarunterricht zu ermöglichen, erreicht werden könne, "wenn alle Beteiligten sich noch mehr anstrengen". Er werde sich weiter für "gute Bildung für alle" einsetzen, in Deutschland und - wo ihm das möglich sei - auch darüber hinaus.

Es sei unakzeptabel, dass Millionen von Kindern das Recht auf Bildung aberkannt werde, betonte der Präsident der Bildungsinternationalen, der Südafrikaner Thulas Nxesi.

Kritisch äußerte er sich zu externen Standards und Tests, weil damit das komplexe Geschehen in den Klassen nicht ausreichend berücksichtigt werde. Schulen hätten die Pflicht, den Kindern auf ihrem Bildungsweg zu helfen, da gehe es auch um soziale Prozesse und um die Vermittlung von Werten und nicht nur darum, Fakten weiterzugeben.

Nxesi beklagte, dass viele Regierungen weltweit hinter ihre Verpflichtungen zur Umsetzung des Milleniumsziels zurückfielen. Auf halbem Wege zum Jahr 2015 müsse man feststellen, dass viele immer noch von Bildung ausgeschlossen seien, vor allem Arme, Mädchen, Kinder mit besonderen Bedürfnissen, Minderheiten und Ureinwohner - sogar in einigen der reichsten Nationen. "Wir können mehr", appellierte er an die Teilnehmer des Kongresses. Erneut erinnerte er außerdem an die große Herausforderung, die Ausbreitung von Aids zu bekämpfen. Bildung, so Thulas Nxesi, sei ist der beste Impfstoff gegen diese Krankheit.


Weiterführende Links

  • Education International
  • Rede des Bundespräsidenten im Wortlaut
  • Speech by the President of Education International

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