Konfliktforscher Heitmeyer: Keine akute Gefahr
(ots/bikl) Angesichts großer sozialer und institutioneller Unterschiede zwischen Deutschland und Frankreich sieht der Bielefelder Konflikt- und Gewaltforscher Wilhelm Heitmeyer derzeit keine Gefahr, dass die aktuellen Unruhen nach Deutschland übergreifen könnten.
10.11.2005 ArtikelIn einem PHOENIX-Interview sagte er: "Bei uns ist die Ausgrenzung nicht so weit fortgeschritten. Wir haben völlig andere städtebauliche Voraussetzungen, was die Trabantenstädte angeht."
Kontrollinstitutionen reagieren anders
Die "Kontrollinstitutionen" reagierten sehr viel flexibler und nicht so hart wie in Franreich, so Heitmeyer. "Außerdem gehen die Eliten nicht so mit den Jugendlichen um, was die Sprache angeht."
Der Bielefelder Wissenschaftler warnte jedoch davor, dass sich "Gewaltereignisse dieses Ausmaßes nicht ankündigen". Die jetzt in Berlin und Köln verübten Brandanschläge auf Autos bezeichnete er als "Nachahmer-Effekte".
"Mehr sozialräumlich" denken
Probleme entstünden vor allem durch hohe Arbeitslosigkeit und fehlende Einbindung von Einwanderern in die Gesellschaft, so Heitmeyer. "Wenn sich die Segregationsprozesse weiter vollziehen, gleichzeitig die Qualifikation bei Migranten-Jugendlichen niedrig bleibt und sich die Bevölkerungsrelation von Mehrheit und Minderheit sukzessive verschiebt, dann ist es höchste Zeit, dass die Stadt-Politik in Deutschland neu zusammengedacht wird." Der Konfliktforscher forderte die Städtebau-Politik auf "mehr sozialräumlich" zu denken.
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