Bayern

Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle würdigt die Arbeit von Krankenhaus-Lehrern

"Kinder sind unser wertvollstes Gut, besonders schwer kranke oder chronisch kranke Kinder und Jugendliche verdienen unsere ganze Aufmerksamkeit", sagte der bayerische Staatsminister für Unterricht und Kultus, Dr. Ludwig Spaenle bei der 7. HOPE-Fachtagung.

05.11.2010 Pressemeldung Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus

HOPE ist die Abkürzung für Hospital Organisation of Pedagogues in Europe – die europäische Organisation der Lehrer an Krankenhäusern setzt sich seit 1987 dafür ein, dass kranke Kinder die schulische Ausbildung bekommen, die genau auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist.

Und diese Bedürfnisse bestehen nicht nur darin, Wissen zu erlangen, um die Schullaufbahn weiter fortzusetzen. Die Krankenhauslehrer bringen den schwer kranken Kindern auch Trost und Zuwendung. "Die schulische Situation bringt Freude – da sie ein Stück normalen Alltag ins Krankenhaus trägt", so Kultusminister Spaenle weiter. "Diese psychische Komponente darf für den Heilungsprozess auf keinen Fall unterschätzt werden."

Und auch den Eltern wird zumindest eine Angst in dieser äußerst schweren Situation genommen – nämlich dass ihr Kind zwar die schwere Krankheit glücklich übersteht, danach aber schulisch in ein tiefes Loch fällt, etwa weil der Rückstand zu groß ist, das Kind möglicherweise eine Klasse wiederholen muss und so wichtige Sozialkontakte verliert.

Genau das soll die Schule für Kranke verhindern: Falls ein schulpflichtiges Kind in Bayern erkrankt, hat es ein Recht auf Unterricht im Krankenhaus, wenn ein Attest für mindestens sechs Wochen vorliegt. Der Unterricht findet am Bett statt, oder in Räumen der Klinik. Schwer kranke Kinder sind zwar weniger belastbar, da sie schneller ermüden und sich schlechter konzentrieren können. Dann ist das Einfühlungsvermögen der Krankenhaus-Lehrer gefragt. Denn "der Umfang des Unterrichts soll individuell so festgelegt werden, dass ein Fortschreiten im gewählten Bildungsgang ermöglicht wird" – so hat es die Kultusministerkonferenz formuliert. Sollte es die medizinische Behandlung erfordern, können die Schüler an der Schule für Kranke sogar den Schulabschluss machen – bis hin zum Abitur.

Vielen Eltern und sogar vielen Lehrer ist dabei gar nicht bekannt, dass es die Schule für Kranke in Bayern überhaupt gibt. Zurzeit bestehen in Bayern 15 Schulen für Kranke – 177 Lehrkräfte aller Schularten unterrichten dort. Die Bandbreite reicht von der Kurklinik über die Akutklinik bis zur Kinder- und Jugendpsychiatrie. Daneben gibt es an einigen Kliniken Klassen für Kranke, die schulorganisatorisch einer Förderschule zugeordnet sind.

In München wird die Schule für Kranke von Elisabeth Meixner-Mücke geleitet. Ein eigenes Schulgebäude gibt es nicht, die Schule arbeitet dezentral an 12 Standorten der Kliniken. Rund 1.300 Schüler werden unterrichtet – ein Zuwachs um 22 Prozent seit dem Jahr 2000.

Besorgniserregend gestiegen ist besonders die Zahl der Kinder und Jugendlichen mit psychischen Störungen und Erkrankungen. Schulleiterin Anne-Kathrin Kohtz-Heldrich an der Heckscher-Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie berichtete von einer Zunahme der Klinikambulanzen von etwa 2.000 kleinen Patienten im Jahr 1998 auf rund 8.000 Patienten im Jahr 2007. Die Tendenz ist weiter steigend.

Diese Entwicklung hat das Kultusministerium erkannt – die psychische Belastung für Kinder nimmt zu – durch sozialen Wandel und ökonomischen Druck, aber auch durch falschen Medien-Konsum. "Wir haben vor anderthalb Jahren eine Zusammenarbeit zwischen Kinder- und Jugendpsychiatern und rund 60 Lehrkräften von Bayerns Förderschulen initiiert", so Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle. "Ziel war es, ein Konzept zu erarbeiten, wie wir diesen Kindern helfen können. Dieses Konzept liegt jetzt vor und wird umgesetzt. Die Zusammenarbeit zwischen Psychiatern und Lehrkräften hat dabei eine gute Entwicklung genommen. Wir werden dies auf die anderen Schularten ausweiten."

"Psychisch kranke Schüler – was ist zu tun?" dies ist auch das Thema für Professor Franz Joseph Freisleder, Ärztlicher Direktor des Heckscher-Klinikums für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik. "Der Kinder- und Jugendpsychiater als einer der Spezialisten für psychisch auffällige oder kranke Heranwachsende kann, wenn er die letzten 25 Jahre Revue passieren lässt, vor allem eines feststellen: Gleichgültig in welcher deutschen Region er arbeitet, ob in der Praxis oder in einer Klink, er ist gefragter denn je", so Professor Freisleder. "Zuwachsraten bei der Inanspruchnahme von jährlich zehn bis zwanzig Prozent vor allem im ambulanten Bereich und oft überbelegte Stationen können als Beleg für eine drastische Zunahme psychischer Störungen im Entwicklungsalter interpretiert werden." Zu dem starken Anstieg trage allerdings auch eine "Enttabuisierung und Abnahme der Schwellenangst" bei. Das heißt Eltern sind besser über psychische Erkrankungen bei Kindern informiert und nehmen Angebote von Kinder- und Jugendpsychiatern ohne Bedenken häufiger und schneller an.

Über eine sehr positive Entwicklung berichtete Professor Stefan Burdach, Direktor und Chefarzt der Kinderklinik München Schwabing – die Heilungschancen für Kinder mit Krebs sind erfreulicherweise bei den meisten Erkrankungen gestiegen. "Dass immer mehr chronisch Erkrankte im Kindes- und Jugendalter überleben, führt zu einem zunehmenden Bedarf an Pädagogik und Schule zur Verhütung von unerwünschten sozialen Folgen", sagte Professor Burdach. "Die Vorbehalte in Schule und Arbeitsleben durch offensive Aufklärung und adäquate Bildung abzubauen, ist eine wesentliche Aufgabe der Zusammenarbeit von Pädagogen und Kinderärzten".

Auch in seiner Klinik hat die Patientenzahl zugenommen, doch sei hier eine differenziertere Analyse nötig. "An der Kinderklinik der Technischen Universität München in Schwabing hat sich die Zahl der behandelten krebskranken Kinder von 2003 bis 2009 verdoppelt. Für 2010 wird ein Anstieg um das zweieinhalb fache vorausgesagt. Diese Zunahme beruht nicht etwa auf einer Steigerung von Krebserkrankungen bei Kindern in Bayern, sondern auf einer Konzentration der Behandlung dieser seltenen Erkrankungen an leistungsstarken Universitäten. Die Konzentration dient der Qualitätssicherung und ist auch ein Erfolg der Politik der bayerischen Staatsregierung in den Bereichen Wissenschaft und Gesundheit", so Professor Stefan Burdach.

Doch trotz aller Erfolge – es gibt immer noch mehr zu tun. Gerd Falk-Schalk, die schwedische Präsidentin von HOPE forderte alle 400 Kongress-Teilnehmer aus ganz Europa zum Nachdenken auf. "Die beiden Bereiche Medizin und Schule müssen noch mehr zusammenwachsen", meinte die Schwedin.

Der Kongress findet bis zum 7. November 2010 in München statt. Über 100 Referenten halten ihre Fachvorträge im Heckscher-Klinikum und im Klinikum Schwabing.


Weiterführende Links

  • Homepage HOPE Congress Munic

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