Kultusministerin Karin Wolff zieht Bilanz – "Ein Jahr verlässliche Schule in Hessen"
"Wir können das erste Mal in der hessischen Schulgeschichte auf ein Jahr verlässliche Schule zurückblicken, und darauf sind wir stolz. Allen anfänglichen Unkenrufen zum Trotz und nach Bewältigung der normalen Kinderkrankheiten ist das Projekt ,Unterrichtsgarantie Plus - für eine verlässliche Schule´ erwachsen geworden. Unser Ziel, einen Rahmen zu schaffen, in dem Eltern sich auf verbindliche Schulzeiten ihrer Kinder verlassen können, haben wir erreicht. Die Schulen können jetzt erstmals in Hessen und überhaupt in einem Bundesland bei kurzfristigem Personalausfall schnell und unbürokratisch Vertretung vor Ort organisieren." Mit diesen Worten hat die Hessische Kultusministerin Karin Wolff nach einem Jahr Bilanz gezogen.
06.07.2007 Hessen Pressemeldung Hessisches Ministerium für Kultus, Bildung und ChancenSie erinnerte daran, dass niemals die Rede davon gewesen sei, die Umsetzung dieses Konzeptes könne kontinuierlichen Fachunterricht ersetzen, da Kinder Anspruch auf hochwertigen und regelmäßigen Unterricht durch ausgebildete Lehrkräfte hätten. "Wenn aber Lehrer kurzfristig ausfallen, dann entsteht eine nicht akzeptable Lücke. Hier setzt die verlässliche Schule an, indem sie es den Schülerinnen und Schülern ermöglicht, die ausgefallene Unterrichtsstunde trotzdem sinnvoll zu nutzen", betonte die Ministerin. Schule müsse nicht nur verlässlich für die Eltern sein, sondern auch für die Kinder. Die vielfältigen und anspruchsvollen Anforderungen an die Jugendlichen, die die spätere Berufswelt mit sich bringe, könnten sie nur meistern, wenn ihnen ausreichend Zeit zum Üben und Wiederholen von Unterrichtsstoff zur Verfügung stehe. Dies könne die verlässliche Schule fördern, indem sie durch den Einsatz von engagierten und motivierten Menschen den Unterricht der Lehrerschaft abrundet. Eine fachlich angeleitete Vertretung sei dabei allemal besser, als die Kinder einfach nur nach Hause zu schicken. "Die verlässliche Schule ist ein wegweisendes Modell, wie uns viele Nachfragen aus anderen Bundesländern und aus dem Ausland bestätigen", unterstrich sie die Vorreiterrolle Hessens.
Das Projekt garantiert in allen Grundschulen, Förderschulen und in der Sekundarstufe I der weiterführenden Schulen feste, verlässliche Schulzeiten nach Stundenplan zwischen der ersten und sechsten Stunde. "Unterrichtsgarantie Plus - für eine verlässliche Schule" ergänzt die Unterrichtsgarantie, nach welcher Unterricht, der in der Stundentafel vorgesehen ist, sich auch auf den Stundenplänen der Kinder wiederfindet. Für die verlässliche Schule wurden die Mittel im Landeshaushalt um 16 auf 42 Millionen € erhöht. Davon gingen 30 Millionen direkt an die Schulen, die mit jährlich 1000 € pro unterrichtswirksamer Lehrerstelle schuleigene Vertretungspools für kurzfristigen Unterrichtsausfall aufgebaut haben. 10 % dieses Budgets kann von den Schulen für Sachmittelanschaffungen bzw. Lernmittel genutzt werden. 12 Millionen € erhalten die Staatlichen Schulämter, die, wie bisher, den langfristigen Vertretungsunterricht sicherstellen.
Im Vertretungspool sind überwiegend Vertretungskräfte mit pädagogischer Ausbildung wie pensionierte Lehrkräfte, Lehrerinnen und Lehrer in Elternzeit oder Lehramts-Studenten zu finden. Im vergangenen Schuljahr 2006/2007 wurden an den relevanten Schulen seit Schuljahresbeginn 12.465 externe Vertretungskräfte eingesetzt, die rund 2,4 % kurzfristigen Unterrichtsausfall vom Gesamtunterricht in den Schulen auffingen. Davon waren 2.252 ausgebildete Lehrer mit dem zweiten Staatsexamen. 8.416 Personen hatten eine abgeschlossene Berufsausbildung oder ein abgeschlossenes Studium an einer Universität oder Fachhochschule bzw. sind Lehramtsstudenten nach Praktika. 1.797 Personen waren Lehramtsstudenten vor Abschluss der schulpraktischen Studien sowie in erster Linie Studenten anderer Fächer. "Ein zentral gesteuerter Vertretungspool könnte niemals die individuellen Wünsche und Forderungen der Schulen vor Ort berücksichtigen, deshalb haben wir die Sicherstellung der pädagogischen und fachlichen Qualifikation der Vertretungskräfte in die Hände der Schulleiterinnen und Schulleiter gelegt. Die Schulleitung kann am ehesten einschätzen, wer das Kollegium in kurzfristigen Ausfallsituationen bestmöglich unterstützen kann", betont Wolff. Die Ministerin dankte den Schulleiterinnen und Schulleitern, die nicht nur knapp 15.000 Vertretungskräfte angeworben hätten, sondern auch mit beachtlichem Engagement den kurzfristigen Einsatz steuerten: "Die Bilanz von ,Unterrichtsgarantie plus - für eine verlässliche Schule´ ist gerade wegen des hohen Engagements der Schulleiterinnen und Schulleiter außerordentlich positiv."
Die verlässliche Schule sei ein innovatives und variables System, mit dem Schulen flexibel auf eigene Bedürfnisse reagieren können. Für das neue Schuljahr 2007/2008 habe man sich verschiedene Weiterentwicklungen vorgenommen, erläuterte Wolff die zukünftige Umsetzung des Projektes:
- Stärkung der verlässlichen Förderschulen: Pädagogisch qualifizierte Vertretungskräfte für die Betreuung von Kindern mit besonderem Förderbedarf zu finden ist ungleich schwieriger, da die Anforderungen an die fachliche Qualifikation höher ist als bei anderen Schulformen. Deshalb steht ab dem kommenden Schuljahr eine mobile Vertretungsreserve in Höhe von 52 Lehrerstellen zur adäquaten Gewährleistung der Verlässlichkeit von Schule zur Verfügung.
- Stärkung des Budgets kleinerer Grundschulen: Mit 1000 € pro unterrichtswirksamer Lehrerstelle und Haushaltsjahr konnten alle Schulen im vergangenen Schuljahr eigene Vertretungspools aufbauen. An kleineren oder Kleinstgrundschulen kam es im abgelaufenen Schuljahr zu Schwierigkeiten mit dem zur Verfügung stehenden Budget. Im kommenden Schuljahr werden die Staatlichen Schulämter 10 % des Gesamtbudgets zurückhalten, um mit diesem Solidaritätsfonds unverschuldet in finanzielle Schwierigkeiten geratenen Schulen auszuhelfen.
Hintergrund:
Die "Unterrichtsgarantie Plus - für eine verlässliche Schule" ist ein Projekt im Rahmen der eigenverantwortlichen Schule. Ziel ist es, dass Schulen schrittweise bei der Personalauswahl, der Unterrichtsorganisation und in Budgetfragen mehr Eigenständigkeit erhalten. Dank der verlässlichen Schule können Schulleiterinnen und Schulleiter selbst über ein Budget verfügen und Vertretungskräfte einstellen, um den kurzfristigen Ausfall von Lehrkräften aufzufangen.
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