Massenpetition für bessere Grundschule

Mit einer riesigen bunten Schultüte sind heute Nachmittag Schüler, Eltern und Lehrer aus ganz Bayern vor das Kultusministerium gezogen. Die Schultüte, in ihr waren die zentralen Forderungen der BLLV -Kampagne ´Starke Grundschule. Unserer kleinen ganz GROSS´ "verpackt", wurde dort Kultusminister Spaenle überreicht. Mit ihrem "schulpolitischen Spaziergang", er führte vom Landtag zum Kultusministerium, setzten sie der im Februar gestarteten Kampagne des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV) einen spektakulären Schlusspunkt. Sie wollen mehr Förderung, kleinere Klassen und Gruppen, gleiche Besoldung für alle Lehrer, eine bessere Lehrerbildung, die freie Schulwahlentscheidung - vor allem aber eine längere gemeinsame Schulzeit.

16.07.2009 Pressemeldung Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) e.V.

Spektakulär auch die Beteiligung: In den vergangenen Wochen fanden landesweit hunderte Veranstaltungen statt, über 100.000 Unterschriften wurden für eine Petition gesammelt. Diese übergab BLLV-Präsident Klaus Wenzel zuvor Landtagspräsidentin Barbara Stamm. "Der BLLV setzt erneut Maßstäbe", freute er sich, "denn diese bildungspolitische Petition ist die größte seit Veröffentlichung der ersten Pisa-Studie." Mit der Aktion sei es erfolgreich gelungen, die Grundschule über Wochen in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken - "sie hat es verdient, denn keine Schulart wirkt sich so fundamental auf Bildungsbiografien aus", sagte Wenzel. "Die Politik sollte die Botschaft nicht nur hören, sondern als Ermutigung für grundlegende Reformen im Bildungsbereich verstehen. Viele Menschen haben kein Verständnis mehr für die bildungspolitische Blockadehaltung, die auf dem Rücken ihrer Kinder ausgetragen wird." "Die in relativ kurzer Zeit in solch hoher Anzahl gesammelten Unterschriften führen drastisch vor Augen, wie groß der Wunsch nach Veränderungen im Grundschulbereich ist. Dies darf von Landtag und Kultusministerium nicht ignoriert werden", betonte Wenzel, der nicht nur von Eltern, Kindern, Lehrern, sondern auch von Vertretern aller bayerischen Landkreise und kreisfreien Städten sowie der BLLV- Landesvorstandschaft und zahlreichen Politkern, die sich mit der Grundschulkampagne solidarisieren, begleitet wurde. Seite 2 – zur Pressemitteilung Nr. 40 vom 16.07.2009 Die Grundschulkampagne ließ in ihrer Umsetzung vor Ort der Fantasie der Beteiligten freien Lauf: Zahlreiche Podiumsdiskussionen, in denen zum Teil sehr hitzig Meinungen ausgetauscht wurden, fanden genauso statt wie Aktionstage, in vielen Fußgängerzonen gab es Infostände - der Kreativität war bei der Gestaltung keine Grenzen gesetzt. "Die hohe Beteiligung zeigt, dass sich Bürgerinnen und Bürger intensiv mit dem Thema Grundschule beschäftigen, sich engagieren und sich auch aktiv für Verbesserungen einsetzen", bilanzierte Wenzel. Die zentralen Forderungen des BLLV nach mehr Förderung, kleineren Klassen und einer freien Schulwahlentscheidung stoßen auf hohe Akzeptanz. Auch die angemahnten Verbesserungen in der Lehrerausbildung halten viele für bitter nötig, genauso wie die Gleichbehandlung aller Lehrkräfte: "Wer die Lehrerinnen und Lehrer kleiner Kinder kleinlich behandelt, macht einen großen Fehler."

"Besonders freut uns aber, dass unser Ziel, in Bayern eine längere gemeinsame Schulzeit für alle Kinder durchzusetzen, von vielen mit getragen und unterstützt wird", sagte der BLLV-Präsident. "Mit dieser Forderung stehen wir nicht allein. Viele Eltern und viele Lehrer/innen haben es gründlich satt, sich dem Diktat der frühen Auslese mit allen negativen Folgen beugen zu müssen. Sie wollen ein Ende des Übertrittsdrucks, weil sie wissen, dass dabei emotionale Fähigkeiten ins Hintertreffen geraten, der Leistungsdruck steigt, die Motivation sinkt und die Nachhilfe boomt." In der Petition heißt es dazu: "Die Auslese von neun- und zehnjährigen Kindern ist unverantwortlich. Sie demotiviert und lässt jährlich Zehntausende Kinder als Verlierer zurück." Das belaste das Familienklima und die Lernmotivation von Kindern. Solange die Grundschule nur vier Jahre dauert, verlangen die Unterzeichner der Petition eine grundlegende Vereinfachung des Übertrittsverfahrens. Danach sollen nach einem Beratungsgespräch mit dem Grundschullehrer bzw. der Grundschullehrerin die Eltern in eigener Verantwortung über die Schullaufbahn ihres Kindes entscheiden dürfen. Wenzel bezeichnete die vom Kultusministerium geplante Übertrittsphase als hilflosen Versuch, an einem kranken System herumzudoktern. "Eine Heilung kann und wird so nicht gelingen."

Wenzel bedankte sich bei allen, die die BLLV- Kampagne unterstützt und zum Erfolg geführt haben. "Sie haben ein Zeichen gesetzt. Die Politik sollte nun alles dafür tun, dass der Einsatz Tausender nicht umsonst war. Der BLLV wird aufmerksam verfolgen, wann und wie die Forderungen umgesetzt werden."

Weitere Informationen zur Grundschulaktion sowie die Petition im Wortlaut unter grundschule.bllv.de


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