Modell für Kooperationsschule hat verheerende Folgen

Der Bayerische Elternverband (BEV) stellt sich hinter die Regionale Schulentwicklung (RSE) des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV). Die Elternvertreter fragen sich, warum die angeblich so hohe Durchlässigkeit des bayerischen Schulsystems durch Kooperationsmodelle überhaupt noch gesteigert werden muss. Schließlich preise die Staatsregierung das bayerische Schulsystem stets als das beste und durchlässigste in Deutschland. Auch der Zeitpunkt, den der Kultusminister wählt, um die Durchlässigkeit weiter zu steigern, stößt beim Bayerischen Elternverband auf Unverständnis, denn gleichzeitig werden seit Jahren die dringendesten Probleme der Schulen auf dem Land geradezu stiefmütterlich behandelt.

23.04.2009 Pressemeldung Bayerischer Elternverband

Aus demografischen Gründen und durch den zunehmenden Übertritt an Realschulen und Gymnasien droht den wohnortnahen Hauptschulen vielerorts der Tod. Die Chancen auf Genehmigung für ein Kooperationsmodell von Hauptschule und Realschule sind für diese in die Knie gegangenen wohnortnahen Schulen gleich Null. Das Kultusministerium schreibt für die Kooperationsmodelle mindestens Zweizügigkeit und eine Partnerschule in der Nähe vor. Das können diese Schulen nicht bieten.

Nach anhaltendem Druck aus den Reihen von Lehrern, Eltern und Bürgermeistern will Kultusminister Spaenle nun Dialogforen und strategische Schulverbünde zur Sicherung der Hauptschulstandorte einrichten. "Schulverbünde gibt es schon lange, und sie helfen bei anhaltender Tendenz des Übertrittsverhaltens den Hauptschulen rein gar nichts. Auch nützt die Einrichtung von Dialogforen den Teilnehmern nichts, wenn ihnen gleichzeitig keine Kompetenzen eingeräumt werden", sagt Ulrike Stautner, die stellvertretende Landesvorsitzende des Bayerischen Elternverbands. "Die kreativen und standortbezogenen Vorschläge aus dem ganzen Land, die Kultusminister Spaenle für seine Kooperationsmodelle so gespannt erwartet, liegen ihm doch von über 100 Schulen schon lange vor. Alle Anträge auf Modellschule beinhalten pragmatische und aufwertende Konzepte gerade für Schulen mit rückläufiger Schülerzahl. Sie sind von schon jetzt bestehenden Dialogforen, in denen Lehrer, Eltern, Schulleitungen und Sachaufwandsträger sitzen, vor Ort erarbeitet worden", bestätigt Marion Beck vom Sachgebiet Regionale Modellschule des BEV.

Der Bayerische Elternverband bezweifelt, dass die Staatsregierung die Probleme wirklich lösen will und beklagt die ideologischen Kämpfe, die auf dem Rücken der Kinder ausgetragen werden. "Wenn das Kooperationsmodell schon nicht dem Erhalt und der Aufwertung der Hauptschule dienen soll, warum werden dann nicht wenigstens die M-Züge kontinuierlich ausgeweitet und vor allem aufgewertet, so dass ein dem Realschulabschluss gleichwertiger und nicht nur ein gleichartiger Abschluss entsteht?", fragt Ulrike Stautner.

Kultusminister Spaenle betont die Chancen für Schüler durch die Kooperation von Haupt- und Realschule, doch abgesehen von der eventuellen besseren Durchlässigkeit kann der BEV keine Chancen für die Schülerschaft entdecken. In der Form, wie der Kultusminister Kooperationsmodelle zügig genehmigen will, werden große Schulen gestärkt und kleine Schulen aufs schnellere Sterben vorbereitet. "Der Eindruck entsteht, dass das bayerische Kultusministerium eine Beruhigungspille mit Namen Kooperationsmodell ausgibt. Denn uns Eltern plagen große Zweifel, dass irgendeine Realschule freiwillig eine Kooperation mit einer Hauptschule eingeht. Und das weiß Herr Spaenle nur allzu genau durch seinen intensiven Kontakt und Austausch mit dem Realschullehrerverband", sagt Stautner. Der BEV fordert zu schnellem und konsequentem Umdenken auf, um die Vermehrung von Schul-Ghettos in Städten und Schulsterben auf dem Land zu verhindern.

Der Aussage des Kultusministers, dass der BLLV nicht alle Beteiligten ins Boot holen wolle, widerspricht der BEV. Allerdings lasse das Kultusministerium Eltern, Lehrer, Schulleiter und Sachaufwandsträger, die gemeinsam längst pragmatische Lösungen gefunden haben und nun nur noch eine Genehmigung des Kultusministeriums brauchen, gegen die Wand laufen.


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