Olbertz: Abwerbung von Lehrern verweist auf gravierendes Zukunftsproblem - länderübergreifende Eckdaten zur Lehrerbesoldung gefordert

Kultusminister Prof. Dr. Jan-Hendrik Olbertz nahm heute Stellung zu den Plakataktionen des Landes Baden-Württemberg im Rahmen einer bundesweiten Werbekampagne, die sich an junge Lehrerinnen und Lehrer richtet.

23.02.2009 Pressemeldung Kultusministerium des Landes Sachsen-Anhalt

Einige bevölkerungsstarke Bundesländer haben im Zusammenhang mit dem Doppelabitur in den nächsten drei Jahren einen deutlich erhöhten Bedarf an Lehrkräften, den sie mit eigenen Absolventen nicht abdecken können.

Dem gegenüber gibt es in den neuen Ländern nach wie vor einen demografiebedingten Lehrerüberhang, allerdings verschieben sich darin die Fächer. Das heißt für immer mehr Fächer steigt der Bedarf an Neueinstellungen stetig an. "Spätestens ab Mitte des nächsten Jahrzehnts wird sich die Situation auch bei uns dramatisch zuspitzen", sagte Minister Olbertz. Deshalb habe er das Angebot aus Baden-Württemberg begrüßt, jungen Lehrerinnen und Lehrern aus den neuen Ländern nach drei Jahren problemlos eine Rückkehr in ihre Herkunftsländer zu ermöglichen, wenn sie dies wünschten. Dies habe Baden-Württemberg inzwischen auch schriftlich zugesichert.

In der gegebenen Situation sei es um so wichtiger, erklärte der Minister, die Absolventinnen und Absolventen in den neuen Ländern zu verbeamten, wie es in Sachsen-Anhalt geschieht. "Gegenwärtig werden im Land jährlich 100 neue Lehrkräfte eingestellt und verbeamtet, ab 2011 werden es jährlich 150 sein. Bei derzeit rund 170 Absolventinnen und Absolventen könnten ab diesem Zeitpunkt über 80% der Absolventen eines Lehramtsstudiums mit einer Festanstellung in ihrem Heimatland rechnen."

Auch die Besoldung werde in den nächsten beiden Jahren auf 100% steigen, sobald der Lehrertarifvertrag zur Arbeitsplatzsicherung ausgelaufen ist und damit Vollbeschäftigung in allen Schulformen eintrete. Zudem erfolge ab 1. Januar 2010 die vollständige Ost-West-Angleichung der Vergütungen für die Beschäftigten des Öffentlichen Dienstes, so auch der Lehrerinnen und Lehrer.

Olbertz betonte: "All dies wird aber nicht ausreichen, den Bedarf an hochqualifizierten und -motivierten jungen Lehrerinnen und Lehrer in Sachsen-Anhalt abzudecken. Deshalb habe ich vor, die Kapazitäten und die qualitativen Ansprüche an die Lehramtsausbildung in den künftigen Zielvereinbarungen, vor allem mit der Martin-Luther-Universität in Halle, verbindlich und mit definiertem Budget zu verankern. Auch die Kapazitäten der Referendarsausbildung sollen in Sachsen-Anhalt in den nächsten Jahren deutlich angehoben werden. Nicht zuletzt werde ich im Rahmen der regelmäßigen Fortschreibung des Personalentwicklungskonzept der Landesregierung die Entwicklung des Lehrkräftebedarfs sorgfältig im Auge behalten."

Die Deckung des Lehrerbedarfs in Deutschland sei auch von hohem gesamtstaatlichen Interesse, so Olbertz. "Dringend notwendig sind daher länderübergreifende Eckdaten zur Lehrervergütung, damit nicht durch die unterschiedliche wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Länder eine Verzerrung des Wettbewerbs im Bereich der schulischen Allgemeinbildung eintritt." Länderabstimmungen dieser Art stünden für ihn nicht im Widerspruch zur föderalen Eigenständigkeit der Länder, sondern seien "geradezu Gebot eines modernen Föderalismus", so Kultusminister Olbertz.


Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden