PISA-Testverfahren "höchst fragwürdig"
(bikl.de) In knapp einem Monat ist wieder PISA-Tag: Am 4. Dezember wird die neue PISA-Studie veröffentlicht. Doch bereits jetzt wird über die Ergebnisse spekuliert. Zumindest in Österreich. So berichten etwa die Salzburger Nachrichten, es sei durchgesickert, dass Österreich es nicht geschafft habe, seine Bildungsstandards zu verbessern.
08.11.2007 ArtikelGrundsätzliche Kritik an den PISA-Tests kommt ebenfalls aus Österreich. Konrad Paul Liessmann, Professor für Philosophie an der Universität Wien, hält das "hochgepuschte, von privaten Konsortien verwaltete PISA-Testverfahren" für "höchst fragwürdig". Das erklärte der Wissenschaftler jetzt gegenüber der Wiener Zeitung Die Presse.
Man könne ohne große Probleme auf den Test verzichten, weil er schon rein aus statistischen Gründen "keine wirklich verbindliche Aussagekraft" habe, so Liessmann gegenüber der Zeitung.
Wieder würden die PISA-Ergebnisse für die jeweiligen bildungspolitischen Intentionen genutzt, so Liessmann weiter. Das hält der Wissenschaftler für problematisch: "Bildungspolitik über die Motivation eines aus verschiedensten Gründen nicht wirklich über alle Zweifel erhabenen internationalen Testverfahrens zu machen".
Provozierend merkt Liessmann an, dass Tests wie PISA in erster Linie eine Kompetenz messen würden: "die Fähigkeit, Tests wie PISA zu lösen". Er habe nichts dagegen, hin und wieder einen solchen Test durchzuführen, verstehe aber nicht, "dass man so tut, als müsste man jedes Jahr das Rad neu erfinden". Jetzt seien PISA-Tests für Studierende und für Erwachsene geplant, "da wird die Testerei zu einer pathologischen Erscheinung".
Weitere kritische Anmerkungen sind auch von einem Buch zu erwarten, das am 19. November im LIT-Verlag erscheint: "PISA zufolge PISA - Hält PISA, was es verspricht?", herausgegeben von den österreichischen Wissenschaftlern Stefan Thomas Hopmann, Gertrude Brinek und Martin Retzl.
In der aktuellen PISA-Studie wurden wiederum Kompetenzbereiche Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften getestet, diesmal mit den Naturwissenschaften als Schwerpunktgebiet. An PISA 2006 nahmen 57 Länder teil.
Weiterführende Links
- Die Presse: Liessman: PISA-Studie hat keine Aussagekraft
- Homepage Professor Konrad Paul Liessmann
- Die deutsche PISA Website
- Die internationale PISA Website
Keine Kommentare vorhanden