Psst.... im Klassenzimmer leiser reden

(bikl) Am 20. April ist der Internationale Tag gegen den Lärm. Da denkt man in erster Linie an Straßen- und Baulärm oder die Dezibel in den Discos. Aber Lärm ist auch anderswo ein großes Problem: In den Schulen nämlich.

17.04.2005 Artikel
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Vier von fünf Lehrern fühlen sich durch von Schülern verursachten Lärm belastet. Die Unterrichtsstunden, so konnten Wissenschaftler vom Institut für interdisziplinäre Schulforschung (IFS) der Universität Bremen messen, beginnen und enden meist laut. Schallpegel unter 50 Dezibel (dB) - empfohlen für geistige Arbeit - werden oft nur während der Stillarbeit erreicht.

Laut wie auf der Straße

In anderen Arbeitsphasen - so die Wissenschaftler - kommt es zu Schallpegeln um die 75 dB. Dies entspricht etwa mittlerem Straßenverkehrslärm. Von einem Pegel von 85 Dezibel an muss laut Bundesärztekammer schon mit einer Gehörschädigung gerechnet werden. Im Sportunterricht übrigens keine Seltenheit: Hier konnten die Forscher 85 Dezibel und sogar Spitzen von bis zu 110 dB messen.

Maximal 55 dB

Arbeitswissenschaftler setzen als Obergrenze für geistige Arbeit in Büros einen Geräuschpegel von maximal 55 dB. Andernfalls leiden Kommunikation, Konzentration und letztlich die Lernerfolge. Kein Wunder also, dass schulischer Lärm die Gesundheit der Lehrer und Schüler belastet und die Qualität des Unterrichts senkt.

Leiser ist besser

Das bedeutet: Mit einer bessere Raumakustik in Klassenräumen ist auch besserer Unterricht möglich. Dazu gehören neben schallabsorbierenden Decken auch pädagogische Maßnahmen. Das belegen Versuche der Bremer Wissenschaftler Professor Georg Schönwälder, Gerhart Tiesler und Frauke Ströver an vier Schulen in Bremen und einer in Nordrhein-Westfalen. Denn eine bessere Raumakustik wirkt sich in zweifacher Hinsicht positiv auf den Schallpegel aus: Einmal durch die tatsächliche Schallabsorption; darüber hinaus auch durch den Effekt, dass eine geringere Lautstärke bei den Schülern ein leiseres Verhalten geradezu provoziert.

Kreislauf duchbrechen

Denn ist es erst einmal laut, dann steigen die Dezibel nahezu zwangsläufig: Eine schlechte Raumakustik verschlechtert auch die Sprachverständlichkeit. Schlechtes Verstehen führt zu größerer Unruhe, die durch lauteres Reden überwunden werden muss. Aber: Lauteres Reden bedingt nicht zwangsläufig besseres Verstehen. Wird dieser Kreislauf durch eine bessere Raumakustik durchbrochen, so fanden die Wissenschaftler heraus, sinkt der Schallpegel - in den untersuchten Klassen sogar nicht nur um die erwarteten drei Dezibel, sondern um bis zu neun Dezibel. Aber erst ein Zusammenwirken von schalltechnischen, pädagogischen und organisatorischen Maßnahmen bringt nachhaltige Erfolge. Denn die Wissenschaftler konnten auch nachweisen, dass der Schallpegel durch ein entsprechendes Verhaltenstraining bei den Schulanfängern spürbar sinkt.

Weitere Informationen

www.isf.uni-bremen.de/


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