Referatsleiter aus dem Hessischen Kultusministerium bei der Mensa-Hauptversammlung in Frankfurt am Main: "Hessen hat neun Jahre Erfahrung mit Hochbegabtenförderung"

Über die guten Erfahrungen aus neun Jahren systematischer Förderung von Hochbegabten im hessischen Schulwesen hat heute Ministerialrat Walter Diehl, zuständiger Referatsleiter im Hessischen Kultusministerium, bei der Hauptversammlung des Hochbegabten-Vereins Mensa in Frankfurt am Main referiert. Seit 1998 habe das Kultusministerium sachgemäße Beratungs- und Förderangebote zum Thema Hochbegabung in der Schule auf den Weg gebracht.

13.04.2007 Hessen Pressemeldung Hessisches Kultusministerium

"Aus einem zweijährigen Grundschulprojekt zur Hochbegabtenförderung ist das Gütesiegel Hochbegabung erwachsen, das seit 2004 allen hessischen Schulen einen fundierten Einstieg in das Erkennen und Unterstützen auch intellektueller Hochbegabung erlaubt", berichtete Walter Diehl. Dies erfolge "integrativ und einzelfallbezogen unter Einschluss hochbegabter Schülerinnen und Schüler mit besonderen Problemen oder sogenannter hochbegabter Minderleister.

Im laufenden Schuljahr 2006/2007 verfügt Hessen nach Angaben des Referatsleiters über insgesamt 90 Schulen, die im Zeichen des Gütesiegels Hochbegabung besondere Beratungs- und Förderangebote auch für hochbegabte Schülerinnen und Schüler bereit halten. Dazu zählten 43 Grundschulen, 20 Gesamtschulen und 27 Gymnasien. Gütesiegel-Hochbegabungs-Schulen gebe es in allen 15 Schulamtsbezirken des Landes – von zwei in Fulda bis zu elf in Kassel. Derzeit bemühten sind 20 weitere hessische Schulen um den Erwerb des Gütesiegels, sagte Walter Diehl.

Das Gütesiegel Hochbegabung werde nach sieben zentralen Kriterien für jeweils drei Jahre an Schulen vergeben:

  • Entwicklung eines schulischen Förderkonzepts als Teil des Schulprogramms,
  • Kompetenz bei der Identifizierung von hohen Begabungen,
  • Bereitschaft zu individuellen Förder- bzw. Lernplänen,
  • Beratung von Eltern,
  • regionale Netzwerkbildung,
  • regelmäßige Lehrerfortbildung zum Thema,
  • sorgfältige Dokumentation und Evaluation aller Maßnahmen.

Für die Zukunft, so der Ministerialrat, strebe das Hessische Kultusministerium an:

  • Die Evaluationsergebnisse der bereits aktiv gewordenen Schulen auszuwerten.
  • Gewonnene Erfahrungen und Erkenntnisse an die übrigen Schulen im Lande weiterzugeben.
  • Weitere hessische Schulen zum vertieften pädagogischen Einstieg in das Thema Hochbegabtenförderung anzuhalten.
  • Die Zusammenarbeit mit kompetenten externen Institutionen im Lande zu vertiefen.
  • Diese zum vermehrten Bereitstellen außerschulischer Angebote für hochbegabte Schülerinnen und Schüler zu motivieren.
  • Regionale Netzwerke in Hessens weiter zu befördern.
  • Bei der Aufklärungsarbeit zur Hochbegabtenförderung nicht nachzulassen.

Flankierende Maßnahmen zur Prävention und Hilfe für hochbegabte Schülerinnen und Schüler mit schwerwiegenden Problemen – etwa durch zwei Pilotprojekte in Frankfurt am Main und Offenbach – ergänzten das hessische Gütesiegel-Programm. In allen Schulamtsbezirken arbeiteten interessierte Schulen mit schulpsychologischen und sonderpädagogischen Ansprechpartnerinnen und -partnern aus sonderpädagogischen Beratungs- und Förderzentren (BFZ) flächendeckend zusammen.

Um Hochbegabung in allen drei Phasen der Lehrerbildung – von Studium, über Referendariat und bis zur Lehrerfortbildung – dauerhaft zu installieren, erprobten das Hessische Kultusministerium und das Amt für Lehrerbildung mit Unterstützung der Karg-Stiftung für Hochbegabtenförderung zwei Module ("Grundlagen der Psychologie und Pädagogik von Hochbegabung", "Integrative Hochbegabtenförderung im Klassenverband"). Dafür, fuhr Walter Diehl fort, würden geeignete Lehrinhalte erarbeitet sowie passende Lernmaterialien zusammengestellt und zunächst an ausgewählten Studienseminaren eingesetzt.

"Inzwischen liegt es in der Entscheidungsmöglichkeit jeder einzelnen hessischen Schule, in ihren Schulgremien Beschlüsse zum Einstieg in das Thema Hochbegabung zu fassen, hinter denen erkennbar die Schule als Ganze steht", sagte der Ministerialrat. So könne fundiert und auf die spezifischen Standortbedingungen und das Umfeld, Bedürfnisse und Fähigkeiten der jeweiligen Schülerinnen, Schüler und Eltern sowie Möglichkeiten und Vorstellungen des Lehrerkollegiums eingegangen werden. Ansprechpartnerinnen und -partner in den Staatlichen Schulämtern sowie im Fachreferat des Kultusministeriums leisteten dabei Hilfestellung. Vielfältige Informationen stelle das eigene Hochbegabungsportal grundschule.bildung.hessen.de/Paedagogik/Begabung im Internet zur Verfügung. "Damit sind landesweit die Voraussetzungen gegeben, dass alle aufgeschlossenen und interessierten hessischen Schulen die Möglichkeit haben, fundierte Kenntnisse zur Hochbegabtenförderung zu erwerben und bedarfsgerechte Förderangebote einzurichten", freute sich Walter Diehl.

"Wir wollen, dass jede Schülerin und jeder Schüler das individuelle Begabungspotenzial und die persönliche Leistungsfähigkeit bestmöglich entwickeln und entfalten kann, um es später in sinn- und verantwortungsvoller Weise für das Gesamtwohl einsetzen zu können", zitierte er Kultusministerin Karin Wolff Etwa zwei Prozent jedes Schülerjahrganges seien intellektuell hochbegabt. Diese Kinder und Jugendlichen bedürften einer adäquaten pädagogischen Ansprache und Hilfestellung durch die Schule. Hochbegabung setze sich keineswegs immer automatisch von alleine durch. Auch bei Hochbegabten könne die Leistungsfähigkeit durch andere Faktoren beeinträchtig oder verstellt sein, so dass besonderes Augenmerk und spezielle Unterstützung angezeigt sind. Zweifellos könnten unauffällige Hochbegabte von geeigneter Ansprache und schulischer Forderung bis an die individuelle Leistungsgrenze ebenfalls profitieren. Aufgrund des zahlenmäßig geringen Vorkommens Hochbegabter empfehle sich eine integrative und einzelfallbezogene Förderung in regulären Klassen an möglichst vielen Schulen.


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