Rezension "Selbstständige Schule" von Prof. Gottfried Kleinschmidt

(Prof. Gottfried Kleinschmidt) Der interessante und informative Sammelband weist mindestens drei leistende Themen auf, die von Expertinnen und Experten in der Schul- und Fortbildungstheorie sowie der Schulpraxis und aus der Sicht der Lehre und Forschung an Hochschulen und Universitäten bearbeitet werden: Die eigenverantwortliche Schule (aus schulrechtlicher, schulorganisatorischer, administrativer, schulpädagogischer und innovativer Sicht), die neuen Konzepte der Lehrerbildung (aus Sicht der Hochschulen, aus der Perspektive der drei Phasen, aus der Sicht der Bildungsqualität und aus der Sicht der Wirksamkeit von Fort- und Weiterbildung), der Quer- und Seiteneinstieg in den Lehrerberuf (unter besonderer Berücksichtigung der Situation in Hessen und der aktuellen Situation in den einzelnen Fächern).

14.09.2012 Pressemeldung Wolters Kluwer Deutschland GmbH

Markant für den Aufbau der meisten Einzelbeträge ist der Dreischritt: Rückblick in die Vergangenheit – Analyse der Gegenwart – Ausblick auf Entwicklungstrends. Dieser Dreischritt erhöht die Leserfreundlichkeit und regt zu weiterführenden Diskussionen an. Besondere Beachtung erhält das Bundesland Hessen. Die Adressanten der einzelnen Artikel sind Lehrerkollegien, pädagogische Führungskräfte, Vertreter der Schulverwaltung, Entscheidungsträger der Bildungspolitik und angehende Lehrerinnen und Lehrer in den verschiedenen Phasen der Ausbildung. Vier Beiträge sind zwischen 2006 und 2008 bereits anderweitig in modifizierter Form veröffentlicht worden. Sie sind in dem Sammelband in einen neuen Kontext gestellt worden. Die zusammenfassende Würdigung der umfangreichen und detaillierten Argumentation der einzelnen Autoren erlaubt nur exemplarische und punktuelle Hinweise auf einige Aussagen.

Der Übergang zur "eigenverantwortlichen Schule" verläuft keineswegs reibungslos und zielstrebig. Ein Grund für die Schwierigkeiten beim Übergang zur eigenverantwortlichen Schule wird darin gesehen, "dass er häufig nur in einigen eher nachrangigen Entscheidungsbereichen stattgefunden hat oder auf halbem Weg unterbrochen worden ist". Daraus ergibt sich die Konsequenz: "Mit ein bisschen Eigenverantwortung unter ansonsten unveränderten Umständen wird sich wenig ausrichten lassen". An dieser Stelle kann auf zwei Publikationen hingewiesen werden, die die künftige Position der Lehrerinnen und Lehrer und die Unterrichtsqualität betreffen. Beide Problemfelder gehören inhaltlich zusammen. Es geht um das Lehrerleitbild aus der Sicht der Wirtschaft "Führungskraft Lehrer" hrsg. Von der Bundesvereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) in Berlin und den Praxisleitfaden zur Einführung des Selbstevaluationsinstruments SETS in Schulen mit dem Titel "Bessere Qualität in allen Schulen", Verlag Bertelsmann Stiftung in Gütersloh. Zwischen der Eigenverantwortlichkeit der Schule, den neuen Führungsaufgaben für Lehrerinnen und Lehrer und der Selbstevaluation in Schulen bestehen systemische Zusammenhänge, auf welche in einzelnen Beiträgen mehrfach hingewiesen wird. Auch die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU) hat im Jahr 2004 ein Leitbild "Selbstständige Schule 2015" vorgelegt und darin die "Erfolgsschule der Zukunft" vorgestellt. Viel Diskussionsstoff liefert diesbezüglich der Beitrag mit einem "virtuellen Bild einer guten Schule aus der Sicht des Jahres 2020" mit der Beschreibung eines Unterrichtstages einer Lehrerin! Sehr viele Denkimpulse und zukunftsweisende Anregungen liefern die Beiträge des zweiten Hauptabschnittes mit den neuen Konzepten zur Lehrerbildung. Hier wird mehrfach die sogenannte "neue Unübersichtlichkeit der Studienstrukturen in der Lehrerausbildung" apostrophiert. Einer der Autoren stellt am Anfang seiner Beitrags kritisch fest: "Eine neue Unübersichtlichkeit kennzeichnet die aktuelle Lage der universitären Lehrerausbildung in Deutschland". Eine unbeantwortete Frage lautet: Welches Niveau an pädagogischen Wissen erreichen angehende Lehrkräfte am Ende ihrer Ausbildung, vor allem auch im internationalen Vergleich? Und eine weitere Frage schließt sich an: Sind eventuell Unterschiede nach Ausbildungsgängen festzustellen, die auf eine unterschiedliche Wirksamkeit der Lehrerausbildung hinweisen? Wichtige rechtliche Grundlagen für die Kompetenzorientierung in Hessens Lehrerbildung liefern zwei Gesetze: Das Hessische Schulgesetz (HSchG, 2002) und das Hessische Lehrerbildungsgesetz (HLbG, 2004). Beide Gesetze werden analysiert und kommentiert.

Impulsgehend und konzeptionell anregend sind die beiden grundlegenden Artikel zum "Querund Seiteneinstieg in den Lehrerberuf". Die Quereinsteigerprogramme in der Lehrerbildung bilden eine besondere Herausforderung für die Hochschulen und Universitäten. Einer der Autoren stellt resümierend fest: "So ist eine Reihe von Ansätzen und Regelungen, die im Quereinsteigerprogramm Berücksichtigung gefunden haben, auf den klassischen Vorbereitungsdienst übertragbar, sie könnten zu einer inhaltlichen und organisatorischen Verbesserung der Lehrerausbildung führen". In den USA liegen interessante Erfahrungen mit verschiedenen Quereinsteigerprogrammen und deren Auswirkungen auf staatliche Lehrerbildung vor.

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