Schulen müssen junge Menschen stark machen
Jahr für Jahr verlassen tausende junger Menschen die Schule, ohne auf dem Arbeitsmarkt eine Chance zu haben. Darin sieht der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Klaus Wenzel, die Gefahr, dass junge Menschen ins Visier rechtsradikaler Gruppierungen geraten können. "Entweder haben sie keinen Abschluss erworben oder ihr Abschluss ist nicht viel wert. Sie machen die Erfahrung der Ausgrenzung. Das ist gesellschaftspolitischer Sprengstoff. Viele wandern von der Schulbank direkt in die Arbeitslosigkeit. Die jungen Menschen sind in hohem Maß gefährdet, sich radikalen politischen Ansichten zu öffnen."
12.01.2009 Bayern Pressemeldung Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) e.V.Der BLLV hat auf diesen Zusammenhang mehrfach hingewiesen. "Auch deshalb fordern wir hartnäckig gleiche Bildungschancen für alle und ein Bildungssystem, das alle junge Menschen fördert, nicht ausgrenzt", betonte er. Je intensiver junge Menschen Schulerfolge erleben, soziale Einbindung erfahren und Zukunftsperspektiven sehen, umso größer die Chance, sich von radikalen Gruppierungen zu distanzieren und demokratiefeindliche Aktivitäten langfristig und nachhaltig zu stoppen."
Experten bezeichnen junge Menschen als gefährdet, wenn sie sozial benachteiligt werden, bildungsfernen Schichten angehören, aus strukturschwachen Regionen kommen, Demokratiedefizite und Verhaltensauffälligkeiten aufweisen oder bereits kriminelle Karrieren hinter sich haben und zu Gewalt neigen. "Je mehr es also gelingt, möglichst vielen jungen Menschen gute Lebensperspektiven zu eröffnen, desto größer die Chance, sie gegen politische Radikalismen zu immunisieren." Eine zentrale Rolle spielen Schulen und Kindertagesstätten. "Bildungseinrichtungen der Zukunft müssen integrieren und jungen Menschen demokratische Werte vermitteln."
"Je früher Kinder andere Kulturen kennenlernen, je früher sie Erfahrungen in heterogenen Gruppen machen können, desto besser." Diese wichtige Arbeit muss bereits in allen Kindertagesstätten und Grundschulen beginnen. Um sie noch erfolgreicher durchführen zu können, müssen sämtliche Einrichtungen deutlich besser mit qualifiziertem Personal ausgestattet werden. Pädagogen brauchen Zeit, um sich allen Kindern entsprechend annehmen zu können. "Jeder Cent, der in diese grundlegende Arbeit gesteckt wird, zahlt sich mit hoher gesellschaftlicher Rendite aus."
Im Mittelpunkt aller Bildungsarbeit muss die Förderung eines jeden Schülers stehen, individuelle Lern- und Leistungserfolge müssen entsprechend anerkannt und gewürdigt werden. Wenzel: "Heranwachsende brauchen Schulen, die sie stark machen und ihnen das Gefühl vermitteln, wertvoll und wichtig zu sein." Er verlangte erneut den Ausbau rhythmisierter Ganztagsschulen, mehr Schulpsychologen und Schulsozialarbeit, eine längere gemeinsame Schulzeit für alle Kinder und Ausbildungsplätze für jeden jungen Menschen. "Alle Schülerinnen und Schüler müssen die Schule mit Qualifikationen verlassen, die eine solide Berufsausbildung ermöglichen." Finanzmittel der Bundesagentur für Arbeit und der Bayerischen Staatsregierung müssen künftig den Betrieben zugute kommen, die ausbilden wollen. Die Gelder müssen in konkrete Ausbildungsverhältnisse investiert werden, anstatt in sog. "Warteschleifen", in die junge Menschen ohne Ausbildungsplatz "geparkt" werden. "Das verlängert lediglich ihre Ausbildungszeit und verursacht hohe zusätzliche Kosten."
Außerdem muss die politische Bildung an allen Schulen im Rahmen der Präventionsarbeit gestärkt werden. Dabei müssen sich die Pädagogen auf die Unterstützung der Politiker und der Medien verlassen können.
"Rechtsradikalismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus sind nicht zu tolerieren", stellte Wenzel klar. "Allerdings dürfen rechtsextremistisch orientierte Jugendliche nicht einfach ignoriert und sich selbst überlassen werden. Wir müssen im Sinne der Demokratieförderung den Kontakt suchen und attraktive Angebote zum Ausstieg machen. Nötig sind lokale Gesamtstrategien, um adäquat vor Ort arbeiten zu können."
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