Schulentwicklung heißt auch Schulstrukturentwicklung

Im Ruhrgebiet ebenso wie im Rhein-, Sauer- oder Münsterland – in den Kommunen wird nach zukunftsfähigen Schulstrukturen gesucht. Während die Landesregierung diese Diskussion nach wie vor zum Tabu erklärt und sich hinter den mit ihrem Regierungsantritt hochgezogenen Mauern verschanzt, werden in den Kommunen pädagogische Konzepte mit den entsprechenden schulstrukturellen Wünschen vorgelegt.

18.05.2009 Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung e.V. (VBE)

"Wir alle wissen, dass man zwar Themen zu Tabus erklären, diese aber damit nicht aus den Köpfen vertreiben kann", sagte dazu der VBE-Vorsitzende Udo Beckmann bei einer Fachtagung vor etwa 200 Teilnehmern aus den Kommunen und der Landespolitik. "Für viele gesellschaftliche Gruppen ist die Schulstrukturfrage längst kein Tabu mehr."

Um dem steigenden Druck aus den Kommunen Herr werden zu können, genehmigt die Landesregierung zunehmend problemlos die Einrichtung von Verbundschulen. Das ist ein erster Schritt, es reicht aber noch nicht aus. In Essen, Ascheberg oder Schalksmühle sitzen Initiativen in den Startlöchern, um Modelle erproben zu können, die das Schulgesetz nicht vorsieht. Hier geht es nie um bloße Strukturveränderungen, sondern immer um Schulstrukturentwicklung als wichtiger Teil der Schulentwicklung.

"Das Schulsystem wackelt an allen Ecken", so Beckmann. "Die Hauptschulen brechen weg, weil die Eltern diese Schulform nicht mehr akzeptieren. Das Gymnasium ist von der früheren Schule der Minderheit zur Schule der Mehrheit geworden. Der veränderte Elternwille und die demografische Entwicklung gehen Hand in Hand bei einem Prozess, den man so beschreiben könnte: das System hat sich vom Kopf auf die Füße gestellt."

Gäste aus Schleswig-Holstein, Sachsen und Hamburg beschrieben die Entwicklung in ihren Bundesländern. In Schleswig-Holstein werden mit Beginn des kommenden Schuljahrs 96 Gemeinschaftsschulen arbeiten, die im Verlauf von etwa drei Jahren eingerichtet worden sind und auf Antrag der Schulträger entstehen. In Hamburg setzt die rot-grüne Regierung auf ein zwei Wege-Modell aus Statteilschule und Gymnasium, die beide zum Abitur führen. In Sachsen können Gemeinschaftsschulen im Schulversuch eingerichtet werden.

Beckmann: "Auch in NRW fordern immer mehr gesellschaftliche Gruppen schulstrukturelle Veränderungen. Die Landesregierung muss sich allmählich fragen lassen, für wen sie eigentlich Politik machen will."


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