Schulsenatorin stellt Rahmenkonzept für Bildungsoffensive vor

Die Senatorin für Schule und Berufsbildung Christa Goetsch hat heute das "Rahmenkonzept für die Primarschule, Stadtteilschule und das sechsstufige Gymnasium" vorgestellt.

02.02.2009 Hamburg Pressemeldung Behörde für Schule und Berufsbildung (BSB)

Darin finden sich ausführliche Informationen zu den Rahmenbedingungen der neuen Schulformen. Goetsch: "Das Konzept dient den Schulen und den Eltern als Orientierung, wie die drei Schulformen zukünftig ausgestaltet werden. Damit haben wir den nächsten Baustein für die konkrete Umsetzung der Bildungsoffensive erarbeitet."

Zentrale Aspekte, die im Rahmenkonzept festgeschrieben werden, sind die neuen Formen der Leistungsbewertung, die Regelung für den Übergang nach Klasse 6 in die weiterführenden Schulen und das Anmeldeverfahren. Zudem legt das Rahmenkonzept die Charakteristika der drei Schulformen und die Ausgestaltung des Unterrichts fest.

Die wichtigsten Neuerungen im Überblick:

Neue Lernkultur: Entscheidend für ein Gelingen der Schulreform wird eine bessere Qualität des Unterrichts sein – mit dem Leistungsstarke genauso wie langsamere Lerner oder das "Mittelfeld" individuell gefördert werden. Zukünftig führen alle Schulen konsequent individualisierenden Unterricht ein, die Schülerinnen und Schüler lernen in Zukunft sehr viel selbstständiger als bisher. Die einzelnen Schulen gestalten ihre Profile und Angebote nach den Bedürfnissen ihrer Standorte. Selbstverantwortung und Gestaltungsmöglichkeiten werden weiter ausgebaut.

Neue Formen der Leistungsrückmeldung: Zukünftig erfahren die Schülerinnen und Schüler sehr viel genauer, wie ihr Leistungsstand ist. Deshalb sollen neue Formen der Leistungsrückmeldung verbindlich eingeführt werden. Dazu gehören zum Beispiel zwei Gespräche im Schuljahr zwischen Eltern, Lehrern und Schülern, um gemeinsam festzulegen, welche Ziele auf welchem Wege erreicht werden sollen. Die Bewertungen sollen sich stärker an der individuellen Entwicklung der Kinder sowie den Standards orientieren, die für die Vergabe von Abschlüssen entscheidend sind. Auch die Eltern werden stärker einbezogen.

Brücken bauen – Übergänge meistern: Der Einstieg in die Schule aus der Kita wird flexibler. So soll es zwei Einschulungstermine im Jahr geben. Empfohlen wird ein jahrgangsübergreifendes Lernen in den Stufen 0 (Vorschule) bis 3. Beim Übergang auf weiterführende Schulen wird es ein umfassendes Diagnoseverfahren geben – mit dem anhand objektiver Kriterien bessere und fairere Prognosen über den Bildungserfolg erreicht werden. In den Klassen 7 bis 10 soll es künftig keine Schulformwechsel mehr geben. Anstelle von Klassenwiederholungen treten an allen Schulen individuelle Fördermaßnahmen und "Lerncoachings".

Zukunftsweisendes Angebot an allen Schulformen:

Primarschule: Früher fördern, später trennen

Die Primarschule bietet ein längeres gemeinsames Lernen und ist weit mehr als die Verlängerung der Grundschulzeit um zwei Jahre. Sie verbindet die erfolgreiche Grundschulpädagogik mit der Fachlichkeit der weiterführenden Schulen bereits ab der vierten Klasse. Damit profitieren mehr Kinder – unabhängig von ihrer sozialen und ethnischen Herkunft – von einem hochwertigen Bildungsangebot. Dies schafft bessere Chancen für den erfolgreichen Besuch weiterführender Schulen und ist außerdem ein Gebot der Gerechtigkeit. Nach dem Prinzip "Kurze Beine – kurze Wege" können die Eltern weiterhin ihre Kinder an einer wohnortnahen Schule ihres Anmeldeverbundes anmelden.

Stadtteilschule: Mehr und höhere Abschlüsse

Die Stadtteilschule bietet einen Weg zu allen Schulabschlüssen bis zum Abitur nach 13 Jahren. Diese Schulform ermöglicht gleichermaßen leitungsstärkeren und leitungsschwächern Schülerinnen und Schülern eine entsprechende Bildungslaufbahn – von frühzeitigen berufspraktischen Erfahrungen bis hin zu wissenschaftlichen Angeboten. Mit individuellen Förderkonzepten werden Klassenwiederholungen vermieden. Einer der Schwerpunkte der Stadtteilschule liegt im praxisnahen Lernen, z.B. an außerschulischen Lernorten in Betrieben oder Einrichtungen im Stadtteil. Ab der 8. Klasse findet eine intensive Begleitung der Schülerinnen und Schüler statt, um den Übergang in Beruf oder in die gymnasiale Oberstufe gezielt vorzubereiten. Wie schon bei Gesamtschulen ist die Oberstufe der Stadteilschule eine "gymnasiale Oberstufe" und endet mit dem Zentralabitur.

Gymnasium: Abitur nach sechs Jahren

Das Gymnasium bietet leistungsstarken Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, nach sechs Jahren das Abitur zu erreichen. Gymnasien bereichern zukünftig ihren allgemeinbildenden Anspruch durch besondere Profile. Verstärkt werden Klassen von Lehrerteams unterrichtet und begleitet. Verbindliche Angebote zur Berufs- und Studienorientierung sind Teil der Lerncurricula. Wie in der Stadtteilschule werden Klassenwiederholungen vermieden. Am Ende der Oberstufe schreiben die Schülerinnen und Schüler auch in Zukunft ein Zentralabitur.

Goetsch: "Mit den drei Schulformen wird unser Schulsystem übersichtlicher und profilierter. Hamburg geht so mit einem weitgehenden und modernen Bildungskonzept voran." Der nächste Schritt der Bildungsoffensive wird ein Vorschlag zur Novellierung des Schulgesetzes sein, den die Behörde für Schule und Berufsbildung im März vorlegen wird. Als nächster Meilenstein stehen Mitte Mai die Empfehlungen der Regionalen Schulkonferenzen an. Sie werden eine Entscheidungsgrundlage für die Standortplanung in den 22 Hamburger Bildungsregionen sein, für die die Schulbehörde noch vor der Sommerpause einen Entwurf vorlegen wird.

Das "Rahmenkonzept für die Primarschule, Stadtteilschule und das sechsstufige Gymnasium" steht ab sofort zum Herunterladen unter www.bsb.hamburg.de/schulreform bereit. Zudem stellt die Behörde für Schule und Berufsbildung die wichtigsten Punkte des umfangreichen Rahmenkonzeptes in einer Informationsbroschüre zusammen. Diese ist ab Mitte Februar in allen allgemeinbildenden Schulen und im Internet erhältlich. Sie kann zudem bei der Hotline Schuloffensive unter Tel. 040/428 99 77 33 oder bei per Mail unter vorbestellt werden.


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