Schulstart 2004

(bikl) Während die einen schon auf der Schulbank schwitzen, genießen die anderen noch das schöne Wetter im Schwimmbad oder am See. Allerdings nicht mehr lang, denn auch in den letzten Bundesländern gehen die Sommerferien zu Ende: In Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Bayern beginnt in diesen Tagen wieder der viel beschworene Ernst des Lebens.

06.09.2004 Artikel

Den lernen bundesweit zum ersten Mal gut 800 000 Kinder kennen. So viele ABC-Schützen, I-Männchen oder wie immer man sie nennt, werden in diesem Jahr in Deutschland eingeschult.

Anders als noch die Generationen vor ihnen lernen nun auch alle Grundschulkinder schon eine Fremdsprache. In der Regel ab Klasse drei, aber in etlichen Bundesländern begrüßen sich bereits die Erstklässler mit Bon jour oder Hello.

Außerdem endet vielerorts der Unterricht nicht mehr um 12 oder 13 Uhr. Angeschoben durch die Ganztagsinitiative der Bundesregierung wurden in allen Bundesländern Ganztagsangebote ausgebaut oder eingerichtet.

Um die Sicherheit der Erstklässler auf dem Schulweg sorgen sich neben Eltern Bildungspolitikern und Automobilverbänden nun auch Autohersteller. Sie versorgen die Schulanfänger mit Sicherheitsmützen und Infomaterial. Ernährungsexperten empfehlen gesunde Pausenbrote und Kultusminister starten Ernährungsinitiativen oder entwickeln Qualitäts-Standards für schulische Essensangebote. Und weil Trinkverbot in den Schulstunden nachgewiesenermaßen der Konzentration schadet, soll endlich mit einer deutschen Schultradition gebrochen werden. Die Abkehr von einer anderen Schultugend fordern Experten schon lange, alllerdings ohne Erfolg: Die Schule sollte grundsätzlich später beginnen, um das Lernen zu fördern.

Was der Nachwuchs nun tatsächlich gelernt hat, wollen alle Bundesländer wissen. Vergleichsarbeiten gehören unterdessen zum Standardprogramm.

Auch die alten Hasen unter den Schülern (also alle, die das erste Schuljahr bereits hinter sich haben) müssen sich in beinahe jedem Bundesland auf Neuerungen einstellen. In Niedersachsen wurde die Orientierungsstufe abgeschafft. Die Entscheidung für weiterführende Schule fällt also auch hier bereits nach der vierten Klasse. Abiturienten in Brandenburg und Hamburg müssen sich im nächsten Jahr erstmals im Zentralabitur bewähren und in Hessen und Nordrhein Westfalen geht´s nun auch im Sauseschritt zum Abitur, nämlich in 12 Schuljahren. Einzig in Rheinland-Pfalz dauert die Schulzeit bis zum Reifezeugnis noch grundsätzlich 13 Jahre.

Dass Schule teuer ist, wissen alle Eltern. Mindestens 230 Euro, so haben die Österreicher ausgerechnet, kostet die Grundausstattung. Und günstiger wird es im Lauf der Schulzeit kaum: Ganztagsschule, Arbeitshefte, Kopien oder Klassenfahrten belasten das private Budget. Niedersächsische Eltern dürfen in Sachen Schule jetzt noch tiefer in die Tasche greifen. Hier ist die Lehrmittelfreiheit ab sofort Schnee von gestern.

Ohnehin tun Eltern schon viel für den Erfolg des Nachwuchses: Knapp 20 Millionen Euro wandern Woche für Woche aus den familiären Portemonnaies in die Taschen privater Nachhilfelehrer. Kein Wunder, dass Eltern auch nach preiswerteren und dennoch effizienten Lernhilfen suchen: Lernprogramme für den Computer, in denen der gesamte Lehrstoff eines Faches für mindestens ein Schuljahr steckt oder gedruckte Lernhilfen, die von den Schulbuchverlagen für beinahe alle Fächer und Klassen angeboten werden. Mit alten und neuen Medien können sich die Schüler fit machen für den schulischen Alltag.

Und hier bleibt - trotz vieler Neuerungen - in einem Punkt alles wie gehabt: Beim Sitzenbleiben. Trotz heftiger Diskussionen und dringender Empfehlungen im Nachgang zu PISA kann das deutsche Schulsystem auf diese Tradition wohl nicht verzichten.

Weiterführende Links

Ganztagsschulen/
Trinken im Unterricht
Gesunde Ernährung


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