Hamburg

Senator Ties Rabe will Hamburgs Stadtteilschulen stärken

Schulsenator Ties Rabe will die Hamburger Stadtteilschulen stärken. Eine Arbeitsgruppe der Schulbehörde erarbeitet jetzt Vorschläge für die Weiterentwicklung. Ties Rabe: "Mit der vierjährigen Grundschule und den beiden weiterführenden Schulformen Stadtteilschule und Gymnasium hat Hamburg ein klares, gut organisiertes und leistungsfähiges Schulsystem. Die 2010 neu eingeführte Stadtteilschule als jüngste Schulform verdient dabei besondere Aufmerksamkeit. Nach einem überzeugenden Start geht es jetzt darum, die mit der Stadtteilschule verbundenen großen Chancen auszubauen und bekannt zu machen. Stadtteilschulen bieten allen Schülerinnen und Schülern alle Schulabschlüsse bis hin zum Abitur nach 13 Schuljahren. Das bedeutet mehr Zeit, mehr Unterricht und mehr Chancen auf einen guten Schulabschluss."

10.12.2012 Pressemeldung Behörde für Schule, Familie und Berufsbildung (BSFB)

Derzeit besuchen rund 54.800 Schülerinnen und Schüler die 57 Stadtteilschulen, rund 50.000 die 61 Gymnasien. Bis zum Abitur bietet die Stadtteilschule neun Schuljahre mit 283 Unterrichtswochenstunden, das Gymnasium acht Schuljahre mit 265 Stunden. Im Hamburger Schulfrieden haben SPD, CDU, Grüne und Linke für Stadtteilschulen kleinere Klassen (23 Schüler in Klasse 5 und 25 in Klasse 7) sowie eine höhere Personalausstattung als am Gymnasium vereinbart.

Mehr Chancen für Schüler durch mehr Lernzeit, mehr Unterricht, mehr Lehrer und kleinere Klassen

Ties Rabe: "Viele Stadtteilschulen haben hervorragende Angebote entwickelt und sind zu den größten Hamburger Schulen aufgestiegen. Diese Erfolgsrezepte wollen wir weiterentwickeln. Stadtteilschulen bieten allen Schülerinnen und Schülern mehr Lernzeit, mehr Unterricht und kleinere Klassen. Damit wollen wir die Stadtteilschule in u.a. in folgenden Bereichen profilieren:

  1. Leistung fordern und fördern - bessere Chancen auf gute Schulabschlüsse
  2. Nachhaltiges Lernen ohne Überforderung und Lernstress
  3. Soziales Lernen mit "Blick über den Tellerrand"

Der von der Schulbehörde eingesetzten Arbeitsgruppe unter der Leitung der leitenden Schulaufsicht Elisabeth Rüssmann gehören Schulaufsichten und Behördenmitarbeiter verschiedener Referate an, aber auch Schulleiter, die ihre fachlichen Kompetenzen aus der schulischen Praxis einbringen. Sie arbeitet in enger Zusammenarbeit mit Senator Ties Rabe, Staatsrat Dr. Michael Voges, Senatsdirektor Norbert Rosenboom und dem Geschäftsführer des Hamburger Instituts für Berufliche Bildung (HIBB), Rainer Schulz.

Im Bereich "Leistung fordern und fördern" geht es unter anderem um Ausbau und Profilierung der Oberstufen an den Stadtteilschulen. Zusätzlich wird Klasse 11 als Brücke zwischen Mittel- und Oberstufe entwickelt und inhaltlich genauer bestimmt werden. Ein weiterer Schwerpunkt sind nachhaltige Unterrichts- und Lernkonzepte, vor allem in Verbindung mit Ganztagsangeboten. So wird beispielsweise geprüft, ob und wie Förderangebote und Unterrichtsstunden verbessert und im Umfang erweitert werden können. Auch die Entwicklung von Unterrichtskonzepten für Kinder aller Begabungen - von hochbegabten bis sonderpädagogisch förderbedürftigen Kindern – gehört zum Aufgabenkatalog.

Die längere Schul- und Lernzeit im Zusammenhang mit den Ganztagsangeboten bietet auch die Möglichkeit zum Lernen "mit Blick über den Tellerrand", beispielsweise durch eine intensive Berufs- und Studienorientierung. So wird für alle Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe 1 eine verpflichtende, umfangreiche Berufs- und Studienorientierung entwickelt. Bereits jetzt sind dafür 28 Berufsschullehrerinnen und –lehrer an Stadtteilschulen eingesetzt, weitere 55 werden folgen. Darüber hinaus werden die Vernetzung der Schulen mit kulturellen und sozialen Angeboten in den Stadtteilen sowie die musikalischen Angebote gefördert.

Die Arbeitsgruppe will zudem Wege erörtern, wie die Eltern bei der Schulwahl besser beraten und so die Anzahl der Schulabbrecher an den Gymnasien verringert werden kann. Für Stadtteilschulen mit besonderen Herausforderungen – beispielsweise Fusionsschulen mit mehreren Standorten oder Schulen mit einem schwierigen sozialen Umfeld – werden besondere Unterstützungsmaßnahmen geprüft. Dazu zählt auch, Art und Umfang der Personalrekrutierung und -zuweisung zu prüfen.

Die Arbeitsgruppe will bis Mai 2013 fortlaufend konkrete Maßnahmen zu den unterschiedlichen Aufgabengebieten entwickeln, die dann zügig und zeitnah umgesetzt werden.

Stadtteilschulen in Hamburg - Fakten und Daten:

Im Schuljahr 2012 gibt es 57 Stadtteilschulen, davon zwei mit einer Dependance (Goethe-Schule Harburg – Dependance Maretstraße, Heinrich-Herz-Schule - Dependance Humboldtstraße). Die Stadtteilschule Meiendorf wurde erst 2012 gegründet, die Stadtteilschule Rissen ist seit 2012 erstmals eigenständige Stadtteilschule (vorher Dependance der Stadtteilschule Blankenese). Stadtteilschulen haben in der Planung des Schulentwicklungsplans durchschnittlich 5,2 Parallelklassen in Klasse 5-10 (Gymnasien: 4 Parallelklassen). 41 der 57 Stadtteilschulen haben zurzeit Ganztagsangebote. 46 verfügen im Schuljahr 2012/13 über eine eigene Oberstufe, im Schuljahr 2009/2010 waren es nur 23 Schulen.

Rund 46 Prozent der Schülerinnen und Schüler wählten im Schuljahr 2012/13 den Übergang in die fünften Klassen der Stadtteilschule, 53 Prozent entschieden sich für das Gymnasium. Wegen der Rückläufer aus den Gymnasien kehrt sich das Zahlenverhältnis in Klasse 7 auf voraussichtlich 53 Prozent Stadtteilschule und 47 Prozent Gymnasium um.

Um die Stadtteilschule als Schule für leistungsstärkere Schüler zu etablieren, wurde bereits im Schuljahr 2011/12 der in der Grundschule eingesetzte Einschätzungsbogen zur weiteren Schullaufbahn geändert. Leistungsstarke Schüler erhalten künftig nicht nur eine Empfehlung für das Gymnasium, sondern immer auch eine Empfehlung für die Stadtteilschule.

Für Sanierung und Ausbau der Hamburger Stadtteilschulen stellt die Behörde laut Entwurf des Rahmenplans Schulbau 2013-2019 insgesamt 650 Millionen Euro zur Verfügung.


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