"Starke Schule" - Horst Köhler zeichnet Sieger aus

(redaktion/ots) Bundespräsident Horst Köhler hat heute in Schloss Bellevue die Auszeichnungen in Deutschlands größtem Schulwettbewerb "Starke Schule. Deutschlands beste Schulen, die zur Ausbildungsreife führen" überreicht. Den ersten Preis als "Starke Schule" nahm die Kooperative Gesamtschule Neustadt am Rübenberge (bei Hannover) entgegen. Der zweite Platz ging an die Hauptschule Coerde aus Münster, Nordrhein-Westfalen. Drittplatzierte Schule ist die Fritz-Walter-Schule aus Kaiserslautern, Rheinland-Pfalz. Bundespräsident Horst Köhler würdigte das herausragende Engagement der Schulen für ihre Schüler.

05.05.2009 Artikel

Ausgeschrieben und finanziert wird der mit Preisgeldern in Höhe von rund 220.000 Euro dotierte Wettbewerb von der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung, der Bundesagentur für Arbeit, der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände und der Deutsche Bank Stiftung. Rund 600 Schulen hatten sich an dem Wettbewerb beteiligt. Als ehemaliger Hauptschulpreis wird der Preis seit 1999 alle zwei Jahre vom Bundespräsidenten verliehen. Eine 30-köpfige Jury mit Vertretern aus Schule, Wirtschaft, Politik und Wissenschaft ermittelte zunächst bis zu drei Preisträger pro Bundesland. Aus dem Kreis der 16 Landessieger wurden die drei Bundessieger sowie die Ränge vier bis zehn ermittelt. Im Mittelpunkt der Bewertung standen - unter Berücksichtigung der individuellen Situation der Schule - die Förderung der Berufsorientierung und der Ausbildungsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler. Unter anderem wurden die Vermittlungs- und die Abschlussquoten der Schulen erhoben.

"Die prämierten Schulen bieten ihren Schülerinnen und Schülern eine optimale Vorbereitung auf ein selbstbestimmtes Leben und ein selbst erwirtschaftetes Berufsleben. Die Schulen arbeiten intensiv mit vielen externen Institutionen und Unternehmen zusammen und bereiten ihre Schüler systematisch auf den Übergang in den Beruf vor - oftmals bereits ab dem 5. Schuljahr", so Dr. Michael Endres, Vorstandsvorsitzender der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung.

Der erste Preis geht mit 15.000 Euro an die Kooperative Gesamtschule Neustadt am Rübenberge. Die Ganztagsschule zeichnet sich durch ein differenziertes Konzept der Berufsorientierung aus. Laudator Dr. Frank-J. Weise, Vorstandsvorsitzender der Bundesagentur für Arbeit, hob besonders den wegweisenden Schulversuch "Doppelqualifikation für Hauptschüler" hervor: Seit 2004 bildet die KGS Neustadt die Schüler ihres Hauptschulzweigs gemeinsam mit der Berufsbildenden Schule Neustadt aus. Über den allgemeinbildenden Unterricht hinaus erhalten die Schüler des 9. und 10. Jahrgangs an zwei Tagen pro Woche Unterricht in einem selbst gewählten Berufsfeld. Nach ihrem Abschluss erhalten sie Zeugnisse beider Schulen, in denen die Anteile der beruflichen Qualifikation aufgeführt sind. Durch den parallelen Besuch beider Schulen und das "anwendungsrelevante" Lernen ist die Lernmotivation der Schüler erheblich angestiegen und die Vermittlungsquote in ein Ausbildungsverhältnis hat sich seit 2004 von durchschnittlich 14 auf nahezu 70 Prozent erhöht. Bemerkenswert ist auch die von allen Lehrkräften praktizierte "Politik des Hinschauens", die durch klare Regeln und die Nutzung von Streitschlichterkonzepten begleitet wird. Das Schulmanagement hat einen hohen Qualitätsentwicklungsanspruch; eine enge Einbindung von Eltern und Schülern sorgt für eine starke Identifikation mit der Schule.

Den mit 10.000 Euro dotierten zweiten Preis erhält die Hauptschule Coerde in Münster. Als Laudator gratulierte der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, Dr. Dieter Hundt, der Schule, die, obwohl sie in einem schwierigen sozialen Umfeld liegt, große Erfolge erzielt. Die Schülerinnen und Schüler werden im Rahmen eines professionellen Schul- und Unterrichtsentwicklungskonzeptes sowohl im fachlichen als auch im sozialen Lernen individuell begleitet und gefördert. In regelmäßigen Beratungsgesprächen der Klassenleitungen mit den Eltern und den Schülern werden Zielvereinbarungen zum Arbeits- und Sozialverhalten sowie individuelle Fördermaßnahmen vereinbart. Praxisworkshops, Projekttage, die Schülerfirma "Kiosk", Langzeitpraktika in Klasse 10 oder die Berufsvorbereitungsklasse sind Bausteine, die die Schüler systematisch auf den Übergang ins Berufsleben vorbereiten.

Mit dem dritten Preis und 5.000 Euro wird die Fritz-Walter-Schule in Kaiserslautern (Förderschule) ausgezeichnet. Der Laudator Dr. Tessen von Heydebreck, Vorstandsvorsitzender der Deutsche Bank Stiftung, lobte die Ganztagsschule mit dem Förderschwerpunkt Lernen als Lern-, Spiel- und Lebensraum. Die Lehrer fördern jeden Schüler individuell nach seiner Leistungsfähigkeit. Alle Schüler profitieren von intensiven Sozialtrainings, bei denen soziale Kompetenzen und Schlüsselqualifikationen nachhaltig vermittelt werden. Auch die Praxisorientierung der Fritz-Walter-Schule ist vorbildlich. Durch die Mitarbeit in Schülerfirmen - unter anderem einer Catering- und einer Malerfirma - bekommen die Schüler einen guten Einblick in die Berufswelt. Ab dem neunten Jahrgang werden besondere Arbeitsklassen gebildet. Zu deren Unterrichtscurriculum gehören wöchentliche Praxistage an der Schule sowie im Arbeits- und Sozialpädagogischen Zentrum Kaiserslautern.

Die Bewerbungen werden zur Zeit durch das Zentrum für Bildungs- und Hochschulforschung an der Universität Mainz wissenschaftlich ausgewertet. Erste Ergebnisse zeigen, dass vor allem Ganztagsschulen bei der individuellen Förderung ihrer Schüler besonders erfolgreich sind. Um die Schulen noch stärker in ihrer Arbeit zu unterstützen, wurde der Wettbewerb "Starke Schule" um ein Netzwerk erweitert, das den teilnehmenden Schulen auch Fortbildungen, Sommercamps und eine Förderung besonders innovativer Konzepte bietet.


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