Über 100 zusätzliche Stellen mit Schwerpunkt "Erziehungshilfe" in den nächsten drei Jahren

Es ist zwar nicht die "Super-Nanny" für den Unterricht, aber eine richtungsweisende Entscheidung für die Stärkung der Erziehung: Hessens Schulen erhalten mehr personelle Unterstützung im Umgang mit verhaltensauffälligen Schülerinnen und Schülern. Kultusministerin Karin Wolff stellt in den nächsten drei Jahren 105 zusätzliche Stellen für Beratungslehrerinnen und -lehrer mit dem Schwerpunkt "Erziehungshilfe" für den allgemein bildenden und beruflichen Bereich zur Verfügung.

28.11.2005 Hessen Pressemeldung Hessisches Ministerium für Kultus, Bildung und Chancen

"Es geht darum, Kindern und Jugendlichen mit Verhaltensschwierigkeiten gezielt zu helfen und sie wieder in den Schulalltag zu integrieren", erklärte die Ministerin. Dies diene letztlich auch der Qualitätssicherung von Unterricht und Schule. Schon das aggressive oder destruktive Verhalten eines einzelnen Schülers könne ausreichen, um den Unterricht massiv zu stören. "Da kann eine noch so kleine Klasse nicht für ein förderliches Lernklima sorgen, wenn so ein Störenfried alle verrückt macht", sagte Wolff.

Häufig seien diese Kinder und Jugendlichen in ihrer sozialen und emotionalen Entwicklung stark beeinträchtigt. "Wenn herkömmliche pädagogische Methoden nicht mehr ausreichen, brauchen die Lehrerinnen und Lehrer bei ihrer Erziehungsarbeit professionelle Unterstützung", erläuterte die Ministerin. Die speziell ausgebildeten und geschulten Förderschulpädagogen können von den Schulen über die sonderpädagogischen Beratungs- und Förderzentren vor Ort oder über entsprechend ausgestattete Schulen für Erziehungshilfe angefordert werden. Die Beratungslehrkräfte knüpfen an die bereits vorhandene Erziehungsarbeit der Schulen an. Gemeinsam mit den Lehrerinnen und Lehrern sowie den Eltern entwerfen sie einen Handlungsplan mit klaren Regeln zur Stärkung der erzieherischen Verantwortung. Dabei stehen sie auch in engem Kontakt mit Jugendhilfe und Polizei.

"Mit den zusätzlichen Stellen tragen wir dem stärker werdenden Bedarf an Fördermaßnahmen im Bereich der Erziehungshilfe Rechnung", erklärte Wolff. Angesichts der angespannten Haushaltslage bedeute dies eine besondere Kraftanstrengung für die Landesregierung. Ab dem nächsten Schuljahr werden zunächst 35 neue Lehrerstellen für Erziehungshilfe zur Verfügung stehen, in den beiden Folgejahren werden nochmals 70 Stellen hinzukommen. Bereits bestehende Unterstützungssysteme hätten gezeigt, dass sich die Zahl der auffälligen Schülerinnen und Schüler durch gezielte Initiativen deutlich verringern ließe. 98 sonderpädagogischen Beratungs- und Förderzentren in Hessen, die in der Regel über zwei Lehrerstellen verfügen, unterstützen derzeit neben Kindern und Jugendlichen mit Lern- und Sprachschwierigkeiten auch verhaltensauffällige Schüler. Die Schulen nehmen ihre erzieherische Verantwortung ebenfalls bewusst wahr und arbeiten zum Beispiel im Rahmen von Erziehungsvereinbarungen, Projekten zur Konfliktbewältigung oder der Schulsozialarbeit eng mit Eltern und der Jugendhilfe zusammen.


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