UN-Konvention schafft Unsicherheit bei Eltern behinderter Kinder

Die Ratifizierung der UN-Konvention über die Rechte behinderter Menschen lässt in der Diskussion über das deutsche bzw. bayerische Schulsystem nun eine Möglichkeit weniger offen: Dass ein inklusives Schulsystem kommen muss und dass Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf ab sofort nicht mehr separiert werden dürfen, ist nun amtlich. Dies erspart so mancher Gruppierung von Integrationsvorkämpfern eine mühsame Diskussion mit Eltern von nicht behinderten Kindern, die fürchten, dass durch die Gegenwart behinderter Kinder ihr eigener Nachwuchs in seiner Bildungslaufbahn gebremst werde.

06.02.2009 Bayern Pressemeldung Bayerischer Elternverband

Allerdings verläuft die Diskussion auch unter den Eltern der betroffenen Kinder über das, was nun besser sei, durchaus kontrovers. Neben den Befürwortern gibt es auch eine Anzahl von Eltern, die befürchten, dass eine künftige "Zwangsinklusion" zum Sparmodell würde, bei dem ihre Kinder zu "Beistellkindern" degradiert und deutlich schlechter gefördert würden als im jetzigen System. Henrike Paede, Leiterin des Sachgebiets Förderschule im Bayerischen Elternverband, hält diese Sorgen für berechtigt. "Die Verwirklichung eines erfolgreichen inklusiven Schulkonzepts steht und fällt mit der sonderpädagogischen Kompetenz. Sonderpädagogen, Heilpädagogen, Therapeuten und andere heilpädagogisch geschulte Kräften müssen von vorneherein eingebunden sein. Sonst haben unsere Kinder nur Nachteile aus ihren jetzt gestärkten Rechten!"

Der Bayerische Elternverband e. V., der die Forderung nach einer Schule für alle Kinder vertritt, hält die derzeitige Form von schulischer Integration in Bayern für kaum geeignet als Modell für eine künftige gemeinsame Beschulung aller Kinder. "Die inklusive Schule muss so gestaltet sein, dass jedes Kind, sei es behindert oder hochbegabt, die Förderung bekommt, die es zur Entwicklung seiner sämtlichen Fähigkeiten braucht!", sagt die stellvertretende Vorsitzende Ulrike Stautner. Dass dies ein völlig verändertes Verständnis von Schule erfordere als das derzeitige, in dem mit festen Lehrplänen und Zeitvorgaben gearbeitet würde, verstehe sich von selbst.


Der BEV ist gemeinnützig und an keine Konfession, politische Partei oder Schulart gebunden.


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