VBE: Ist das Millionenpaket der Landesregierung für die Hauptschulen die rettende Notoperation oder die "letzte Ölung"?
Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg anerkennt das Bemühen der Landesregierung, mit dem jetzt geschnürten, mehrere Millionen schweren Paket den in die Schlagzeilen geratenen Hauptschulen helfen zu wollen, ist sich jedoch noch nicht sicher, ob dies lediglich "die allerletzte Ölung" sein wird oder wirklich zum - zumindest vorläufigen - Erhalt der viel und gern geschmähten Schulart beiträgt.
27.06.2007 Baden-Württemberg Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband Baden-WürttembergDer VBE-Landesvorstand, der in Pforzheim tagte, verabschiedete eine dreiseitige Stellungnahme zur Zukunft der Schulen mit dem Tenor, mehrere Optionen offen zu halten: sei es die Verlängerung der gemeinsamen Grundschulzeit für alle Schüler, sei es die Einrichtung sogenannter "regionalen Schulen" oder gar die einer "Gemeinschaftsschule" unter Einbeziehung aller Schularten. Einig war man sich, dass es wenig Sinn habe, nur eine Schulart isoliert zu "behandeln".
Das Programm der Landesregierung sei zwar auf der einen Seite vom Ringen um eine pragmatische tragbare Lösung getragen, zum anderen aber auch vom eisernen Willen zum Sparen beeinflusst – trotz des relativ großen Budgets.
Deshalb ruft die geplante Verpflichtung von "Assistenzlehrern" ein zweigeteiltes Echo im Verband hervor. Jeder Lehrer schätze sich glücklich, so VBE-Chef Rudolf Karg, wenn er durch zusätzliche personelle Ressourcen Entlastung im Schulalltag erfahre. Es könne jedoch nicht sein, dass die Landesregierung 5000 fertig ausgebildete Pädagogen auf der Straße stehen lasse, um dann nur wenig später einige durch die Hintertür in den Schuldienst zu lassen, und zwar zu deutlich schlechteren Bedingungen. "Wer Bildung billig macht, schadet der Qualität der Schule", so der VBE-Vorsitzende. Die Verbandsvertreter unterstrichen noch einmal ihren Unmut über die nach unten korrigierten Schülerzahlen, die für die Lehrereinstellung eine maßgebliche Bedeutung haben. Es wäre blamabel, so Rudolf Karg, wenn der Werbespruch Baden-Württembergs demnächst umgeschrieben werden müsste in: "Wir können alles – außer rechnen..." Dass der Klassenteiler nicht, wie vorgesehen, abgesenkt worden ist, ruft bei allen betroffenen Pädagogen besondere Bitterkeit hervor. "Wer behauptet, dass es gleichgültig sei, ob man 33 oder 22 unruhige, verhaltenskreative Schüler unterrichtet, ist wohl selbst noch nie vor einer großen Klasse gestanden", entrüstet sich Rudolf Karg.
Keine Kommentare vorhanden