VBE-Vorsitzende Gitta Franke-Zöllmer zur Hauptschuldebatte: "Die Regierungsparteien können sich nicht länger zieren!"
Mit großer Aufmerksamkeit verfolgt die Lehrerschaft an den Sekundar-Schulformen die heutige Debatte zur Zukunft der Hauptschulen und der kleinen Realschulen im ländlichen Raum. Nach Auffassung der VBE-Vorsitzenden Gitta Franke-Zöllmer können die Regierungsparteien die strukturelle Neuordnung im Hinblick auf ein alle Abschlüsse anbietendes gemeinsames Schulangebot in der Sekundarstufe I (Klassen 5-9/10) neben dem G8 (Gymnasium Kl. 5-12) nicht länger aussitzen.
17.09.2008 Niedersachsen Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband NiedersachsenNachdem mit großem Elternzuspruch das Münstersche Offizialat in der Oldenburger Landschaft für seine Konkordatsschulen (HS und RS in kath. Trägerschaft) das neue Konzept einer "schulformübergreifenden Ganztagsschule" (s.VBE-Zeitschrift zeitnah 1/2/3-08, S. 14) in die Wege geleitet hat (Vechta, Cloppenburg, Oldenburg und Wilhelmshaven), regt sich nun auch der Schulreformwille bei den CDU-geführten Nachbargemeinden in Bakum, Holdorf, Neuenkirchen und weiteren Samtgemeinden zum Erhalt kleiner, attraktiver Schulstandorte in der Region. Anstoß dazu haben laut Oldenburger Volkszeitung u.a. die CDU-Politiker Prof. Dr. Hans-Peter Meyer (MdEP) und Dr. Stephan Siemer (MdL) sowie die Lohner und Bakumer Bürgermeister Hans Georg Niesel und Hans Lehmann gegeben, die dazu Kultusministerin Heister-Neumann Mitte Juli zu Expertengesprächen eingeladen hatten. Einen kleinen Schritt in Richtung einer gemeinsamen Sekundarschulzeit von Haupt- und Realschülern konnte dabei die Bakumer Johannesschule als Erfolg verbuchen.
Der Wunsch von Bürgermeister Hans Lehmann und Schulleiter Werner Völker, aus der Johannesschule eine neue ´profilierte Regionalschule` zu machen, kann nicht erfüllt werden. Der Antrag werde abgelehnt, sagte die Ministerin, denn dies würde einen neuen Schulversuch bedeuten: "Das geht nicht."
Dem Anliegen selbst, die Johannesschule als Haupt- und Realschule zu erhalten und damit die Bakumer Schüler ab Klasse fünf auch weiter in der Gemeinde zu beschulen, ohne sogenannte Kombiklassen anbieten zu müssen, wolle man aber gerecht werden. Heister-Neumann: "Die gute Botschaft ist, wir werden bestimmte Erlasse lockern und so Einschränkungen des gemeinsamen Unterrichts von Real- und Hauptschülern außer Kraft setzten." (OV v 16.07.2008).
Die von der Kultusministerin angekündigten regionalen Bildungskonferenzen, die bis Herbst 2009 Antworten auf umfassende Bildungsangebote in den ländlichen Regionen finden sollen, sind nach Auffassung des VBE eigentlich überflüssig, wenn sich die CDU-geführte Landesregierung in Niedersachsen an den schulpolitischen Strukturentscheidungen der CDU-regierten Nachbarländer orientieren würde (z.B. HH, S-H, S-A, Thüringen). Dort ist die "profilierte Regionalschule" neben dem Gymnasium unter unterschiedlichen Bezeichnungen längst etabliert.
Die Ausganglage für Niedersachsen ist nach Auffassung des VBE komfortabel. Schon jetzt arbeiten über 200 HS und RS im Verbund organisatorisch mehr oder weniger zusammen. Jetzt muss eine strukturelle Konzeption her, die sowohl den Übergang in die berufliche- und gymnasiale Oberstufe attraktiver gestaltet als auch die Schulabgängerquote ohne Abschluss senkt. Positive Erfahrungen aus den Nachbarländern liegen vor.
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