"Wie sage ich es den Eltern?"
(Eigenbericht / ja) Schlechte Noten oder auffälliges Verhalten der Kinder - wenn Lehrer das Gespräch mit Eltern suchen, laufen sie schnell gegen Barrieren. Eltern fühlen sich in die Defensive gedrängt, zu Unrecht angegriffen und in ihrer Kompetenz beschnitten. Obwohl es tatsächlich nur um eines geht: Dem Kind zu helfen. Doch Lehrer können lernen, den richtigen Ton und die passende Strategie zu finden. Susanne Döbler-Eschbach ist Lehrerin und psychologische Beraterin in Köln. Sie schult Pädagogen für das professionelle Elterngespräch.
30.07.2004 ArtikelWie wichtig sind Lehrer-Eltern-Gespräche?
Döbler-Eschbach: Gespräche zwischen Eltern und Lehrern sind die Basis einer vertrauensvollen Zusammenarbeit zwischen Elternhaus und Schule. Eine konstruktive, fördernde Erziehungsarbeit setzt voraus, dass die Beteiligten sich gegenseitig informieren, beraten, miteinander planen und Entscheidungen fällen.
Wieso sind Gespräche mit Eltern so schwierig?
Döbler-Eschbach: Grundsätzlich müssen Gespräche zwischen Eltern und Lehrern nicht schwierig sein. Sie werden dann konfliktträchtig, wenn die Betei-ligten Gespräche z.B. nur dann suchen, wenn das Kind "etwas ausgefressen" hat, schlechte Noten bekommt oder sonst etwas zu beklagen ist. Dann laufen beide Seiten Gefahr, die Verantwortung bei der jeweils anderen zu suchen. Eine weitere Ursache liegt sicher in dem enormen Erfolgsdruck, unter dem Schule und Elternhaus heute Kinder erziehen. Verunsicherung über die "richti-ge" Schulbildung, Zukunftsängste aufgrund der hohen Arbeitslosenzahlen und der sich wandelnden Berufswelt oder strittige Diskussionen ausgelöst durch die PISA-Ergebnisse sind nur einige Faktoren, die die gelassene Zusammenarbeit zwischen Schule und Elternhaus stören können.
Was können Eltern von Pädagogen erwarten?
Döbler-Eschbach: Eltern sollten zunächst von Pädagogen erwarten können, dass sie die professionellen Erzieher ihrer Kinder sind. Engagement und Liebe zum Beruf gehören meines Erachtens zu der Arbeit mit Kindern dazu. In Finn-land gibt es einen Grundsatz in der Erziehungsarbeit, dem sich alle Lehrkräfte verschrieben haben: Kein Kind wird gedemütigt. Das wäre auch in Deutschland eine gute Basis für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Eltern, Lehrern und Schülern. Was können Eltern von Lehrern noch erwarten?
Einen Unterricht, in dem Kinder lernen, selbstständig zu entdecken, ihre Lernprozesse mit zu gestalten, in dem sie ihren Voraussetzungen gemäß gefordert und gefördert werden. Sie können erwarten, dass die Schule sich bemüht, allen Kindern einen freudvollen Ort des Lernens und des sich gegenseitig achtenden Miteinanders zu sein. Ich möchte hier aber auch noch hinzufügen, was Eltern nicht erwarten können: Sie können nicht erwarten, dass die Schule ihre Kinder allein erzieht, unterrichtet und auf das Leben vorbereitet. Wir erleben zur Zeit immer mehr Schüler, deren Eltern diesen Anspruch erheben. Hier kann Erziehung nicht gelingen.
Vorwürfe und Anschuldigungen: Wie kann man dem begegnen?
Döbler-Eschbach: Vorbeugen können beide Seiten, indem sie in ständigem Gesprächskontakt sind. Eltern und Lehrer tun sich einen großen Gefallen, wenn sie das Gespräch nicht nur in Krisen suchen. Gerade entspannte Situationen können dazu einladen, sich gegenseitig zu bestärken oder auch Anerkennung auszusprechen. Ist der Konflikt da, sollten Lehrer und Eltern sich bemühen, das Interesse des Kindes weiter zu verfolgen. In erster Linie muss hier der Profi, nämlich der Lehrer die Sachlichkeit und konstruktive Wendung herbeiführen. Hinter vielen Emotionen bei den Eltern steht doch meistens die Sorge um das Kind, die sie womöglich anfällig werden lässt, unsachliche Kritik zu äußern. Hier müssen Lehrer lernen, die Motive der Eltern zu verstehen und zu berück-sichtigen. In verfahrenen Situationen kann es notwendig werden, eine dritte Seite hinzu zu bitten, um durch eine Sicht von "außen" die Lösung zu finden.
Susanne Döbler-Eschbach ist Lehrerin und psychologische Beraterin in Köln und Referentin der Cornelsen Akademie. Sie führt seit Jahren Personal-Coachings durch und leitet Seminare für Führungskräfte unterschiedlicher Sparten. Durch langjährige Unterrichtserfahrung und Moderatorentätigkeit in der Lehrerfortbildung ist sie mit den steigenden Anforderungen, die an Pädagogen gestellt werden vertraut. Das nächste Seminar "Wie sag´ ich es den Eltern? Das professionelle Elterngespräch" der Cornelsen Akademie findet am 27. November 2004 in Mannheim statt
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