19 modernisierte und 4 neu geschaffene Ausbildungsberufe treten zum neuen Schuljahr in Kraft

Mit vier neuen und einer Vielzahl modernisierter Ausbildungsberufe beginnt für viele Berufsschüler und Berufsschülerinnen das neue Schuljahr. Mit modernen Berufen werden wichtige Voraussetzungen für die internationale Konkurrenzfähigkeit deutscher Fachkräfte geschaffen.

12.08.2005 Pressemeldung Sekretariat der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder

  • Neue Ausbildungsberufe
    Änderungsschneider/Änderungsschneiderin
    Fachkraft für Agrarservice
    Servicefahrer/Servicefahrerin
    Kaufmann/Kauffrau für Tourismus und Freizeit

  • Modernisierte Ausbildungsberufe
    Baustoffprüfer/Baustoffprüferin
    Binnenschiffer/Binnenschifferin
    Chemielaborant/Chemielaborantin
    Fachkraft für Kurier-, Express- und Postdienstleistung
    Kaufmann/Kauffrau für Kurier-, Express- und Postdienstleistung
    Fleischer/Fleischerin
    Industriekeramiker/Industriekeramikerin
    - Anlagentechnik
    - Dekorationstechnik
    - Modelltechnik
    - Verfahrenstechnik
    Oberflächenbeschichter/die Oberflächenbeschichterin
    Papiertechnologe/Papiertechnologin
    Polster- und Dekorationsnäher/Polster- und Dekorationsnäherin
    Produktionsmechaniker/Produktionsmechanikerin Textil
    Produktveredler/Produktveredlerin Textil
    Produktionsfachkraft Chemie
    Reiseverkehrskaufmann/Reiseverkehrskauffrau
    Sattler/Sattlerinnen
    Tierwirt

Besonders der Dienstleistungsbereich profitiert von den neuen und modernisierten Berufen. In dem zweijährigen Ausbildungsberuf Servicefahrer/Servicefahrerin bestimmen umfangreiche Serviceleistungen das Berufsprofil. Das Warten und Pflegen von Geräten, Ergänzen von Warenbeständen, Austauschen von Produkten oder Verkaufen von Waren gehören ebenso zum Aufgabengebiet dieses Berufes wie das Ausliefern und Abholen von Waren. Handwerkliches Geschick und kaufmännische Grundkenntnisse sind wesentlicher Bestandteil für den Erfolg in diesem Beruf.

Zwei bislang weitgehend im Bereich der Postdienstleistung angesiedelte Ausbildungsberufe wurden nun den neuen Wettbewerbsbedingungen angepasst. Es sind dies die Ausbildungsberufe Fachkraft für Kurier-, Express- und Postdienstleistung (zweijährig) bzw. Kaufleute für Kurier-, Express- und Postdienstleistung (dreijährig).

Kaufleute für Tourismus und Freizeit erstellen und vermarkten touristische und freizeitwirtschaftliche Produkte in Tourismusorganisationen, lokalen und regionalen Tourismusstellen, Freizeit- und Ferienparks, Campingplätzen, Marinas, touristisch orientierten Verkehrsunternehmen sowie in Unternehmen und Organisationen des Gesundheits- und Wellnesstourismus. In diesem neuen Beruf sind ein hohes Maß an Kommunikationsfähigkeit sowie ein Gefühl für Trends in der Tourismus- und Freizeitbranche ein unbedingtes Muss. Eine ebenfalls große Rolle spielen Kenntnisse in den Bereichen allgemeine Verwaltung, Veranstaltungsorganisation, Marketing und Vertrieb sowie Personal- und Rechnungswesen.

Arbeitsgebiete der Reiseverkehrskaufleute sind Reisebüros, Geschäftsreiseservice und Reiseveranstalter. Medienkompetenz, die vertiefte Anwendung von Fremdsprachen und der Bereich Beförderung haben an Bedeutung gewonnen.

Praktisches handwerkliches Geschick ist für den Beruf des Änderungsschneiders/der Änderungsschneiderin erforderlich. In zwei Jahren lernen die Auszubildenden, wie auf Kundenwunsch Kleidungsstücke geändert und repariert werden. Fähigkeiten im Umgang mit Maschinen, deren Pflege und Wartung sowie Kenntnisse im Bereich der Qualitätssicherung kommen jedoch auch nicht zu kurz. Die Ausbildung kann anschließend im Ausbildungsberuf Maßschneiderin/Maßschneider im dritten Ausbildungsjahr fortgesetzt werden.

Im landwirtschaftlichen Bereich werden an die Fachkräfte für Agrarservice hohe Anforderungen an technisches Know-how gestellt. Aufgrund struktureller Veränderungen in der Landwirtschaft bieten Unternehmen zunehmend ein breites Spektrum an Dienstleistungen in Bezug auf die Durchführung aller Arbeiten des Pflanzenbaus für landwirtschaftliche Betriebe an. Dem Einsatz von Agrartechnik kommt dabei besondere Bedeutung zu. Aber auch die Planung agrartechnischer Arbeitsprozesse und Aspekte der Landschaftspflege haben in diesem neuen Beruf einen hohen Stellenwert. Auch der traditionelle Ausbildungsberuf Tierwirt/Tierwirtin wurde neu gefasst, ebenfalls angepasst an die Strukturveränderungen in der Landwirtschaft.

In der Papierbranche haben technologische Entwicklungen und organisatorische Veränderungen im Arbeitsprozess zu einem Überarbeitungsbedarf geführt. Das Einrichten, Steuern und Regeln von Maschinen und Anlagen prägen nunmehr das Berufsbild des Papiertechnologen/der Papiertechnologin. Manuelle Fertigkeiten und Kenntnisse treten eher in den Hintergrund.

Ähnliches gilt für den Oberflächenbeschichter/die Oberflächenbeschichterin (ehemals Galvaniseur/in). Zwar hat es in diesem Ausbildungsberuf eher geringfügige inhaltliche Änderungen gegeben, diese sind jedoch verbunden mit neu entwickelten Technologien. So wurde der Bereich Oberflächentechnologie zusätzlich um den Aspekt der Feuerverzinkung erweitert. Oberflächenbeschichter/Oberflächenbeschichterinnen erzeugen mit Hilfe unterschiedlicher Materialien und Verfahren dekorative oder funktionelle Schichten. Mechanische, chemische, elektronische und physikalische Kenntnisse spielen in diesem Beruf eine große Rolle.

In der Textilbranche wurde die Berufevielfalt gestrafft. Produktionsmechaniker/Produktionsmechanikerinnen Textil decken ein breite Reihe von technischen Arbeiten ab und ersetzen so sechs bisherige, hoch differenzierte Berufe. Das Einsatzgebiet liegt überwiegend in den klassischen Produktionsbereichen der Textilwirtschaft, wie z.B. in Webereien, Spinnereien, Stickereien und Flechtereien. Aber auch in der Automobilindustrie, dem Umweltschutz, der Luft- und Raumfahrttechnik oder der Medizin- und Geotechnik finden sich Produktionsmechaniker Textil. Immer höhere Anforderungen werden auch an Komfort, Funktion und zusätzliche Eigenschaften von Bekleidung gestellt. Produktveredler/Produktveredlerinnen Textil finden in diesen Bereichen eine moderne und zukunftsorientierte Ausbildung.

Im Handwerk angesiedelt sind die Sattler/Sattlerinnen. Sie arbeiten überwiegend in Werkstätten von Handwerks- und Industriebetrieben und stellen Gebrauchsgegenstände in den Bereichen Fahrzeug, Sport und Feintäschnerei aus Leder, Kunststoff, Schwergewebe und Textilien her. Ähnliches gilt für den zweijährigen Ausbildungsberuf Polster- und Dekorationsnäher/Polster- und Dekorationsnäherin, bei dem die Anrechnung auf den dreijährigen Beruf des Raumausstatters und Polsterers möglich ist. Ausgebildet wird in erster Linie in Betrieben des Raumausstatterhandwerks oder der Polstermöbelindustrie, aber auch in Innendekorationsabteilungen von Warenhäusern.

Auch bei der Neuordnung der Binnenschiffer/Binnenschifferinnen, die den Transport von Gütern und die Beförderung von Personen auf europäischen Wasserstraßen, Binnenseen und Häfen durchführen, sind neue technische Errungenschaften berücksichtigt worden. Dies gilt auch für die vier überarbeiteten Berufe in der Keramischen Industrie, die Industriekeramiker/in Anlagentechnik, Dekorationstechnik, Modelltechnik und Verfahrenstechnik sowie für den Baustoffprüfer/die Baustoffprüferin und den zweijährigen Ausbildungsberuf Produktionsfachkraft Chemie (bislang Chemiejungwerker/Chemiejungwerkerin) und die Änderung des Rahmenlehrplans für den dreijährigen Ausbildungsberuf Chemielaborant/Chemielaborantin.

Bei der Ausbildung der Fleischer und Fleischerinnen werden veränderte Kundenerwartungen berücksichtigt. So spielen auch Aspekte wie das Herstellen küchenfertiger Gerichte und das Angebot von Veranstaltungsservice bei der Ausbildung eine zunehmend wichtigere Rolle.


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