Empfehlungen

Deutschland braucht breite Qualifizierungsoffensive 

Das Hightech-Forum hat heute Empfehlungen für die Bundesregierung veröffentlicht, wie das deutsche Aus- und Weiterbildungssystem modernisiert werden sollte, um mehr Chancengerechtigkeit und Teilhabe am Innovationsgeschehen zu ermöglichen.

15.07.2020 Bundesweit Pressemeldung Hightech-Forum
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Immer kürzere Wissenszyklen sowie neue technologische und gesellschaftliche Entwicklungen erfordern, dass kontinuierliches Lernen für alle zum Normalzustand wird. Das Papier stellt fest, dass es bereits ein erhebliches Gefälle bei wichtigen Zukunftskompetenzen gibt und die Qualifizierungsschere über die Lebensdauer weiter auseinandergeht – mit großen gesellschaftlichen Konsequenzen.

Ein Schwerpunkt der Beratungen war die Frage, wie Zukunftskompetenzen frühzeitig erkannt und in der Breite vermittelt werden können. Eine Kernempfehlung ist die Gleichstellung der Digitalkompetenzen mit den Grundkompetenzen Lesen, Schreiben und Rechnen. Daher spricht sich das Gremium unter anderem für eine allgemeine digitale Lernmittelfreiheit in der Ausbildung und eine umfassende Förderung der digitalen Lehrkompetenzen in allen Bildungsbereichen aus.

Das Hightech-Forum attestiert der deutschen Arbeits- und Lernkultur insgesamt eine unzureichende Ausrichtung auf lebenslanges Lernen. Der Grundstein für den notwendigen Kulturwandel muss bereits in der Erstausbildung gelegt werden. Wichtige Signale könnten von einem individuellem Recht auf Weiterbildung ausgehen. In der Erwachsenenbildung müssten mehr zielgruppenorientierte Beratungen und Anreizsysteme geboten werden. Vorgeschlagen werden ein individuelles Weiterbildungsbudget, die Gewährung von Rentenpunkten und der Ausbau der bereits genutzten Prüfungsprämien.

Dr. Marion Jung, Geschäftsführerin der ChromoTek GmbH und Sprecherin des Thementeams „Innovation und Qualifikation“ im Hightech-Forum, betont: „Gut ausgebildete Menschen können besser mit Veränderungen und Unsicherheiten umgehen. Sie machen unsere Unternehmen innovativ und fit für den globalen Wettbewerb. Wenn der Strukturwandel zu mehr und nachhaltiger Innovation in der Gesellschaft und Wirtschaft gelingen soll, muss das deutsche Aus- und Weiterbildungssystem so modernisiert werden, dass es alle Menschen mitnimmt und auf lebenslanges Lernen vorbereitet.“ 

Die Empfehlungen des Hightech-Forums werden am 28. Oktober 2020 in der Runde der Staatssekretärinnen und Staatssekretäre aller Bundesressorts zur Hightech-Strategie 2025 vorgestellt. Das Hightech-Forum lädt ausdrücklich zur Kommentierung des Impulspapiers ein.

Federführende Autorinnen und Autoren des Impulspapiers sind die Hightech-Forum-Mitglieder Prof. Dr.-Ing. Holger Hanselka, Präsident des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT), Prof. Dr. Anke Hassel, Professorin für Public Policy an der Hertie School of Governance, Dr. Marion Jung, Geschäftsführerin der ChromoTek GmbH, Prof. Dr. Manfred Prenzel, Professor für Empirische Bildungsforschung mit Bezug zur LehrerInnenbildung an der Universität Wien, Frank Riemensperger, Vorsitzender der Geschäftsführung von Accenture DACH und Prof. Dr. Birgitta Wolff, Präsidentin der Goethe-Universität Frankfurt am Main.

Über das Hightech-Forum

Das Hightech-Forum ist das zentrale Beratungsgremium der Bundesregierung zur Umsetzung der Hightech-Strategie 2025. Seine Aufgabe ist es, die Forschungspolitik der Bundesregierung mit konkreten Umsetzungs- und Handlungsempfehlungen zu begleiten. Es veröffentlicht fortlaufend Impulspapiere zu den Schwerpunktthemen 3,5-Prozent-Ziel, Offene Wissenschaft und Innovation, Soziale Innovationen, Agilität des Innovationssystems, Innovation und Qualifikation, Nachhaltigkeit im Innovationssystem, Zukunft der Wertschöpfung sowie Biologie und Digitalisierung.

Das Hightech-Forum setzt sich aus 21 Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft zusammen. Den Vorsitz teilen sich Christian Luft, Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung, und Prof. Reimund Neugebauer, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft. Das Hightech-Forum tagt drei bis vier Mal pro Jahr. Der Beratungsauftrag ist zeitlich an die aktuelle Legislaturperiode gekoppelt. 

Über die Hightech-Strategie

Die Hightech-Strategie 2025 bündelt die Förderung der Bundesregierung zu Forschung und Innovation. Ihr Ziel ist es, spürbare Fortschritte in der Lebensqualität aller Bürgerinnen und Bürger zu erreichen: etwa im Kampf gegen Krebs, gegen Plastikmüll in der Umwelt oder für nachhaltiges Wirtschaften in Kreisläufen. Sie soll eine Vielzahl von Akteuren ermutigen, den Fortschritt aktiv mitzugestalten. 

Ansprechpartner

Hightech-Forum

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