Medienkompetenz

Digital lernen, aber wie?

Wie können Ausbilderinnen und Ausbilder den Ansprüchen an digitales Lernen und Arbeiten gerecht werden? Ausbildungsexpertin Gabriele Weingärtner gibt Antworten auf drängende Fragen. Von Gabriele Weingärtner

05.08.2024 Bundesweit Artikel Bildungspraxis
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Die Herausforderung

Ernst Meier und Lea Vollmer sind Ausbildende in einem mittelständischen Gastronomiebetrieb für Großküchen. Sie bilden deutschlandweit Köche und Köchinnen aus. Beide haben vor Kurzem ihre Ausbilder-Eignungsprüfung (IHK) mit Erfolg abgelegt. Im Vorbereitungskurs haben sie über die Standardberufsbildpositionen gesprochen, die sie beide nun bewusst in die betriebliche Ausbildung integrieren möchten.

„Wir würden gerne mehr mit digitalen Medien in der betrieblichen Ausbildung arbeiten. Wir wünschen uns, dass wir uns im virtuellen Raum mit unseren Ausbildungsbeauftragten und den Auszubildenden treffen. Wir sind aber unsicher, ob wir dort auch den betriebsinternen Unterricht so gut abbilden können wie in Präsenz. Und kann man ein Feedbackgespräch virtuell durchführen? Welche digitalen Tools könnten wir den Auszubildenden zur Lernunterstützung anbieten? Wir verlieren gerade den Überblick und fühlen uns unsicher. Was können wir tun?"

Gabriele Weingärtner ist Trainerin und Coach und leitet die AusbilderAkademie GmbH.

„Mit diesen Fragen beschäftigen sich zur Zeit alle Ausbilderinnen und Ausbilder. Spätestens seit der Coronapandemie ist Digitalisierung für die betriebliche Ausbildung zum zentralen Thema geworden. Häufig wurden während der Pandemie improvisierte und zeitlich begrenzte Lösungen gesucht und ausprobiert, jetzt geht es darum, digital unterstützte Prozesse dauerhaft in den Ausbildungsalltag einzubinden.

Hier in Kürze meine Antworten

  • Ja, man kann mobiles Ausbilden und Lernen in die betriebliche Ausbildung integrieren.
  • Sie können problemlos den betriebsinternen Unterricht in das digitale Lernumfeld legen – ohne Qualitätsverlust.
  • Sie können hervorragend individuelle Gespräche mit den Auszubildenden in digitaler Form führen, Sie können aber auch zeitversetztes, also asynchrones Feedback geben.
  • Es gibt viele einfache Tools, die das digitale Ausbilden und Lernen spielerisch ergänzen.
  • Mit geeigneten digitalen Tools können Sie hervorragend das selbstgesteuerte Lernen gestalten.

Schauen wir kurz über Ihren Betrieb hinaus

Das Bundesinstitut für berufliche Bildung BIBB hat mit seiner Empfehlung vom Juli 2023 zum mobilen Ausbilden und Lernen klar formuliert: Mobiles Arbeiten und Lernen könnte eine gute und sinnvolle Ergänzung in der Ausbildung sein, unter bestimmten Voraussetzungen:

  • Für Auszubildende und Ausbilder/-innen sollte die erforderliche technische Ausstattung zur Verfügung stehen.
  • Die technische betriebliche Infrastruktur muss gegeben sein, ebenso wie die Beachtung der Vorschriften zum Datenschutz und zur Datensicherheit.
  • Auch beim Mobilen Ausbilden und Lernen muss die individuelle Begleitung der Auszubildenden durch das Ausbildungspersonal gewährleistet sein.
  • Ausbilderinnen und Ausbilder agieren immer als Lernprozessbegleiter, die eine handlungs- und prozessorientierte Ausbildung gestalten.
  • Mobiles Ausbilden und Lernen muss didaktisch durchdacht sein.
  • Ausbilderinnen und Ausbilder müssen selbst über IT- und Medienkompetenzen, rechtliche Kenntnisse sowie digitale Kollaborationskompetenz verfügen.

Zudem wird in allen Ausbildungsberufen seit August 2022 die integrative Vermittlung der Standardberufsbildpositionen gefordert. Dazu gehört auch der Bereich „Digitalisierte Arbeitswelt“. Das heißt für Ausbilderinnen und Ausbilder in der Praxis:

  • Eine digitale Ausbildungswelt im Unternehmen zu schaffen, geht nicht alleine. Sie brauchen die Unterstützung Ihrer Geschäftsführung mit einem klaren Votum für die Digitalisierung und Sie brauchen ein passendes Budget.
  • Rüsten Sie alle beteiligten Akteure – also sowohl Auszubildende als auch Ausbildungsbegleiter und Ausbilder – mit der notwendigen Technik aus, also einem Laptop mit Kamera oder auch einem Handy oder Tablet. Je nach Ausbildungsberuf können auch VR-Brillen oder weitere Hilfsmittel sinnvoll sein.
  • Entscheiden Sie sich für ein für das Unternehmen passendes digitales Ausbildungsmanagementsystem, auf das alle Beteiligten rund um die Uhr Zugriff haben. Zudem ist ein kollaboratives Tool für den Austausch sinnvoll, idealerweise ergänzt durch ein Lernmanagementsystem. Hier gibt es zahlreiche professionelle Anbieter, die Sie bei der Auswahl und der Implementierung unterstützen.
  • Qualifizieren Sie sich selbst weiter, denn Medienkompetenz ist das A und O im digitalen Zeitalter.

Für die eigene Qualifizierung eignet sich zum Beispiel das Portal Leando des BIBB. Es gibt dort ein breites Angebot an Webinaren, Workshops und Seminaren. Das MIKA-Weiterbildungsangebot - MIKA steht für Medien- und IT-Kompetenz des Ausbildungspersonals - könnte eine passende Qualifizierung sein. In diesen Seminaren bauen Sie aktiv und spielerisch Ihre eigene Medienkompetenz aus, probieren zahlreiche digitale Tools aus, erkunden die rechtlichen Rahmenbedingungen, testen digitale Feedbacksysteme und erproben alle Tools aktiv in Ihrem betriebsinternen Unterricht. Zudem gibt es ein Austauschforum für Ausbilderinnen und Ausbilder mit Best-PracticeBeispielen der Community.

Mein Tipp an Sie: Gehen Sie in kleinen Schritten zusammen mit guten Bildungspartnern an das Thema heran. Seien Sie neugierig und probieren Sie vieles aus – und binden Sie Ihre Auszubildenden ein. Denn bei den Auszubildenden ist oft große Aufgeschlossenheit für dieses Thema da.“

Dieser Beitrag wurde zuerst veröffentlicht in: BILDUNGSPRAXIS – didacta Magazin für berufliche Bildung, Ausgabe 2/2024, S. 12-13, www.bildungspraxis.de


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