Duale Ausbildung im Umbruch: Erfolgreicher Jahreskongress in Stuttgart

Wie sieht die Berufsbildung von morgen aus? Beim ausgebuchten Jahreskongress Berufliche Bildung 2024 am 9./10. Dezember entwarfen Ausbilder:innen, berufliche Schulen und Azubis gemeinsam mit prominenten Speakern zukunftsweisende Visionen.

18.12.2024 Bundesweit Pressemeldung Klett MEX GmbH
  • © Pauline Bonnke für Klett MEX Volles Haus bei der Eröffnung des jakobb 2024 in den Räumen der IHK Region Stuttgart.

„Alle Jahre wieder“, so die Schirmherrin Theresa Schopper, Ministerin für Kultus, Jugend und Sport des Landes Baden-Württemberg, reist Anfang Dezember das „Who's who der beruflichen Bildung“ aus allen Teilen Deutschlands nach Stuttgart, um beim Jahreskongresses Berufliche Bildung (jakobb) über die Zukunft der Dualen Ausbildung und Erfolgsgeschichten aus Betrieben und Schulen zu diskutieren. Nach der Premiere im Jahr 2015 hat sich der Praxiskongress zur dualen Ausbildung inzwischen als feste Größe im Terminkalender von Ausbilder:innen, Schulleitungen, Lehrkräften, Schulträgern und Mitgestaltern der deutschen beruflichen Bildung etabliert. Auch in diesem Jahr lockte der Kongress über 400 Bildungsakteure in die schwäbische Metropole. 

Gemeinsame Marschrichtung bei der beruflichen Orientierung – auch in Sachen KI

Zum Auftakt verwies die Kultusministerin mit Blick auf das diesjährige Kongressmotto „Zusammen wachsen – zusammen wirken: Routenplanung zur zukunftsfähigen Berufsausbildung“ auf die Projekte, mit denen ihr Ministerium in Kooperation mit anderen Akteuren junge Menschen bereits dabei unterstützt, ihren Talenten und Neigungen entsprechende qualifizierte Entscheidungen zu treffen und ihnen berufliche Perspektiven aufzuzeigen. „Über den Beruf entwickelt man eine gewisse Identität für sich“, so Theresa Schopper, „und legt nicht nur das Fundament für sein persönliches Auskommen. Wir sichern mit gut ausgebildeten jungen Menschen auch den wirtschaftlichen Erfolg unseres Landes.“ Daher sei es wichtig, den Bereich der beruflichen Orientierung noch weiter auszubauen und gemeinschaftlich als „gute Ratgeber“ zusammenzuarbeiten. 

Dass bei diesem Prozess die Themen Digitalisierung und Künstliche Intelligenz eine zentrale Rolle spielen, steht auch für die Kultusministerin außer Frage. Mit der anschließenden Keynote von Celine Joergens, KMU Lead bei Microsoft, zu „Digitalem Optimismus“ gab es sogleich Antworten auf die Frage, wie neue Technologien Arbeitgebern konkret dabei helfen können, eine zukunftsfähige Unternehmenskultur zu etablieren und so dem Fachkräftemangel zu begegnen. Künstliche Intelligenz sollte im beruflichen Kontext vor allem als Chance verstanden werden, so die New-Work-Expertin, etwa um die Mitarbeitererfahrung zu bereichern, Kundenbindung neu zu erfinden oder Geschäftsprozesse effizienter zu gestalten. Ihr Appell an das Kongresspublikum: „Fokussieren Sie sich beim KI-Upskilling nicht nur auf die jüngeren Generationen! Auch Arbeitgeber, Führungskräfte oder Lehrkräfte müssen sich fit machen in Sachen KI und als Vorbild für die künftigen Generationen wirken.“

© Pauline Bonnke für Klett MEX Was macht ein gutes Vorbild in der beruflichen Ausbildung aus? Eine Paneldiskussion lieferte Antworten

Neue Rollenbilder in Handwerk und Industrie

Eine solche Vorreiterrolle einzunehmen und zukunftsfähige Ausbildungskonzepte umzusetzen, sei keinesfalls nur DAX-40-Konzernen vorbehalten, erklärte Christoph Kunz, Global Head of Vocational Education and Training bei Siemens Energy, auf dem anschließenden Panel zur „Berufsausbildung in 2030“. „Jeder hat die Möglichkeit, eine gute Ausbildung zu machen“, so seine Erfahrung, die auch aus Besuchen in kleineren und mittelständischen Ausbildungsbetrieben resultiert. Reichlich Zustimmung zu dieser These gab es nicht nur in den zahlreichen Workshops und Vorträgen des ersten Kongresstages, sondern auch aus dem Publikum.

Intensiv diskutiert wurde die Frage, was ein gutes Vorbild in der beruflichen Ausbildung ausmacht, in der Podiumsrunde zu neuen Rollenbildern in Handwerk und Industrie. Als Vertreterin einer neuen Generation von Ausbilder:innen saß hier die Steinmetz- und Steinbildhauermeisterin Luisa Lüttig mit auf dem Podium. Sie versteht sich als „Botschafterin für das Handwerk“ und setzt sich dafür ein, jungen Menschen die Leidenschaft für Handwerksberufe zu vermitteln, indem sie auf ihrem Instagram-Kanal „stein_fluencerin“ ihre Follower:innen in den Arbeitsalltag einer Steinmetzin mitnimmt. Bewusst provokant formulierte sie daher auch ihre Forderungen: „Junge Handwerker:innen müssen mehr Chancen bekommen, in die Schulen zu gehen und dort den Wert des Handwerks zu vermitteln. Und es liegt an den Schulen und den Eltern, jungen Menschen zu zeigen, dass eine Ausbildung als mindestens gleichwertig anzusehen ist wie ein Studium.“ 

Einig war sich die Podiumsrunde darüber, dass eine Ausbildung in der heutigen Zeit „auf Augenhöhe“ erfolgen sollte und dass soziale Kompetenzen von Ausbilder:innen mindestens ebenso wichtig sind wie fachliche Kompetenzen.

Zustimmung zu diesen Aussagen kam vom ehemaligen Bundesligatorwart Timo Hildebrand. Er war als prominenter Interview-Gast zum jakobb eingeladen worden, um von seinen Erfahrungen als Unternehmer und Arbeitgeber zu berichten. Nach seinem Abschied vom Profisport hat Hildebrand im Jahr 2021 das vegane Restaurant vhy! in Stuttgart eröffnet. Im Hinblick auf die Erfahrungen, die er selbst in der Jugend als Auszubildender und auch im Profifußball gemacht hat, stellt er fest: „Die Unternehmenskultur ist inzwischen eine komplett andere. Ein patriarchalischer Führungsstil funktioniert heute nicht mehr und die Hierarchien sind viel flacher“. Daher versteht er sich selbst auch nicht als Chef in seinem eigenen Unternehmen, sondern bringt seine Kompetenzen ins Team ein und definiert sich in erster Linie als Netzwerker.

Rüstzeug für die Anforderungen der Arbeitswelt von morgen

© Pauline Bonnke für Klett MEX Mirko Drotschmann alias „MrWissen2Go“ erklärte die Beliebtheit von YouTube & Co. bei jungen Menschen.

Mit Mirko Drotschmann, auch bekannt als ‚MrWissen2Go‘, bereicherte ein weiterer prominenter Speaker das Programm des jakobb. Der Journalist, YouTuber und Webvideo-Produzent zeigte in seiner Keynote am Nachmittag des ersten Kongresstags anschaulich auf, warum digitales Lernen auf Kanälen wie YouTube bei jungen Menschen boomt und wie es funktioniert. Seine Empfehlung für Lehrkräfte an beruflichen Schulen lautete, Video-Content gezielt in den Unterricht einzubinden – beispielsweise, indem die Inhalte zusammen mit den Schüler:innen analysiert werden und man so zugleich die Sensibilität für Manipulation und Fake News fördere oder indem man gemeinsam eigenen Video-Content produziert.

Mit dieser Empfehlung gelang Drotschmann die perfekte Überleitung zum zweiten Kongresstag, an dem das Kongresspublikum in geführten Exkursionen innovative Lehr- und Ausbildungskonzepte von Unternehmen und Schulen im Stuttgarter Umland kennenlernen konnte. Neben der Gebr. Heller Maschinenfabrik GmbH, dem Mercedes-Benz Ausbildungszentrum, dem Aus- und Weiterbildungszentrum der Netze BW GmbH und dem Ausbildungsstandort Esslingen von Festo wurden dabei auch die Gewerbliche Schule für Holztechnik Stuttgart und die John-F.-Kennedy Schule in Esslingen besucht. Letztere verfügt über ein sogenanntes „digitales Büro“, in dem Schüler:innen Werbefilme und vieles mehr erstellen können, um sich optimal für die digitalen Anforderungen der Arbeitswelt zu rüsten.

Alle Informationen zum Kongress findet man auf der Website jakobb.de

Über Klett MEX

Die Klett MEX GmbH ist ein Unternehmen der Klett Gruppe. Das Leistungsspektrum der Stuttgarter Full-Service-Agentur umfasst dabei die drei Kernfelder „Beraten“, „Entwickeln“ sowie „Vernetzen & Vermarkten“. Für Stiftungen, Ministerien, Unternehmen, Verbände, Hochschulen und NGOs setzt Klett MEX innovative Bildungsprojekte um. Zu wichtigen Bildungsthemen und -bereichen hat die Agentur eigene Marken aufgebaut und fungiert damit als Impulsgeber, Orientierungsstifter und Vernetzer.

Um den Neustart der beruflichen Bildung aktiv mitzugestalten, hatt Klett MEX im Jahr 2015 den  Jahreskongress Berufliche Bildung (jakobb) ins Leben gerufen. Das seitdem jährlich in Stuttgart stattfindende Praxis-Event, das neben dem Kongress auch eine begleitende Fachmesse umfasst, bringt die betrieblichen und die schulischen Seiten der dualen Ausbildung miteinander ins Gespräch. Veranstalter des jakobb sind die Klett MEX GmbH, der BLV BW und das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in enger Kooperation mit der IHK Region Stuttgart sowie dem Didacta Verband e. V.. Partner sind das Kultusministerium Baden-Württemberg und WorldSkills Germany e.V.

www.klett-mex.de

Ansprechpartner

Klett MEX GmbH
Anne Kaulfuß
Telefon: 0711 89462-247
E-Mail: a.kaulfuss@klett-mex.de
Web: http://www.klett-mex.de/


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