Duale Berufsbildung im Oman
(bikl.de/idw) Die Erdölreserven im Oman reichen nur noch rund 20 Jahre. Bis dahin will das Sultanat eine kräftige Industrie mit gut ausgebildeten Arbeitskräften aufbauen. Qualifiziert werden soll der Nachwuchs in einem dualen Berufsbildungssystem nach deutschem Vorbild. Für dessen Einführung hat der Oman ein Programm aufgelegt, das vom Institut Technik und Bildung (ITB) an der Universität Bremen wissenschaftlich begleitet wird.
13.11.2007 Bremen ArtikelAngesichts der abnehmenden Erdölreserven und der Aufbaupläne für die Industrie ist die Berufsbildung im Oman seit langem ein hoch gehandeltes, politisches Thema. Von den rund 2,4 Millionen Einwohnern des Sultanats Oman sind zirka 900 000 ausländischer Herkunft. Die Omanis stellen nur knapp ein Drittel der 1,1 Millionen Beschäftigten in ihrem Land. Das soll sich ändern. Omanische Arbeitskräfte sollen beruflich so qualifiziert werden, dass sie Schlüsselarbeitsplätze in der Industrie einnehmen können. Hier konzentriert sich die künftige Industrienation besonders auf den heimischen Nachwuchs: 55 Prozent der Omanis sind jünger als 25 Jahre alt. In ihnen liegt die Zukunft des Landes und sie sollen bestmöglich ausgebildet werden.
"Berufsbildungskonzept ist industriekonform"
"Das deutsche duale Berufsbildungssystem ist sehr qualitätsorientiert", erklärt Professor Dr. Georg Spöttl das grundsätzliche Interesse des Oman an einer Zusammenarbeit mit den deutschen Bildungsexperten. Seit vielen Jahren ist der ITB-Sprecher in Nah- und Fernost aktiv und kennt die Bedarfe. "Besonders mit unserem modernisierten Berufsbildungskonzept sind wir dort auf ein sehr großes Interesse gestoßen. Es ist industriekonform", sagt er. Von entscheidender Bedeutung seien dabei die arbeitsprozessbasierten Kompetenzstandards des neuen Systems. Das habe die Omanis letztlich überzeugt.
"Mit unserer Arbeit im Ausland stärken wir aber auch unsere künftigen Mitbewerber am Markt", gibt Spöttl zu bedenken. Er verstehe das jedoch als Herausforderung und als Ansporn zur Weiterentwicklung in Deutschland. Vorhaben wie diese böten die große Chance, das deutsche Berufsbildungssystem zu internationalisieren - es nicht zu zerlegen, sondern auszubauen, und die Qualitätsstandards stetig weiter zu verbessern. "Auch wir können in der Zusammenarbeit mit dem Oman sehr viel lernen."
Englisches Konzept scheiterte
In den 1990er Jahren hatte der Oman das englische Modulsystem zur beruflichen Bildung eingeführt, doch das Konzept scheiterte. Der Aufwand für die Organisation der zahllosen Module so war zu groß, um die Jugendlichen in der von der Industrie geforderten Qualität zu qualifizieren. Lösungen boten hier Bremer Wissenschaftler: Seit 2005 ist das ITB im Oman aktiv. Unter anderem mit seinen Studien konnte es die die Grundlagen zur Entscheidung für das deutsche Berufsbildungssystem schaffen und erste Schritt zur Einführung initiieren und begleiten.
Anfang 2007 entschied die omanische Regierung, das englische System wieder abzusetzen und das Konzept des deutschen, dualen Berufsbildungssystems zu übernehmen. Die Regierungen der BRD und des Oman schlossen einen Vertrag zum Ausbau des technischen Berufsbildungssystems im Oman nach deutschem Zuschnitt. Die bundeseigene Agentur Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) wurde mit dem Aufbau des Systems beauftragt, und das ITB als Hauptkontraktor mit der wissenschaftlichen Begleitung des Vorhabens.
Mehrere Gründe waren ausschlaggebend für federführende Einbindung des ITB. Zum einen gilt ITB-Sprecher Professor Dr. Georg Spöttl als ein exzellenter Kenner der Berufsbildungsszene in der arabischen Welt, und zum anderen überzeugte die Forschungsarbeit des Bremer Institutes. In den vergangenen Jahren hat das ITB hoch moderne Berufsbildungsansätze vor zur allem zur Qualifizieren von Fachkräften unterhalb der Ingenieur-Ebene entwickelt, die sich ausgezeichnet für aufstrebende Industrienationen eignen.
Lehrer werden fortgebildet
Inzwischen bewährt sich die Zusammenarbeit in dem großen Vorhaben und zeigt erste Ergebnisse: Ende September 2007 führte das ITB in Zusammenarbeit mit der GTZ und dem omanischen Arbeitsministerium in der Hauptstadt Muscat ein internationales Berufsbildungsforum mit Experten aus Deutschland, Australien und Kanada durch, um dem Ministerium gezielt Hilfestellung in der Ausgestaltung von Berufsbildungszentren und bei dem Aufbau einer Berufsbildungsinfrastruktur zu leisten. Und bald schon werden omanische Lehrer und Schulleiter über ein halbes Jahr in Muscat von insgesamt zwölf Experten aus dem ITB in wichtigen Themen der Berufsbildung fortgebildet. Im Januar 2008 stellt ein weiteres ITB-Team im Oman seine bis dahin erarbeiteten Sektorstudien zur weiteren Entwicklung der Berufsbildung vor, und bis Sommer 2008 erstellen ITB-Wissenschaftler gemeinsam mit den Omanis 60 Berufsbilder, in denen künftig ausgebildet werden soll.
Das Institut Technik und Bildung (ITB)
1986 gegründet, hat sich das Institut Technik und Bildung (ITB) der Universität Bremen mittlerweile zu einem der größten universitären Forschungsinstitute der Berufsbildung in Europa entwickelt. Die Forschungsarbeit des ITB widmet sich dabei der Berufsbildungsforschung unter der Leitidee der Gestaltung von Arbeit, Technik und Bildung. Zurzeit besteht das Institut aus sechs Abteilungen mit insgesamt mehr als 60 Mitarbeiterinnen
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