DIHK

Ein Jahr Paktverlängerung: Gute Bilanz – besonders aus Sicht der Jugendlichen

Glänzende Ausbildungschancen für Jugendliche, wachsende Probleme der Betriebe bei der Stellenbesetzung – so in aller Kürze das Fazit von Bundesregierung, Ländern und Wirtschaft beim Paktgipfel am 7. November 2011. Bei diesem Spitzentreffen bilanzierten die Partner des Nationalen Ausbildungspaktes – ein Jahr nach Verlängerung des Paktes bis 2014 – das Ausbildungsjahr. Hierbei wurden aktuelle Zahlen der Bundesagentur für Arbeit und die eigenen Beiträge zur Erreichung der Paktziele veröffentlicht. Die Bilanz im Einzelnen:

10.11.2011 Pressemeldung DIHK - Deutscher Industrie- und Handelskammertag

Weiterer Rückgang bei den Bewerbern, deutliches Plus bei den Ausbildungsstellen

2011 meldeten sich rund 14.000 (- 2,5 Prozent) weniger junge Menschen als Ausbildungsplatz suchend bei den Arbeitsagenturen als noch 2010 – trotz eines doppelten Abiturjahrgangs in Bayern und Niedersachsen und trotz der Aussetzung des Wehr- und Zivildienstes. Das sind rund 220.000 Bewerber (- 30 Prozent) weniger als noch 2007. Die Zahl der gemeldeten betrieblichen Ausbildungsstellen hingegen stieg 2011 im Vorjahresvergleich um 10,2 Prozent. Dieser Zuwachs bei den angebotenen Ausbildungsstellen erklärt sich aus dem Bestreben der Betriebe, ihren Fachkräftenachwuchs durch eigene Ausbildung zu sichern.

Mehr unbesetzte Stellen als unvermittelte Bewerber

Ende September waren noch 12.000 junge Menschen unvermittelt – bei fast 30.000 unbesetzten Ausbildungsplätzen. Damit gab es – zum vierten Mal in Folge – mehr unbesetzte Stellen als noch suchende Bewerber. Mit 18.000 fiel dieser Stellenüberhang so gut aus wie seit dem Wiedervereinigungs-Boom nicht mehr. Diese Entwicklung verschärft die Probleme der Betriebe, geeignete Bewerber für ihre angebotenen Ausbildungsplätze zu finden. Der DIHK erwartet, dass über alle Wirtschaftsbereiche hinweg 2011 mehr als 75.000 Ausbildungsplätze unbesetzt bleiben – mehr noch als bei der Bundesagentur für Arbeit ausgewiesen, denn nicht alle Betriebe melden dort ihre Ausbildungsstellen.

Mehr neue Ausbildungsverträge – mehr Chancen für Altbewerber und Schwächere

Das steigende Angebot an Ausbildungsplätzen spiegelt sich auch bei den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen wider: Im Bereich Industrie, Handel und Dienstleistungen gab es einen – angesichts des Bewerberrückgangs – bemerkenswerten Zuwachs von rund 4 Prozent. Dieser Zuwachs war möglich, weil mehr Altbewerber und lernschwächere Jugendliche eine Chance bekommen haben.

Beiträge der Industrie- und Handelskammern zur Paktbilanz

Die IHKs trugen, wie auch das Handwerk und die freien Berufe, mit ihrem großen Einsatz bei der Akquisition neuer Lehrstellen zu der erfreulichen Jahresbilanz bei: Bis Ende Oktober wurden insgesamt 63.000 neue Ausbildungsplätze (IHKs: 30.000), 38.000 neue Ausbildungsbetriebe (IHKs: 22.000) und rund 23.000 Plätze für eine Einstiegsqualifizierung (IHKs: 16.000) eingeworben. Zudem legt die IHK-Organisation einen Schwerpunkt auf verbesserte Berufsorientierung junger Menschen. Die IHKs engagieren sich in mehr als 300 Projekten und Initiativen für die Berufsorientierung der Schüler und verstärken nochmals ihr Engagement, Kooperationen zwischen Betrieben und Schulen zu vermitteln. Gegenwärtig berichten die IHKs von etwa 5.000 solcher Kooperationen – also mit etwa einem Drittel aller weiterführenden Schulen.

Attraktivität der dualen Ausbildung bewerben und nicht herabstufen

Angesichts des Bewerberrückgangs konzentrieren sich die Paktpartner darauf, alle Potenziale zu erschließen – bei leistungsschwachen und bei leistungsstarken Jugendlichen. Hierzu werden Bundesregierung und Wirtschaft u. a. auch verstärkt die Attraktivität der dualen Ausbildung bewerben. Die Länder sollten das unterstützen, nicht zuletzt dadurch, dass sie das Abitur beim Deutschen Qualifikationsrahmen nicht höher einstufen als eine Berufsausbildung. Eine solche Herabstufung würde die Anstrengungen der anderen Paktpartner konterkarieren, mehr junge Menschen für eine betriebliche Ausbildung zu gewinnen. Für die Fachkräftesicherung wäre das ein Bärendienst.


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