Elternbrief von Kultusministerin Karin Wolff zum Schuljahrsbeginn

Auch im neuen Schuljahr ist der Unterricht nach Stundentafel sichergestellt. Dies ist die zentrale Botschaft des Elternbriefes, den Kultusministerin Karin Wolff zum Schuljahr 2004/05 an alle Eltern hessischer Schülerinnen und Schüler geschrieben hat. Die rund 800.000 Exemplare des achtseitigen Schreibens werden dieser Tage in allen Schulen an die Eltern verteilt.

31.08.2004 Hessen Pressemeldung Hessisches Ministerium für Kultus, Bildung und Chancen

Im fünften Jahr in Folge informiert Wolff mit einem Elternbrief zum Schuljahresanfang über die aktuelle Situation in der hessischen Bildungspolitik. "Bildung ist und bleibt der Zukunftsfaktor Nr. 1 in Hessen", schreibt Wolff darin. Trotz der bundespolitisch bedingt schlechten wirtschaftlichen Lage mit dramatischen Einnahmeausfällen der öffentlichen Hand werde die Unterrichtsgarantie auch im Schuljahr 2004/05 erfüllt.

Wolffs Anliegen ist es, nicht nur die Voraussetzungen für einen guten Unterricht zu schaffen, sondern ebenso die Eltern aktiv einzubinden. "Die Einbindung der Eltern ist sehr wichtig, denn nur gemeinsam können wir das Beste für unsere Kinder erreichen", so die Ministerin. Deshalb sollen bis zum Sommer 2006 so genannte Erziehungsvereinbarungen zwischen Elternhaus und Schule Bestandteile der Schulprogramme werden. "Bildung gelingt nur, wenn Lehrkräfte und Eltern an einem Strang ziehen, sich den erzieherischen Herausforderungen gemeinsam stellen und das Miteinander durch gegenseitige Wertschätzung und Anerkennung der geleisteten Arbeit geprägt ist", wirbt die Ministerin für den Aufbau einer verbindlicheren Erziehungskultur.

Weiter sichert Wolff eine gerechte Lehrerverteilung zu und unterstreicht, dass auch in diesem Schuljahr ca. 400 Lehrerinnen und Lehrer als Beamte neu eingestellt werden. Ferner stehen 10 Millionen € für rund 500 Angestelltenverträge bereit, um 9.000 Schülerinnen und Schüler, die zurzeit ohne Lehrstelle sind, weiter beschulen zu können.

Die Verteilung der Unterrichtsstunden, die infolge der Operation "Sichere Zukunft" von den Lehrerinnen und Lehrer zusätzlich erbracht werden müssen, nennt Wolff eine "schwierige organisatorische Aufgabe". "Wenn etwa ein Gymnasiallehrer für Mathematik und Physik pensioniert wird, können wir keinen Grundschullehrer an das Gymnasium versetzen, selbst wenn wir an dessen Schule einen Stundenüberhang haben", schreibt Wolff. Durch mehr als 300 Abordnungen und Versetzungen sind diese Probleme inzwischen gelöst.

Nach dem Grundsatz, dass jede Schülerin und jeder Schüler in Hessen einen Anspruch auf optimale Förderung der jeweiligen Anlagen und Begabungen hat, gibt es in allen Regionen Hessens unterschiedliche Fördermodelle. So sollen nun durch die Einführung so genannter SchuB-Klassen (Ausbildung in Schule und Betrieb) an zunächst 50 Schulstandorten vom schulischen Scheitern bedrohte Jugendliche zum Hauptschulabschluss geführt und deren Ausbildungs- und Beschäftigungschancen erhöht werden. In diesen Klassen wird der Praxisanteil erhöht, indem die Schülerinnen und Schüler drei Tage in der Woche die Schule besuchen und zwei Praxistage in Betrieben absolvieren.

Andererseits gibt es auch für hochbegabte Kinder und Jugendliche in nunmehr allen Regionen Hessens besondere schulische Angebote. Dokumentiert wird dies mit einem Gütesiegel, das jetzt 62 Schulen aller Schulformen führen dürfen. Unter anderem erproben derzeit 31 Grundschulen spezielle Erkennungs- und Fördermaßnahmen für intellektuell hochbegabte Kinder.

Ferner werden jetzt weitere 13 Förderschulen (ehemals Sonderschulen) zu sonderpädagogischen Beratungs- und Förderzentren ausgebaut. Dann verfügt Hessen über 107 solcher Einrichtungen. Ihre Aufgabe ist es, Schülerinnen und Schülern mit Lern-, Sprach- und Verhaltensschwierigkeiten sowie mit Hör- und Sehbeeinträchtigungen frühzeitig eine qualifizierte Unterstützung zukommen zu lassen. Dazu suchen Lehrkräfte von Förderschulen die Schülerinnen und Schüler in den Regelschulen auf, beraten Lehrkräfte und Eltern und organisieren gemeinsam eine gezielte Förderung. So können viele weiterhin am Unterricht in ihrer angestammten Klasse teilnehmen. Zurzeit werden in hessischen Regelschulen mehr als 10.000 Schülerinnen und Schüler durch Lehrkräfte der Beratungs- und Förderzentren beraten und gefördert.

Nach erfolgreicher Einführung landesweit verbindlicher Abschlussprüfungen an Haupt- und Realschulen wird in Hessen nun auch das Landesabitur eingeführt. Die jetzigen Schülerinnen und Schüler der elften Klasse werden am Ende des Schuljahres 2006/07 die ersten sein, die sich der zentralen Prüfung mit landesweit einheitlichen Aufgaben stellen müssen.

Nach erfolgreicher Erprobung an einzelnen Schulen beginnt ab dem Schuljahr 2005/06 die Schulzeitverkürzung des gymnasialen Bildungsganges. "Das Abitur nach zwölf Jahren verbessert die Berufschancen der hessischen Jugendlichen", betont die Ministerin. Nahezu alle Länder in Deutschland haben eine solche Schulzeitverkürzung inzwischen eingeleitet oder beschlossen. Auch in Hessen werden Schülerinnen und Schüler, die ein Gymnasium oder den entsprechenden Zweig einer kooperativen Gesamtschule besuchen, künftig schon nach acht Jahren Abitur machen. Die Mittelstufe am Gymnasium endet dann nicht mehr nach der zehnten, sondern nach der neunten Klasse. In zwei Etappen werden die Schulen mit der Umstellung beginnen, ein erster Teil schon 2005, der andere 2006. Rund 15 Prozent der Schulen haben das G8-Modell auf freiwilliger Basis bereits in diesem Schuljahr eingeführt.

Weitere tiefgreifende Veränderungen werden in der Lehrerbildung vorgenommen. Künftig werden angehende Lehrerinnen und Lehrer schon während des Studiums durch mehrere Praxisphasen besser auf den Schulalltag vorbereitet. Außerdem können die Schulleiterinnen und Schulleiter die Lehrkräfte zur Wahrnehmung bestimmter Fortbildungsmaßnahmen verpflichten. Dies alles wird möglich, wenn das "Dritte Gesetz zur Qualitätssicherung" im Januar 2005 in Kraft tritt.

Der komplette Text der Elterninfo steht im Internet unter www.kultusministerium.hessen.de


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