Berufliche Bildung

Eurobarometer-Umfrage: Die berufliche Aus- und Weiterbildung fördert die Chancen auf dem Arbeitsmarkt, doch ihr Image bei jungen Menschen muss besser werden

(red/pm) - Die Berufsausbildung, für die sich knapp die Hälfte aller Europäerinnen und Europäer nach der Pflichtschulzeit entscheidet, genießt bei den meisten Altersgruppen einen insgesamt guten Ruf; dies hängt mit dem hochwertigen Bildungsangebot und den guten Berufsaussichten zusammen. Dennoch geben nur 27 % der jungen Menschen im Alter von 15 bis 24 an, dass sie ihren Altersgenossen eine solche Ausbildung empfehlen würden. Daraus wird deutlich, dass mit Blick auf diese so kritische Altersgruppe mehr zur Verbesserung des Images und der Attraktivität der Berufsbildung getan werden muss.

05.10.2011 Artikel

Dies gehört zu den wichtigsten Ergebnissen der Eurobarometer-Umfrage "Einstellungen gegenüber der Berufsbildung", die heute von der Europäischen Kommission vorgelegt wurden. Im Rahmen der Erhebung wurden 27 000 Menschen aus allen Mitgliedstaaten persönlich befragt. Die Ergebnisse liegen auch nach Ländern aufgeschlüsselt vor (Internetlink siehe unten).

Die für Bildung, Kultur, Mehrsprachigkeit und Jugend zuständige EU-Kommissarin Androulla Vassiliou sagte dazu: "Ich nehme an, dass wir alle in einem Flugzeug lieber mit einem gut ausgebildeten als mit einem gut erzogenen Piloten unterwegs sind. Unser Ziel ist es, eine für die Arbeitswelt geeignete Mischung aus Erziehung und Ausbildung zu finden. Investitionen in die Berufsbildung sind auch eine der wirksamsten Methoden zur Bekämpfung von Jugendarbeitslosigkeit. Indem wir hochwertige Bildungsangebote schaffen, ermöglichen wir es jungen Menschen, persönlich voranzukommen und sich die Fach- und die Querschnittskompetenzen anzueignen, die Arbeitgeber suchen. Trotz dieser Vorteile interessieren sich zu wenig junge Menschen für eine Berufsbildung. Wir müssen deshalb die Berufsberatung verbessern und den jungen Menschen deutlicher machen, dass es eine große Nachfrage nach Fachkräften gibt."

Laut dem Eurobarometer-Bericht befanden oder befinden sich 47 % aller EU-Bürgerinnen und Bürger in einer beruflichen Aus- oder Weiterbildung. Zwischen den einzelnen Ländern sind jedoch erhebliche Unterschiede zu verzeichnen: Während es in den Niederlanden, der Slowakei und der Tschechischen Republik 76, 70 bzw. 66 % waren, betrug der entsprechende Anteil in Malta 27 %, in Portugal und Spanien lediglich 24 %.

71 % antworteten auf die Frage nach dem Image der Berufsbildung in ihrem Land, es sei positiv, 23 % beurteilten es negativ. Die meisten Positiv-Antworten gab es in Malta (92 %), Finnland (90 %) und Österreich (88 %), die wenigsten in Ungarn und Belgien (beide 59 %) sowie in Slowenien und den Niederlanden (beide 50 %).

Für eine Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse siehe auch MEMO/11/654.

Weitere Informationen:
Vollständiger Eurobarometer-Bericht, Zusammenfassung und Umfrageergebnisse (aufgeschlüsselt nach Ländern):
ec.europa.eu/public_opinion/archives/eb_special_379_360_en.htm

Europäische Kommission: Berufliche Aus- und Weiterbildung
ec.europa.eu/education/lifelong-learning-policy/doc60_de.htm

Europäische Kommission: Programm Leonardo da Vinci
ec.europa.eu/education/lifelong-learning-programme/doc82_de.htm

Hintergrund

Berufliche Aus- und Weiterbildung in Europa

In Europa durchlaufen rund 50 % aller Schülerinnen und Schüler, die sich in der höheren Sekundarbildung (Sekundarstufe II) befinden, eine Berufsausbildung; sie ist damit die beliebteste Ausbildungsform im Anschluss an die Pflichtschulzeit. In den letzten Jahren gibt es bei den Auszubildenden jedoch insgesamt einen rückläufigen Trend, auch wenn die Zahlen von Land zu Land sehr unterschiedlich sind. Um nach wie vor zeitgemäße Ausbildungsgänge anbieten zu können, muss sich der Bereich daher modernisieren. Die Europäische Kommission setzt sich für gezielte Investitionen und Reformen der Berufsbildung ein, weil ein gut funktionierendes System die Wettbewerbsfähigkeit stärkt und zur Senkung der Schulabbrecherquote beiträgt.

Europäische Zusammenarbeit

Im Dezember 2010 verständigten sich die für Bildungsfragen zuständigen Minister aus 33 europäischen Ländern (EU-27, Kroatien, ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien, Island, Liechtenstein, Norwegen und Türkei) zusammen mit Vertretern von Arbeitgebern, Gewerkschaften und Europäischer Kommission auf das "Kommuniqué von Brügge". Darin wird ein Bündel von Maßnahmen zur qualitativen Verbesserung der beruflichen Aus- und Weiterbildung in Europa vorgeschlagen, mit denen die Berufsbildung stärker auf den Bedarf des Arbeitsmarktes ausgerichtet und der Zugang zu ihr erleichtert werden soll (IP/10/1673). Die Minister verständigten sich auf gemeinsame Ziele für die nächsten zehn Jahre und einen Aktionsplan für die kommenden vier Jahre. Das Kommuniqué von Brügge ist das Ergebnis der letzten Überprüfung des Kopenhagen-Prozesses für die europäische Zusammenarbeit im Bereich der beruflichen Aus- und Weiterbildung. Im Rahmen des Programms "Leonardo da Vinci" hat die EU seit 1995 über 600 000 junge Menschen dabei unterstützt, im Ausland ein Praktikum zu absolvieren. Darüber hinaus wurden 110 000 Austauschmaßnahmen für Ausbilder und mehr als 3000 Projekte zur Modernisierung des Sektors gefördert.

Die nächsten Schritte

Am 7. Oktober wird Kommissarin Vassiliou die künftigen EU-Prioritäten im Bereich allgemeine und berufliche Bildung auf der WorldSkills London 2011 vorstellen, dem weltweit größten internationalen Qualifikationswettbewerb. An der Veranstaltung, die vom 5. bis 8. Oktober im Veranstaltungszentrum ExCeL London stattfindet, werden 1000 junge Menschen aus über 55 Ländern und Regionen teilnehmen und sich in 46 Fachrichtungen miteinander messen. Einen Überblick über die Veranstaltungen der Europäischen Kommission während der WorldSkills London 2011 finden Sie unter ec.europa.eu/youthonthemove/events/2011/20111005-london_en.htm


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