BAMF-Forschungszentrum

Digitalisierung in Integrationskursen

Während der Covid-19-Pandemie und im „Lockdown“ haben auch Integrationskurse vermehrt digital stattgefunden. Doch wie gut ist das gelungen und was ist nötig, damit digitaler Unterricht im Integrationskurs funktioniert?

09.11.2021 Bundesweit Pressemeldung Bundesamt für Migration und Flüchtlinge
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Eine neue Studie des Forschungszentrums des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) untersucht, Potenziale und Herausforderungen digitaler Unterrichtsformen im Integrationskurs aus der Perspektive von Kurslehrkräften.

Während der Covid-19-Pandemie in den Jahren 2020 und 2021 wurde nicht nur der Schulbetrieb in die digitale Welt verlegt, auch im Bereich der Integrationskurse kamen digitale Unterrichtsformen zur Anwendung, um den Kursteilnehmerinnen und Kursteilnehmern weiterhin das Erlernen der deutschen Sprache zu ermöglichen. Kursträger haben mit digitalen Unterrichtsformen im Integrationskurs, wie Online-Tutorien und virtuellen Klassenzimmern, vielfach Neuland betreten, da es bis zum Pandemiebeginn kein ausreichend erprobtes Methodenrepertoire für die Durchführung von Integrationskursen im digitalen Unterrichtsformat gegeben hat. Dies änderte sich mit der pandemischen Lage. Zunächst förderte das BAMF die Durchführung von Online-Tutorien. Anschließend wurden verschiedene Kursmodelle zur Flexibilisierung der Kursdurchführung unter pandemiebedingten Einschränkungen entwickelt, zu denen auch das Modell des Virtuellen Klassenzimmers zählt.

„Die Pandemie machte deutlich, welche Vor- und Nachteile digitaler Unterricht in den Integrationskursen haben kann. Diese Situation hat uns die Chance geboten, Schlussfolgerungen über die zukünftige Rolle von digitalen Unterrichtsformen in den Integrationskursen abzuleiten“, so Dr. Jan Eckhard wissenschaftlicher Mitarbeiter im BAMF-Forschungszentrum.

Studie „Digitales Lehren und Lernen im Integrationskurs - Herausforderungen und Potenziale aus der Sicht der Lehrkräfte“

Die Studie geht der Frage nach, welches Erfahrungswissen Lehrkräfte im Bereich der digitalen Unterrichtsformen der Integrationskurse während der Pandemie erworben haben und welches Potenzial sie für zukünftige Digitalisierungsprozesse sehen. Die Arbeit basiert auf einer qualitativen Befragung von Integrationskurslehrkräften aus ganz Deutschland und ist Teil des Forschungsprojekts „Evaluation der Integrationskurse (EvIk)“.

Ergebnisse der Studie

„Integrationskurslehrkräfte stehen der Digitalisierung von Integrationskursen in Form von digitalen Medien und Unterrichtsformaten positiv gegenüber. Großes Potenzial für die Zukunft sehen die Lehrkräfte vor allem in einer flexiblen und an den Bedürfnissen der Teilnehmenden ausgerichteten Kombination von analogen und digitalen Unterrichtselementen“, resümiert Ramona Kay, wissenschaftliche Mitarbeiterin im BAMF-Forschungszentrum.

Spezifische Vorteile des digitalen Unterrichtens bestehen aus Sicht der Lehrkräfte in der flexiblen Organisation von Gruppenarbeiten und in der Vermittlung von digitalen Kompetenzen an die Teilnehmenden. Auf der anderen Seite wird deutlich, dass die Anwendungsmöglichkeiten digitaler Unterrichtsformen in hohem Maße von den Vorkenntnissen und dem Bildungshintergrund der Teilnehmenden abhängig sind.

Ein Defizit rein virtueller Unterrichtsformen entsteht für viele Lehrkräfte durch das Fehlen der persönlichen Begegnungen vor und nach dem Unterricht. Hierin sehen die Lehrkräfte eine Schwächung der sozial-integrativen Funktion der Integrationskurse. Hybride Unterrichtsformate, bei denen digitale Lehreinheiten und Präsenzzeiten abwechselnd stattfinden, können dieses Defizit jedoch minimieren. Darüber hinaus lassen die Interviews erkennen, dass viele Lehrkräfte ihre Kompetenzen im Bereich des digitalen Unterrichtens ausbauen möchten und Unterstützung durch Schulungsangebote begrüßen.

Insgesamt zeigt sich, dass digitale Unterrichtselemente im Integrationskurs Zukunftspotenzial haben, und durch Maßnahmen, wie Schulungsangebote, gezielt gefördert werden können.


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