"Hey, ich find dich klasse"
(red) Jahrzehntelang gab es genug Ausbildungsnachwuchs für die Betriebe. Doch bis 2020 wird die Zahl der Schüler um ein Fünftel zurückgehen und die Suche nach Auszubildenden wird mehr und mehr zu einer echten Herausforderung für die Unternehmen. Wie ist die zu meistern? "Die Betriebe müssen sich umstellen", sagt Bertram Pelkmann. Er ist Ausbildungsberater für Betriebe und Auszubildende bei der Handwerkskammer Region Stuttgart. Mit Umstellung meint er weniger solche Dinge wie Dienstwagen oder höhere Vergütung. Zählen tut etwas ganz anderes.
18.02.2014 ArtikelHerr Pelkmann, seit einiger Zeit hat der Begriff Ausbildungsmarketing Konjunktur. Marketing arbeitet auch mit Geschenken, bisweilen sogar mit Schönfärberei. Funktioniert das denn bei der Suche nach Auszubildenden?
Bertram Pelkmann: Marketing funktioniert nur so lange, bis ich den Lehrling im Betrieb habe. Wenn dem Marketing keine Taten folgen, dann ist der Lehrling wieder weg, weil er weiß, wenn der Betrieb nicht anständig ausbildet, habe ich zwei andere, zu denen ich gehen kann. Die Bereitschaft zu wechseln, wird in Zukunft steigen. Das heißt: Die Betriebe müssen umdenken. Etwa, indem sie den zukünftigen Auszubildenden aufzeigen, was sie ihnen bieten: eine qualitativ hochwertige Ausbildung, einen tollen Job während der Ausbildung, Zusatzqualifikationen und – weil Betriebe dringend Fachkräfte brauchen – auch die echte Chance, nach der Ausbildung in diesem Betrieb als Geselle zu arbeiten. All das ist deutlich schwergewichtiger als mehr Gehalt oder andere Zuwendungen.
Was machen die Betriebe (noch) falsch?
Bertram Pelkmann: Das beginnt schon bei der Anzeige: Da heißt es dann ganz oft "Ich suche einen Lehrling im Beruf xy und ich fordere gute Noten in Mathe, Physik, in Deutsch und in Benehmen." Aber nur in Ausnahmefällen steht da "Ich biete dir eine qualifizierte Ausbildung, ein tolles Team und noch viel mehr". Wir hatte bis vor zwei Jahren einen reinen Nachfragemarkt, da haben sich zehn, fünfzehn Jugendliche um einen Ausbildungsplatz beworben und es wird in Zukunft so aussehen, dass sich ein Schulabgänger aus drei, vier Betrieben seinen Wunschbetrieb aussuchen kann.
Und welche Betriebe werden zu Wunschbetrieben?
Bertram Pelkmann: Es gibt Betriebe, die schon in vorbildlicher Weise um ihre Auszubildenden werben und sie mit Broschüren und mit Flyern informieren. Gleichzeitig nutzen sie auch Web 2.0, sie berichten zum Beispiel bei Facebook über aktuelle Entwicklungen des Berufs oder des Betriebes. Sie schreiben, wenn einer ihrer Lehrlinge Landessieger beim Leistungswettbewerb geworden ist. Wir haben auch einen Betrieb im Kammerbezirk, der lobt einmal im Jahr den Lehrling des Jahres aus, der dann ein Jahr lang einen Firmenwagen fahren darf. Aber es muss nicht immer ein Auto sein. Ein Lob auf der Homepage "Das ist mein bester Lehrling" oder mal ein Abendessen – das wirkt schon Wunder. Junge Leute können heute sehr gut unterscheiden, ob jemand überzogene Dinge macht oder ob er sie wirklich wertschätzt. Da reicht auch mal eine Kinokarte. Ganz ehrlich: Wenn ich sage "Hey ich find dich klasse", dann merken sie, dass es ernst gemeint ist. Wenn ein Auszubildender aber machen kann, was er will und der Chef nimmt ihn und seine Leistungen nicht wahr, dann führt das zu Verdruss.
Weiterführende Informationen
- Handwerkskammer Stuttgart: Unterstützung für Ausbildungsbetriebe
- Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg: Grundlagen und Tipps zum Ausbildungsmarketing für Betriebe
Dazu auf der didacta 2014 in Stuttgart
25.03.2014
Forum Berufliche Bildung
Auf dem Programm des Forums Berufliche Nildung stehen fünf Thementage. Am 25.03 geht es um das Thema: Ausbildungsmarketing: Welche Möglichkeiten bieten sich vor allem für KMUs? Wo liegen die Grenzen des Ausbildungsmarketings? 09:00 - 18:00 Uhr / Forum Berufliche Bildung, Halle 6, Stand C61
14:00 Uhr
Ausbildungsmarketing: Wie sich Unternehmen für Azubis attraktiv machenDiskussion zum Thema: "Biete Dienstwagen! Suche Azubi! – Wie sich Unternehmen für Azubis attraktiv machen". Teilnehmer/-innen: Andrea Bosch, IHK Region Stuttgart, Alexander Spanic, KÖNIGSTEINER AGENTUR Stuttgart, Klaus Troltsch, Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), NN, Unternehmen aus der Region Stuttgart. Moderation: Nicolas Tribes, WDR
15:00 Uhr
Azubimarketing – Mit der richtigen Strategie zum NachwuchsInterview mit Alexander Spanic, KÖNIGSTEINER AGENTUR, Stuttgart und Nicolas Tribes, WDR
16:00 Uhr
"Wie suchen klein- und mittelständische Unternehmen ihren Nachwuchs in der Region Stuttgart?"Interview mit Dr. Ralf Obermaier, Allgaier Werke GmbH, Uhingen, Auszubildende und Auszubildender, Allgaier Werke GmbH, Uhingen und Nicolas Tribes, WDR
Das komplette Programm des Forum Berufliche Bildung
Individuelle Förderung in Beruflicher Schule und Ausbildungsbetrieb
Das individuelle Potenzial der Jugendlichen in der Ausbildung ist höchst unterschiedlich – und gerade die hoch und höher Begabten sind nur selten im Blick. Wie aber gelingt individuelle Förderung nach unten und nach oben? Wie können persönliche Stärken in Schule und Betrieb erkannt und optimal gefördert werden? Was leisten die Betriebe, um die duale Ausbildung auch für höherbegabte Jugendliche attraktiv zu machen? Welche Hilfen geben IHK und Ministerium?Es diskutieren: Dr. Stefan Baron, Baden-Württembergischer Handwerkstag e.V.; Andrea Bosch, IHK Region Stuttgart; Wilmar Diepgrond, Bildungsverlag EINS GmbH; Herbert Huber, Verband der Lehrerinnen und Lehrer an beruflichen Schulen in Baden-Württemberg e. V.; Ministerialrätin Susanne Thimet, Kultusministerium Baden-Württemberg. Moderation: Christiane Delong, Teilnehmerin im Qualifikationsprogramm Moderation der Hochschule der Medien, Stuttgart 12:00 - 13:15 Uhr, Marktplatz Beruf ist Zukunft, Halle 6, Stand C22
26.03.2014
Ausbildungsabbruch vermeiden
Wenn das Ausbildungsverhältnis gefährdet ist: Unterstützung für Auszubildende und Ausbilder/-innenIn Baden-Württemberg werden jährlich rund 20 Prozent der Ausbildungsverträge - mehr als 17.000 - vorzeitig aufgelöst. Mehr als 60 Prozent der Jugendlichen finden zwar nach einer vorzeitigen Lösung des Ausbildungsvertrags eine weitere schulische oder betriebliche Ausbildungsperspektive, rund 30 Prozent bleiben jedoch ohne Ausbildung. Dies bedeutet nicht nur ein Scheitern für die Jugendlichen, sondern kommt auch für die Unternehmen teuer. Um Ausbildungsabbrüche zu vermeiden, fördert das Ministerium für Finanzen und Wirtschaft Baden-Württemberg im ganzen Land Ausbildungsbegleiterinnen und -begleiter, die sowohl Auszubildende als auch Ausbilder unterstützen, wenn das Ausbildungsverhältnis gefährdet ist. Was diese bewirken können, berichten Ausbildungsbegleiterinnen der Industrie- und Handelskammer und der Handwerkskammer anhand praktischer Beispiele. Informiert wird auch über ein bundesweites Programm zur Vermeidung von Ausbildungsabbrüchen.
Es diskutieren: Karsten Altenburg, Ministerium für Finanzen und Wirtschaft (Ministerialrat); Mara Scherer, IHK Region Stuttgart (Koordinatorin des Projekts 'Abbruch vermeiden' und Ausbildungsberaterin); Ingrid Dünzl, Handwerkskammer Region Stuttgart (Koordinatorin des Projekts 'Abbruch vermeiden' und Ausbildungsbegleiterin); Jens Peschner, Bundesinstitut für Berufsbildung (Leiter Servicestelle Bildungsketten). 14:15 - 15:15 Uhr, Marktplatz Beruf ist Zukunft, Halle 6, Stand C22
27.03.2014
Ausbildungsmarketing – Azubis gewinnen und Fachkräfte halten
Seit geraumer Zeit wird es für Handwerksbetriebe zunehmend schwierig, Auszubildende für eine Ausbildung zu gewinnen. Der Bewerbermarkt hat sich zu einem Anbietermarkt verändert und das Handwerk konkurriert mit Industrie und Handel, Gesundheitsberufen und vor allem den Hochschulen um die weniger werdenden Jugendlichen. Was kann aber das Handwerk bieten, um in diesem Wettbewerb zu bestehen? Wie kann sich der Handwerksbetrieb als attraktiver Arbeitgeber darstellen? Der Vortrag zeigt auf, dass eine höhere Ausbildungsvergütung nicht alleine selig macht. Es kommt vielmehr darauf an, jungen Menschen eine qualifizierte Ausbildung, ein attraktives Ausbildungsumfeld, einen sicheren Arbeitsplatz und die Möglichkeit zur Weiterqualifizierung zu bieten.Referent: Bertram Pelkmann, Handwerkskammer Region Stuttgart (Ausbildungsberater). 10:30 - 11:00 Uhr, Marktplatz Beruf ist Zukunft, Halle 6, Stand C22
Unser gemeinsames Ziel: Jugendliche direkt in Ausbildung vermitteln! Was ist zu tun?
Angesichts des wachsenden Fachkräftebedarfs und Azubi-Mangels vieler Betriebe bei einem gleichzeitig weiterhin zu großen schulischen Übergangssystem steht neuerdings die direkte (Nach-)Vermittlung von Jugendlichen in die duale Ausbildung ganz oben auf der politischen Agenda.Viele Betriebe sind bereit, auch schwächeren Jugendlichen eine Chance zu bieten. Die Herausforderungen für eine solche Ausbildung und der Abstimmungsbedarf mit der Berufsschule sind jedoch hoch und das Ausbildungsverhältnis von einem Abbruch bedroht. Der Vortrag zeigt auf, welche Herausforderungen auf Schulen und Betrieb zukommen und welche Unterstützungsangebote es geben kann.
Referent: Hans Schmeiser, Handwerkskammer Karlsruhe (Fachbereichsleiter Fort- und Weiterbildung). 15:00 - 15:30 Uhr, Marktplatz Beruf ist Zukunft, Halle 6, Stand C22
28.03.2014
Wir machen Lust auf Ausbildung – Initiative Ausbildungsbotschafter
Rund 2.500 Auszubildende sind im ganzen Land als Botschafterinnen und Botschafter unterwegs und informieren Schülerinnen und Schüler über ihre Ausbildungsberufe. Die Initiative Ausbildungsbotschafter wird vom Ministerium für Finanzen und Wirtschaft gefördert und hat bisher mehr als 50.000 Schülerinnen und Schüler erreicht. Rund 1.250 Unternehmen und Institutionen stellen Ausbildungsbotschafter. Wie sie, aber auch Lehrkräfte und Auszubildende selbst davon profitieren, steht im Mittelpunkt der Veranstaltung.Referenten: Raiko Grieb, Ministerium für Finanzen und Wirtschaft Baden-Württemberg (Regierungsrat); Claudius Audick, Leitstelle Ausbildungsbotschafter beim Baden-Württembergischen IHK-Tag (Projektleiter), Ausbildungsbotschafter, Lehrkraft. 13:30 - 14:30 Uhr, Marktplatz Beruf ist Zukunft, Halle 6, Stand C22
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