Lehrerausbildung radikal ändern
(bikl) Bei der Reform der Lehrerbildung bestehe dringender Handlungsbedarf, das erklärten heute übereinstimmend der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).
05.04.2005 ArtikelEinen radikalen Schnitt für die Lehrerausbildung in Deutschland forderte Ludwig Georg Braun, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) in Berlin und schlug unter anderem eine Spezialisierung der Lehrer auf die unterschiedlichen Aufgaben in der Schule sowie auf die Arbeit mit Kindern bestimmter Altersgruppen vor.
Unterschiedliche Lehrer
Lehrer müssten sich auf unterschiedliche Aufgaben in der Schule spezialisieren. Deswegen sollte es neben den Lehrern, die ihre Arbeit auf den Unterricht fokussierten, spezielle Beratungs- und Förderlehrer sowie Koordinatoren für Schul- und Unterrichtsorganisation geben. Ausreichend hierfür sei ein Bachelorabschluss.
Ausbildung am Alter der Kinder orientieren
Außerdem sollte die Ausbildung der Lehrer auf die Arbeit mit Kindern einer bestimmten Altersgruppe zugeschnitten sein - also schulformunabhängig. Das bedeute, so Braun "wir brauchen Lehrer/Erzieher für die Vorschulbildung, Lehrer für die Grundschule, Lehrer für die Altersgruppe bis zur 10. Klasse und Lehrer für die Abiturstufe und Berufsschule." Für diese Tätigkeiten sei ein Masterabschluss notwendig.
Praxisnähe
Das Studium sollte dual durchgeführt werden, also in enger Kooperation zwischen Hochschule und ausbildender Schule. Die Praxis solle schon vor dem ersten Tag des Studiums beginnen, denn "erste Erfahrungen in der Kinder- und Jugendarbeit werden zur Voraussetzung gemacht." Außerdem müssten die künftigen Lehrer von Beginn des Studiums an einmal pro Woche in der Schule lernen und arbeiten.
Verzicht auf Beamtenstatus
Für die bereits tätigen Lehrer schlug Braun begleitende Weiterbildungsmaßnahmen verbunden mit Beförderungschancen und Gehaltsverbesserungen vor. Schließlich forderte der DIHK-Präsident noch die Selbständigkeit der Schulen und die Abschaffung des Beamtentums für Lehrkräfte.
GEW: Teilweise Übereinstimmung
Sie teile die Auffassung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), dass bei der Reform der Lehrerbildung dringender Handlungsbedarf bestehe, erklärte dazu die GEW-Vorsitzende Eva-Maria Stange. Sie warnte allerdings davor, Ausbildung und Aufgaben der Lehrkräfte auf die "passgenaue Eingliederung von Schülerinnen und Schülern in den wirtschaftlichen Produktionsprozess" zu reduzieren. Fehlende Ausbildungsstellen und nicht die mangelnde Qualifikation junger Menschen seien in erster Linie Grund dafür, dass diese den Sprung ins Berufsleben nach der Schule nicht schafften, so Stange. "Bei allen gesellschaftlichen Gruppen müssen die Alarmglocken schrillen: Schon jetzt zeichnet sich ab, dass das Angebot an betrieblichen Ausbildungsplätzen in 2005 um weitere acht Prozent zurückgehen wird."
Kein Zweiklassensystem
Die Diskussion um die Reform der Lehrerbildung sei zu stark von der Einführung von Bachelor-/Master-Studiengängen, geprägt. "Bei dem vorgeschlagenen Zweiklassensystem mit Lehrern, die einen höherwertigen Master-Abschluss haben, und anderen mit Bachelor-Examen kommt die Qualität des Unterrichts unter die Räder", betonte Stange. Die GEW-Vorsitzende begrüßte aber ausdrücklich, dass der DIHK die Ausbildung der Erzieherinnen aufwerten wolle.
Weiterführende Links
Pressemitteilung des DIHK
Pressemitteilung der GEW
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