Migranten weisen eine niedrigere Erwerbsbeteiligung und eine höhere Erwerbslosenquote auf

Wesentlich für die Lebenssituation, die Chancengleichheit und die gesellschaftliche Teilhabe von Menschen ist ihre schulische und berufliche Qualifikation. Hierbei zeigen sich große Unterschiede zwischen Baden-Württembergern mit und ohne Migrationshintergrund. Nach den Ergebnissen des Mikrozensus leben etwa 2,7 Millionen Migranten in Baden-Württemberg. Von den Migranten im Alter von 25 bis unter 65 Jahren hat ein sehr hoher Anteil, nämlich rund 40 Prozent, keine Berufsausbildung vorzuweisen. Dies sagte die Präsidentin des Statistischen Landesamts, Dr. Carmina Brenner, heute vor der Presse. "Bei den gleichaltrigen Baden-Württembergern ohne Migrationshintergrund trifft dies nur auf gut 11 Prozent zu", so Brenner. "Entsprechend sind Migranten bei allen Ausbildungsabschlüssen stark unterrepräsentiert."

26.11.2008 Baden-Württemberg Pressemeldung Statistisches Landesamt Baden-Württemberg

Die im Durchschnitt geringere berufliche Qualifikation hat dabei offensichtlich unmittelbaren Einfluss auf die Erwerbsbeteiligung und Arbeitsmarktchancen von Migranten. So sind die Baden-Württemberger mit Migrationshintergrund wesentlich seltener berufstätig als Baden-Württemberger ohne Migrationshintergrund: Von letzteren gehen im erwerbsfähigen Alter, also im Alter von 15 bis unter 65 Jahren, rund 76 Prozent einer Erwerbstätigkeit nach, von den Migranten jedoch nur 66 Prozent. Die Unterschiede in der Erwerbsbeteiligung zeigen sich sowohl bei den Männern (Erwerbstätigenquote der Baden-Württemberger ohne Migrationshintergrund: gut 81 Prozent, bei den Migranten: knapp 74 Prozent), als auch bei den Frauen (Rund 70 Prozent bzw. 58 Prozent).

Auch die Erwerbslosenquoten (d.h. der Anteil der Erwerbslosen an den Erwerbspersonen) von Personen mit und ohne Migrationshintergrund in Baden-Württemberg zeigen, dass diese beiden Bevölkerungsgruppen offensichtlich nicht die gleichen Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben. So waren im Jahresdurchschnitt 2007 von den Baden-Württembergern ohne Migrationshintergrund knapp 4 Prozent ohne Arbeit, bei den Migranten lag die Erwerbslosenquote mit nahezu 9 Prozent hingegen mehr als doppelt so hoch. Als eine Ursache für die höhere Erwerbslosigkeit der etwa 2,7 Mill. Menschen mit Migrationshintergrund kann sicherlich die im Durchschnitt schlechtere formale berufliche Qualifikation angesehen werden.

Auch in den jüngeren Altersgruppen zeigt sich zwischen den Baden-Württembergern mit bzw. ohne Migrationshintergrund im Hinblick auf die berufliche Qualifikation ein deutliches Gefälle: Nach den Ergebnissen des Mikrozensus hat ein sehr hoher Anteil der jungen, 25- bis unter 35-jährigen Migranten, dies sind gut 32 Prozent, keinen beruflichen Ausbildungsabschluss. Bei den gleichaltrigen Baden-Württembergern ohne Migrationshintergrund traf dies auf lediglich rund 8 Prozent zu. Auch bei allen Ausbildungsabschlüssen sind die 25- bis unter 35-Jährigen mit Migrationshintergrund gegenüber den Personen ohne Migrationshintergrund unterrepräsentiert.

In Baden-Württemberg hat mittlerweile jeder dritte Jugendliche bzw. junge Erwachsene unter 25 Jahren einen Migrationshintergrund. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels, der u.a. dazu führen wird, dass zukünftig relativ wenige junge Menschen den Nachwuchs auf dem Arbeitsmarkt und für andere gesellschaftliche Aufgaben bilden werden, ist die bestmögliche schulische und berufliche Ausbildung der zahlenmäßig kleinen Generation wichtiger denn je.

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