Nachvermittlung 2006: Mehr Angebote, weniger Nachfrage

Auch im dritten Paktjahr engagieren sich alle Industrie- und Handelskammern bei der Nachvermittlung der Ende September noch nach einem Ausbildungsplatz suchenden Bewerber. Bei rund 300 Aktionen arbeiteten die IHKs eng mit den Arbeitsagenturen und den Handwerkskammern vor Ort zusammen. Die meisten Veranstaltungen fanden in der zweiten Oktoberhälfte statt, so dass jetzt bereits eine Zwischenbilanz gezogen werden kann.

23.11.2006 Pressemeldung DIHK - Deutscher Industrie- und Handelskammertag

Eingeladene:

Nach der Vereinbarung im Ausbildungspakt laden Kammern und Agenturen die bis zum 30.9. unvermittelten Bewerber gemeinsam ein. Die Kammern sind dabei auf die Zulieferungen der Arbeitsagenturen angewiesen, da sie keinen Einblick in die Bewerberdateien der Agenturen haben. Bemerkenswert ist, dass die Agenturen einen immer kleineren Anteil der Bewerber für die Nachvermittlung „nominieren". Wurde 2004 noch nahezu jeder unvermittelte Bewerber eingeladen, sind es in diesem Jahr nicht einmal 80 Prozent. Zu diesem niedrigen Wert haben nicht zuletzt IT-Probleme bei der Bundesagentur für Arbeit beigetragen.

Teilnehmer:

Im Durchschnitt sind 53 Prozent der Eingeladenen erschienen, entschuldigt haben sich weitere 8 Prozent. Damit ergibt sich insgesamt eine „No Show"- Quote von 39 Prozent. Hinter diesen Durchschnittsgrößen verbirgt sich eine große Streuung: Während in einigen Regionen nur ein gutes Drittel der eingeladenen Jugendlichen kam, verzeichneten andere Regionen einen Zulauf von über 90 Prozent. In den neuen Bundesländern ist die Beteiligung wie in den letzten Jahren leicht höher als in den alten Bundesländern. Am geringsten war die Teilnahmequote mit 35 Prozent in Berlin.
Im Vorjahr hatten nach IHK-Angaben noch 61 Prozent der angeschriebenen Jugendlichen die Einladung zur Nachvermittlung angenommen. Auch wenn ein Teil der nicht erschienenen Bewerber sich zwischenzeitlich für eine Alternative zur Ausbildung (Schule, Bundeswehr, Studium o. ä.) entschieden hat, ist der Anteil der unentschuldigt Fehlenden weiterhin zu hoch. Damit haben aber auch die Paktpartner keine Möglichkeit, diesen Jugendlichen ein adäquates Angebot zu machen.

Angebote:

Im Durchschnitt konnten die Paktpartner mehr als zwei betriebliche Angebote je Nachvermittlungsteilnehmer machen. In den meisten Regionen gab es damit ein auswahlfähiges Angebot. In zehn IHKs liegt die Angebots-Nachfrage-Relation allerdings unter 1,0. Da die Nachvermittlungen vielerorts noch im Gange sind, kann das Angebot dort aber noch ausgeweitet werden, z. B. durch weitere Plätze für eine betriebliche Einstiegsqualifizierung oder in der Berufsvorbereitung.

Vermittlungshemmnisse:

Trotz eines rechnerischen Überangebots gaben sieben IHKs an, dass sie nicht allen Nachvermittlungsteilnehmern ein Angebot machen konnten. Das betraf jedoch nur einen kleinen Teil der Jugendlichen. In diesem Falle stimmte zumeist das Angebot an Plätzen nicht mit den Berufswünschen der Bewerber überein. In vielen Fällen erschweren solche verfestigten Bewerberwünsche und die mangelnde Mobilität den Vermittlungsprozess.

Fazit:

Ein steigendes Angebot und eine sinkende Nachfrage weisen auf eine Entspannung der Ausbildungssituation hin. Es ist im Grunde positiv, dass es für viele Jugendliche offenbar bessere Alternativen als die Nachvermittlung gibt. Dann sollten sie aber auch - wie im Ausbildungspakt vereinbart - nicht mehr als unversorgt gelten.

Ansprechpartner: Dr. Günter Lambertz, DIHK Berlin, Telefon 030-20308-2514


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