OECD-Vergleich ist kaum aussagekräftig!

Der von der OECD-Bildungsbehörde verbreiteten Interpretation des neuen OECD-Berichts "Bildung auf einen Blick", Deutschland verliere bei den Hochqualifizierten weiter an Boden, hat der Vorsitzende des Deutschen Philologenverbands, Heinz-Peter Meidinger, deutlich widersprochen.

09.09.2008 Pressemeldung Deutscher Philologenverband (DPhV)

"Nach wie vor macht die OECD den Fehler, nur Zahlen und Quantitäten zu vergleichen, ohne die völlig unterschiedliche Struktur der Bildungseinrichtungen in den verschiedenen Ländern zu berücksichtigen. Tatsache ist, dass in vielen Ländern Bildungseinrichtungen zum Hochschulbereich gerechnet werden, die in Deutschland nicht dazu gehören, wie etwa zahlreiche bundesdeutsche Berufsakademien. In den USA besitzt eine Krankenschwester einen Bachelorabschluss, in Deutschland werden Krankenschwestern an Fachakademien und Krankenpflegeschulen mindestens ebenso gut ausgebildet. Im Ausland dominiert das qualitativ nicht so anspruchsvolle Kurzstudium, in Deutschland Langstudiengänge und berufliche Ausbildungsrichtungen. Die Gleichsetzung von Quantitäten geht also völlig fehl. Das weiß auch die OECD, aber die Konsequenz, auf reine Prozentquotenvergleiche zu verzichten, würde diese Organisation ihrer pressewirksamen Katastrophenmeldungen berauben", sagte Meidinger.

Der DPhV-Vorsitzende bemängelte, dass ein Vergleich von Studienanfängerquoten auch deshalb wenig aussagekräftig sei, weil er die hohen Quoten von Studenten nicht berücksichtige, die in verschiedenen Ländern die Hochschulen ohne Abschluss verlassen. "Was nützen beispielsweise Italien seine in den letzten Jahren explosionsartig gestiegenen Studienanfängerzahlen, wenn man weiß, dass 55 Prozent der italienischen Studierenden die Uni ohne ersten Abschluss verlassen?", fragte der Verbandschef provokant.

Meidinger empfahl, das Zahlenwerk der OECD differenzierter zu betrachten. Dann werde man u.a. feststellen, dass Deutschland nach wie vor mit 84 Prozent Bevölkerungsanteil, welcher Abitur oder abgeschlossene Berufsausbildung habe, international sehr gut dastehe und dass auch die Studienanfängerquoten in allen Bereichen kontinuierlich gestiegen seien.

Er betonte: "Hauptziel der deutschen Bildungspolitik darf es nicht sein, um jeden Preis möglichst schnell die Studienanfängerzahlen undifferenziert hochzutreiben - das wäre im Übrigen recht einfach - sondern unter Sicherung der Qualität und unter Beibehaltung der bewährten dualen Berufsausbildung, insbesondere in den natur- und ingenieur-wissenschaftlichen Studiengängen, die Anfängerzahlen maßvoll zu steigern bzw. gleichzeitig die Studienabbrecherquoten deutlich abzusenken. Solange der Anstieg an Studienanfängern sich auf überfüllte Massenfächer mit Bewerberüberhang fokussiert und naturwissenschaftliche Fakultäten unter Bewerbermangel leiden, nutzt uns der mantraartig wiederholte undifferenzierte Appell der OECD nach immer mehr Studenten wenig!"


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