PISA für die berufliche Bildung
(red/pm) Zehn Jahre nach den ersten Anfragen an die Berufsbildungsforschung, ob PISA auf die berufliche Bildung übertragbar sei, zog eine hochkarätige Expertenkonferenz eine Zwischenbilanz zu den wissenschaftlichen Grundlagen sowie der Praxis des in den letzten Jahren expandierten Forschungsfeldes "Messen und Entwickeln beruflicher Kompetenzen" (Projekt KOMET).
01.11.2013 ArtikelEingeladen hatte das internationale Forschungsnetzwerk COMET. Ausgerichtet wurde die Konferenz von Instituten der Berufsbildungsforschung der Universitäten Karlsruhe (KIT, Prof. Martin Fischer) und Bremen (IBB, Prof. Felix Rauner). Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren außer den Wissenschaftlern des KOMET-Forschungsnetzwerkes Experten aus der Praxis (Lehrer, Lehrerbildner und Fachreferenten der Kultusministerien), Erziehungswissenschaftler und Testexperten. Sie bildeten den "Prüfstand", auf dem in einer Folge von acht aufeinander aufbauenden Workshops das internationale KOMET-Projekt auf seine Qualität hin untersucht wurde.
Erwartungen wurden übertroffen
Die Experten der Praxis, die von Anfang an eine Schlüsselrolle in diesem Projekt spielten, begründeten ihre hohen Erwartungen, die sie an das KOMET-Projekt stellen: "Wir erwarten einen Werkzeugkasten, mit dem es endlich gelingt, die neuen Leitideen beruflicher Bildung ´Prozess- und Gestaltungskompetenz` effektiv in Unterricht und Ausbildung umzusetzen und den Erfolg der neuen Ausbildungspraxis zu überprüfen", so Klaus Spiekermann, der Leiter der Friedrich-Ebert-Schule in Wiesbaden. Nach sechs Jahren Forschungspraxis und einer umfangreichen Grundlagenforschung zeichne sich ab, "dass unsere Erwartungen, die wir an dieses Projekt geknüpft haben, übertroffen wurden", so Gerald Hubacek, der als Abteilungsleiter einer Berufsschule an diesem Vorhaben beteiligt war. "Wir hatten zunächst – wie die Forscher – die Diagnostik im Blick und haben erst im Laufe des Projektes die didaktische Bedeutung dieses Instrumentariums erkannt."
Praxistauglich auch für internationale Vergleiche
Bis sich diese Einschätzung durchsetzte, die bei den Karlsruher Workshops noch einmal bestätigt wurde, stand die Forschung vor der Herausforderung, ein Testverfahren mit offenen komplexen Testaufgaben zu entwickeln, die ihre Praxistauglichkeit auch für internationale Vergleiche erweisen mussten. "Vor allem", so Professor Rauner, Mitinitiator des Projektes, "stellte ein Verfahren zur Bewertung höchst unterschiedlicher Aufgabenlösungen durch die bewertenden Lehrer (Rater) bislang eine entscheidende Hürde dar. Wir mussten nachweisen, dass es gelingt, diese Rater in den beteiligten Ländern wie China, Südafrika oder Nordrhein-Westfalen so zu qualifizieren, dass sie zu nahezu identischen Bewertungen gelangen (Interrater-Reliabilität)". Professor Zhao Zhiqun (Beijing) führte dazu aus: "Als wir bei unserem ersten international vergleichenden KOMET-Projekt für Elektroniker am Ende des Trainings chinesischer Lehrer zu Ratern Höchstwerte für die Übereinstimmung mit den Ergebnissen deutscher Lehrer feststellen konnten, fiel mir ein Stein vom Herzen. Ich hatte zunächst Zweifel, ob dies gelingen kann."
Mittlerweile, so die Berichte über eine Vielzahl durchgeführter Projekte, ist daraus eine Gewissheit geworden. Mit einer spezifischen Form des Ratertrainings ist es möglich, die große Bandbreite höchst unterschiedlicher Lösungen, die bei offenen und komplexen Testaufgaben zu erwarten sind, mit großer Genauigkeit zu bewerten.
Neue Qualität in der Evaluation beruflicher Bildungsprozesse
Inzwischen beteiligen sich an dem KOMET-Projekt fünf europäische und außereuropäische Länder mit ca. zehn Berufen des gewerblich-technischen und kaufmännischen Bereichs sowie Berufen aus dem Gesundheitssektor. Der Zusammenarbeit mit dem chinesischen KOMET-Konsortium kommt dabei eine besondere Bedeutung zu, da 2013 das chinesische Bildungsministerium im Rahmen eines nationalen Forschungsprogrammes zur Qualitätssicherung in der beruflichen Bildung ein KOMET-Vorhaben als ein Schlüsselprojekt fördert. "Ohne unsere deutschen Partner", so Professor Zhao, "hätten wir mit unserem Forschungsantrag keine Chance gehabt."
"Es sieht ganz so aus, als ob mit dem KOMET-Projekt eine neue Qualität in der Gestaltung und Evaluation beruflicher Bildungsprozesse erreicht werden kann – vorausgesetzt, "die Forschungsförderung und die Berufsbildungsverwaltungen erkennen diese Chance", so der abschließende Kommentar von Professor Martin Fischer, dem Verantwortlichen für die Durchführung dieser Konferenz.
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